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Mecklenburg-Vorpommern

08. Dezember 2016 | 09:00 Uhr

Neue Konzepte gefragt : 7000 Flüchtlinge in MV ohne Arbeit

vom
Aus der Onlineredaktion

Jüngere haben wenig Lust auf Ausbildung. Arbeitsagentur mit neuen Strategien

Die Bundesagentur für Arbeit will mit neuen Konzepten gegen die extrem hohe Arbeitslosigkeit unter Flüchtlingen vorgehen. In Mecklenburg-Vorpommern bekommen derzeit etwa 7000 Asylberechtigte, die meisten von ihnen kommen aus Syrien, ihr Geld von den Jobcentern im Land. Wie die Chefin der Regionaldirektion Nord der Bundesagentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann, gestern in Schwerin sagte, sind 2500 Flüchtlinge offiziell als arbeitslos registriert, weitere 4500 Schutzsuchende befinden sich in Sprachkursen und anderen Integrationsmaßnahmen und erhalten ebenfalls Leistungen vom Arbeitsamt. Lediglich 260 Flüchtlinge konnten bisher in sozialversicherungspflichtige Jobs vermittelt werden.

Um den Einstieg in den Arbeitsmarkt zu erleichtern, will die Arbeitsagentur künftig den Flüchtlingen direkt nach ihren Integrationskursen Praktika in Betrieben anbieten. Dem Praktikum soll sich bei Jüngeren eine Ausbildung und bei Älteren eine Qualifizierung anschließen.

„Außerdem wollen wir eine Kümmererstruktur aufbauen“, sagte Haupt-Koopmann. Hauptamtliche Berater sollen Flüchtlingen bei der Bewältigung von Problemen etwa mit Behörden helfen. In Mecklenburg-Vorpommern sind 67 Prozent der arbeitslos gemeldeten Schutzsuchenden jünger als 35 Jahre, 31 Prozent sogar jünger als 25 Jahre, teilte die Arbeitsagentur mit. „Damit ist das Potenzial für Ausbildung und Qualifizierung vom Alter her hoch“, schätzte die Regionalchefin ein.

Allerdings würden bei den jungen Flüchtlingen Informationen, Erfahrungen und Verständnis für die betriebliche Berufsausbildung völlig fehlen, sagte Professorin Ursula Engelen-Kefer von der Hochschule der Bundesagentur in Schwerin. „Eher überwiegt bei der Mehrheit der dringende Wunsch, möglichst schnell Geld zu verdienen, um die Schulden für die Flucht zurückzuzahlen oder die Familien in der Heimat zu unterstützen“, sagte die ehemalige Gewerkschaftsfunktionärin.

Sie befürchtet eine zunehmende Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt um geringqualifizierte Tätigkeiten, deren Stellenzahl in Deutschland auf 154 000 geschätzt wird. Denn von den mehreren hunderttausend Flüchtlingen hätten zwei Drittel keinen Berufsabschluss. Dieses Überangebot an Arbeitskräften bei einfachen Tätigkeiten dürfe nicht zu Lohn- und Sozialdumping führen, so die Professorin.
 

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erstellt am 01.Dez.2016 | 20:45 Uhr

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