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Wirtschaft BB

03. Dezember 2016 | 16:37 Uhr

Ausbildung : Flüchtlinge an der Werkbank

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Handwerkskammern wollen Firmen zu Fachkräften und Asylsuchenden zu Arbeit verhelfen

In vielen ostdeutschen Städten und Landkreisen suchen Handwerksbetriebe Fachkräfte und Auszubildende. Viele Flüchtlinge wollen schnell in Arbeit kommen. Handwerkskammern wollen sie zusammenbringen – so das erklärte Ziel.

Bassam Rabah schraubt eine Verteilerdose an ein Gitter. Sein Kollege reicht ihm eine Schelle. Nächster Schritt: eine Leitung legen. Praxistag bei der Handwerkskammer Cottbus in Brandenburg. Der Syrer und etwa 15 weitere Asylbewerber probieren sich in einer Übungswerkstatt aus. „Ich bin praktisch veranlagt“, sagt der 48-Jährige im Blaumann. Er könne sich eine Umschulung vorstellen. In seinem Heimatland arbeitete Rabah als KfZ-Mechaniker.

Viele Handwerkskammern in Deutschland starteten Initiativen, um Flüchtlinge und Firmen zusammenzubringen oder planen gerade solche Projekte. In Cottbus sieht das Projekt „Willkommen im Handwerk“ so aus: Über vier Wochen gibt es Sprachkurse, Praxistage im Bereich Elektro, Tischlerei oder Friseur – Dolmetscher helfen aus, wenn es Sprachprobleme gibt. Hinzu kommen Exkursionen zu Firmen in der Region. Und es werden gemeinsame Behördengänge gemacht.

Wie funktioniert das Projekt? Ausbilder Thomas Fron sagt: „Läuft. Sie sind alle sehr motiviert.“ Finanziert wurde das Ganze von der Handwerkskammer, und es gab Lottomittel vom Land. Im gerade begonnenen neuen Jahr soll ausgewertet werden, ob das Cottbuser Projekt zielführend ist, dann könnte es weitere Kurse geben. Der zweite Kurs endete kurz vor Weihnachten. Firmen hätten signalisiert, dass sie sich eine Zusammenarbeit mit den Flüchtlingen vorstellen können, heißt es bei der Handwerkskammer.

Es gibt viele ähnliche Projekte in Ostdeutschland: Der Bund finanziert zum Beispiel ein Pilotprojekt der Handwerkskammer Halle in Sachsen-Anhalt. Sieben Flüchtlinge aus Syrien und Benin werden dabei über mehrere Monate auf eine duale Ausbildung vorbereitet.

In Erfurt gibt es seit Dezember einen Integrationsberater, der in Flüchtlingsheimen gezielt nach beruflichen Kenntnissen fragt, um Kontakte zu Firmen herzustellen. Das Projekt ist nach Handwerkskammerangaben zunächst auf ein Jahr angelegt.

Kürzlich startete zudem im thüringischen Zeulenroda (Greiz) ein Pilotprojekt für Flüchtlinge, das noch einen Schritt weitergeht als etwa das in Cottbus: Am Ende soll nämlich ein Abschluss im Handwerk stehen, der europaweit anerkannt ist. Die Ausbildung wird mit Sprach- und Integrationskursen verzahnt. Der Landkreis bezeichnete das Projekt als bisher einzigartig im deutschsprachigen Raum.

Die Handwerkskammer Dresden begann im Dezember mit zwei Sprachkursen. Sie laufen bis April 2016. Unterrichtet werden 30 Syrer in einem kommunalen Flüchtlingsheim in Altenberg (Sächsische Schweiz-Osterzgebirge), wie die Kammer mitteilt. Zudem gebe es dieses Jahr Pläne für Berufsorientierungskurse in den Bereichen Elektro, Bau/Farbe und Metall.

Die Handwerkskammer Magdeburg stellt ebenfalls Weichen und macht u. a. derzeit eine Sonderumfrage bei Betrieben zur Einstellung von qualifizierten Mitarbeitern und Auszubildenden aus dem Ausland.

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erstellt am 04.Jan.2016 | 09:24 Uhr

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