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Mecklenburg-Vorpommern

08. Dezember 2016 | 09:00 Uhr

Komasaufen : 72 Kinder mit Vollrausch in Kliniken

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Mehr Minderjährige saufen, bis der Arzt kommt

Nur drei Gramm reiner Alkohol pro Kilogramm Körpergewicht können bei Kindern und Jugendlichen zu einer tödlichen Atemlähmung führen. Insgesamt kann es durch eine Alkoholvergiftung zu Bewusstlosigkeit, Atemstopp oder Herzstillstand kommen. Trotzdem steigt in Mecklenburg-Vorpommern die Zahl der unter 20-Jährigen, die mit Alkoholvergiftungen in Kliniken eingeliefert werden müssen.

Nach gestern veröffentlichten Informationen der Krankenkasse DAK kamen im vergangenen Jahr 347 Kinder und Jugendliche mit gefährlich hohem Alkoholpegel ins Krankenhaus – 201 Jungen und 146 Mädchen. Damit stieg die Zahl der Betroffenen im Vergleich zu 2014 um 9,5 Prozent. Im Langzeit-Vergleich mit dem Jahr 2000 errechnete die DAK sogar einen Anstieg von 39 Prozent. Besonders bedenklich: Unter den sturzbetrunkenen Minderjährigen waren 72 Kinder im Alter unter 15 Jahren.

„Ich hoffe, dass wir dieser Entwicklung mit unserer Präventionsarbeit entgegen wirken können“, sagte Frank Lätsch, Landeschef der DAK in Mecklenburg-Vorpommern. Der Bundestrend ist dagegen leicht rückläufig.

Das Ergebnis sei allerdings auch ein Hinweis darauf, dass die Bevölkerung inzwischen sensibler auf betrunkene Kinder und Jugendliche regiert, sagte Rainer Siedelberg, Geschäftsführer der Landeskoordinierungsstelle für Suchtthemen MV (Lakost). „Werden Minderjährige im hilflosen Zustand aufgefunden, werden sie häufiger als noch vor Jahren sicherheitshalber gleich ins Krankenhaus gebracht“, so Siedelberg. Die Gefahren des Komasaufens seien vielen Menschen inzwischen bewusster. Trotzdem kommt es immer wieder zu Todesfällen. So verstarb vor zwei Jahren ein 17-Jähriger aus Satow nach einer Geburtstagsfeier und nach übermäßigem Alkoholkonsum.

Die meisten der im vergangenen Jahr mit einer Alkoholvergiftung eingelieferten Minderjährigen waren Jungen im Alter zwischen 15 und 20 Jahren. Von ihnen kamen 2015 insgesamt 170 nach einem Vollrausch in die Klinik – 15,6 Prozent mehr als 2014. Bei Mädchen dieser Altersgruppe ist ein Anstieg von acht Prozent zu verzeichnen.

„Die Zahlen belegen deutlich, wie wichtig Suchtprävention ist“, sagte ein Sprecher des Schweriner Sozialministeriums. Gemeinsam mit der DAK will das Ministerium auch 2017 die Aufklärungskampagne „bunt statt blau – Kunst gegen Komasaufen“ fortsetzen.

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erstellt am 16.Nov.2016 | 20:55 Uhr

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