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Aus dem Gerichtssaal : 13 Monate Haft für Schläger

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Schweriner Amtsgericht verurteilt 45-Jährigen wegen „Sieg Heil“-Ruf und Körperverletzung

Wer von einem Gericht zu einer Gefängnisstrafe von höchstens zwei Jahren verurteilt wird, kann in der Regel hoffen, auf Bewährung von der Haft verschont zu bleiben. Mit einem 45-jährigen Schweriner hatte eine Amtsrichterin jedoch kein Nachsehen. Weil er von seinem Balkon „Sieg Heil“ gerufen und einige Monate später im Spätherbst 2015 ein Paar verprügelte, das abends mit seinem Hund unterwegs war, soll er für dreizehn Monate in Haft. Der bislang arbeitslose gelernte Maurer habe „aus dem Nichts heraus“ dem angegriffenen Mann gravierende Verletzungen zugefügt, „nur weil er Spaß daran hatte“, so die Richterin.

Der in 17 anderen Fällen vorbestrafte Fußballfan, gegen den Hansa Rostock für drei Jahre ein Stadionverbot verhängt hat, wird voraussichtlich das Urteil in der nächsten Instanz anfechten. Vor dem Amtsgericht vermutete er, dass der verbotene Nazi-Gruß wohl aus einer Fernseh-Dokumentation über das Dritte Reich stammte und bei offener Balkontür auch draußen zu hören gewesen sei. Ein Nachbar hatte den Mann nicht wegen des Nazi-Rufes an sich, sondern wegen Ruhestörung angezeigt.

Im Konflikt mit dem Paar, das seinen Hund ausführte, habe er „tausendprozentig“ die Frau nur einmal geschubst, so der Angeklagte. Er war mit einem Kumpel auf dem Weg zur Kaufhalle, um Alkohol zu kaufen. Da habe das Paar seinen Hund – „wahrscheinlich war es ein Rottweiler“ – auf ihn gehetzt, weil er auf den Leinenzwang hingewiesen habe.

Diese Schilderung nahm die Amtsrichterin dem Angeklagten nicht ab. Selbst der Kumpel, der inzwischen wegen einer anderen Straftat in Untersuchungshaft sitzt, gab inzwischen zu, dass beide das Hundehalter-Paar angegriffen haben. Einen Grund dafür konnte er nicht nennen.

Die Frau erlitt mehrere Schürfwunden, der Mann kam mit einer gebrochenen Nase ins Krankenhaus. Bei dem Hund handelte es sich übrigens um einen acht Monate alten Labrador-Welpen, der auf die später anrückenden Polizisten einen friedlichen Eindruck machte.

Nach Ansicht der Richterin könnte dem Angeklagten in der nächsten Instanz statt eines Freispruchs auch eine schärfere Strafe drohen. Er hatte während des Angriffs auf das Paar Quarzhandschuhe dabei. Falls die Ermittler bei einer genauen Untersuchung daran Hautpartikel der Opfer finden, hätte der Schweriner eine gefährliche Waffe bei seinen mutmaßlichen Schlägen benutzt. Dafür sind höhere Strafen vorgesehen als bei einer einfachen Körperverletzung.

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erstellt am 20.Apr.2017 | 20:45 Uhr

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