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Brandenburg

08. Dezember 2016 | 21:07 Uhr

Zehdenick : Zweifel an Herkunft des Altartuchs

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mittelalterliche Textilarbeit womöglich in einem Kloster Niedersachsens oder Sachsen-Anhalts gefertigt

Muss die Geschichte des Zehdenicker Altartuches neu geschrieben werden? Die Recherchen von Heinz H. Schmal jedenfalls werfen die Frage auf, ob es sich überhaupt um ein Altartuch handelt oder ob es vielmehr ein so genanntes Hunger- oder Fastentuch ist.

Schon 1933 stellte das Kloster das Tuch dem Märkischen Museum Berlin als Dauerleihgabe zur Verfügung. In einer Vitrine in der Berliner Nikolaikirche ist das Tuch der Öffentlichkeit zugänglich. In Zehdenick befindet sich eine Foto-Reproduktion in Originalgröße.

Vor der jüngsten Sitzung des Stiftskapitels übergab Heinz H. Schmal an Stiftamtfrau Gabriele Pielke und Stadtarchivarin Margitta Gatzke das Ergebnis seiner Recherche zum Zehdenicker Altartuch – je einen Aktenordner mit 300 Seiten. „Für uns als Stiftskapitel ist diese Arbeit ein weiterer wichtiger Schritt bei der Erarbeitung der Geschichte des Klosters, die ebenso wichtig ist wie die tatsächliche Erschließung der einzelnen Bereiche des Klosters. Hier sind wir recht weit mit der Erschließung des Klosterfriedhofs. Für die städtische Geschichtsdokumentation ist eine so komplexe Aufarbeitung sicherlich ein wichtiges Dokument“, sagte Gabriele Pielke.

Wer einen Blick in die Recherchen von Heinz H. Schmal wirft, werde sich vielleicht wundern, warum erst 1857 zum ersten Mal von einer Sache gesprochen werde, die heute für ein wertvolles Kulturgut gehalten wird. „Die Antwort lautet ganz einfach: „Bis zur Reformation und vielleicht auch noch etliche Jahre darüber hinaus war das Tuch ein zwar heiliger, aber doch ein Gebrauchsgegenstand.“ Erst im 19. Jahrhundert, als vieles zu kulturhistorischen Ehren kam, wurde man sich des Wertes dieses Gebrauchsgegenstandes bewusst.

Die Frage nach der Herkunft des Tuches kann auch Schmal nicht beantworten. Er wies in einer kurzen Mitteilung am Montag aber auf die vielen Widersprüchlichkeiten hin. Eine Frage, deren Antwort umstritten sei, ist die Herkunft des Tuches.

Prof. Dr. Harald Schwillus schreibe in seinem Konzept für ein geplantes Museum im ehemaligen Zisterzienserinnen-Nonnenkloster Zehdenick, dass er das Tuch als in Zehdenick geschaffen ansieht. „Ich bezweifle das“, so Schmal. Das Tuch sei eine so komplexe Arbeit, die nicht von einer Nonne allein hätte verrichtet worden sein können. „Auch mehrere Nonnen hätten mehrere Jahre dafür gebraucht. Es ist dabei nicht zu vergessen, dass aller Wahrscheinlichkeit nach auf Jahrzehnte auch nicht die dazu nötigen Räume in Zehdenick existierten.“

Er halte es deshalb für angebrachter, genauer auf die Gründungsgeschichte des Klosters zu hören. Damit meine er aber nicht die Sage vom Blutwunder. Es sei bezeichnend, dass neben den beiden Markgrafen Johann I. und Otto III. noch ein weiterer Stifter genannt werde, nämlich deren Schwester Mechthild oder Mathilde, eine Herzogin von Braunschweig-Lüneburg.

Im Herrschaftsgebiet Braunschweig-Lüneburg lagen Klöster, die um einiges älter waren, und eines von diesen, das Kloster Lüne, verfüge heute ebenfalls noch über solche mittelalterlichen Textilien.

„Ich halte es für wahrscheinlicher, dass das Tuch aus einem Kloster in den heutigen niedersächsischen oder sachsen-anhaltinischen Gebieten, zum Beispiel aus Halberstadt, stammt und als Ausstattungsgeschenk aus Braunschweig-Lüneburg beigesteuert wurde“, so Schmal, der als Hobbyhistoriker unter anderem Kunstermittlungen für die Havelländische Malerkolonie Ferch betreibt.

 

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erstellt am 17.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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