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Brandenburg

03. Dezember 2016 | 10:37 Uhr

Reformationsjubiläum : Wo katholische Streitkräfte einst durch die Elbe schwammen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Im neugestalteten Reformationsmuseum von Mühlberg kann man auf Zeitreise zu einer bedeutenden Schlacht von 1547 gehen.

Der Theologe Martin Luther (1483-1546) soll nie märkischen Boden betreten haben. Trotzdem hat der Reformator, der vor 500 Jahren seine 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg schlug, seine Spuren hinterlassen.

Der Ort, an dem der erste Religionskrieg auf deutschem Boden sein blutiges Ende fand, hat heute etwas Meditatives. Schafe grasen auf satten Deichwiesen. Die Elbe fließt gemächlich dahin. Nur ein einsamer Findling, rund drei Kilometer entfernt vom 4000-Einwohner-Städtchen Mühlberg im südlichsten Zipfel Brandenburgs, erinnert noch an die Geschehnisse von 1547. Seine Inschrift lautet: „Die Elbe einst hier sah / was an dieser Furt geschah / Karl V. hoch zu Ross / ritt hindurch mit Pferd und Tross.“ In der Schlacht bei Mühlberg, die damals stattfand, bäumten sich die Kräfte der Gegenreformation ein letztes Mal erfolgreich auf.

Mit der Überquerung des Flusses, teils schwimmend, teils durch die Furt, überraschten die katholischen Streitkräfte von Kaiser Karl V. damals die Truppen des Schmalkaldischen Bundes. Dieser war ein Zusammenschluss protestantischer Fürsten und Städte, der bereits 1531 im heute thüringischen, damals aber noch zu Hessen gehörenden Ort Schmalkalden entstanden war.

Die Schlacht sollte zu einem Ereignis von europäischem Rang werden: Tausende Soldaten des Bundes wurden vom kaiserlichen Heer, in dem unter anderem italienische, spanische und ungarische Söldner kämpften, vernichtend geschlagen. Johann Friedrich, der sächsische Kurfürst, wurde gefangen genommen. Seine Ländereien fielen nach der anschließenden Kapitulation an einen Verbündeten des Kaisers. Nur die befürchtete Rekatholisierung blieb aus.

Von diesen bewegten Tagen der deutschen Geschichte, noch einige Jahre vor dem Augsburger Religionsfrieden, als sich Katholiken und Protestanten auf eine friedliche Koexistenz verständigen konnten, erzählt das neugestaltete Reformationsmuseum „Mühlberg 1547“. Es wurde im April 2015 eingeweiht.

Auf mehr als 400 Quadratmetern vereint das lebendige Ausstellungskonzept historische Schätze aus dem 16. Jahrhundert wie liturgische Handschriften, Reliquien und Skulpturen, mit der Interaktivität von elektronischen Medien. So kann der gesamte Verlauf der Schlacht etwa auf einem digitalen Kartentisch verfolgt werden. Eine Kopie des von dem venezianischen Maler Tizian geschaffenen Bildes „Kaiser Karl V. nach der Schlacht bei Mühlberg“ komplettiert die Ausstellung.

Der eigentliche Glanzpunkt ist aber das Gebäude selbst: Das Museum ist in der ehemaligen Propstei untergebracht – ein Prunkstück der Renaissance. Um 1530 als Wohn- und Amtshaus eines Propstes des naheliegenden Zisterzienserinnenklosters errichtet, diente es Mühlberg seit 1926 als Heimatmuseum. Während die Außenhülle mit zwei prächtigen Maßwerkgiebeln all die Jahrhunderte vergleichsweise gut überstand, herrschten innen vor einigen Jahren noch „desolate Zustände“. Museumsleiterin Martina Pöschl, die in dieser Funktion bereits seit 1984 tätig ist, kann sich daran noch gut erinnern.

2011 wurde dann bereits mit Hinblick auf das Luther-Jubiläum mit einer umfassenden Sanierung begonnen, die dreieinhalb Jahre andauern sollte. Rund zwei Millionen Euro wurden in das Museum investiert, das sich heute in Trägerschaft des Landkreises Elbe-Elster befindet. Der ursprüngliche Grundriss wurde dabei ebenso wiederhergestellt, wie die originalen Deckengewölbe und Wandmalereien.

Bei der Einweihung hatte die damalige Kulturministerin Sabine Kunst verkündet, dass der einst europaweit bedeutende Ort damit „auf die Landkarte zurückgebracht“ werde. Und tatsächlich scheinen sich die Mühen auszuzahlen: „Unsere Besucherzahlen haben sich durch das Museum verachtfacht“, erklärt Stadtführerin Rosemarie Bauer.

Zusammen mit ihrer Kollegin Katrin Bunk zeigt sie seit Jahren in mittelalterlichen Gewändern Touristen die Altstadt. Die Rundgänge führen durch den neugestalteten Kreuzgang des Klosters sowie zur Löwenapotheke von 1673, in der einst Elise, die Schwester von Theodor Fontane zur Welt kam. „Die meisten Besucher sind überrascht“, sagt die Mühlberger Rentnerin, „was unsere kleine Stadt alles zu bieten hat.“

 

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erstellt am 08.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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