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Brandenburg

09. Dezember 2016 | 01:02 Uhr

DDR-Platte als Kreatives Idyll : Wird Brandenburg jetzt hip?

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Hippe junge Leute in Straßencafés, viele Hauptstädter auf Festivals im Umland und jede Menge Kunstprojekte

Eine verlassene DDR-Platte auf einem Dorfhügel mitten in der Uckermark. Die alten Böden sind herausgerissen, an den Wänden sind keine Tapeten. Die Aussicht: Felder und Obstbäume. Künstler und Freischaffende zieht es hierher. Denk- und Produktionsraum nennt die Berlinerin Larissa Rosa Lackner das riesige Areal mit jeder Menge alter Garagen und verwilderten Gartenparzellen. Mit anderen Kunst- und Kulturschaffenden aus Berlin und Leipzig baut sie hier eine Künstlerresidenz auf, sonst lebt sie in Berlin-Neukölln.

„Hier bist du leer, Berlin ist überfüllt an Ideen“, sagt die 29-Jährige, die Kunst studierte und als Regisseurin einer Tanzperformance arbeitete. „Hier hast du Luft für Neues.“ Viele Berliner ziehe es her, sagt Mitorganisatorin Theresa Pommerenke. „Weil sie Konzentration und Freiraum suchen.“ Darunter seien Theaterleute und Performance-Künstler. Es gebe immer mehr Anfragen für Übernachtungen. Das Interessante am gepachteten Areal sei auch, dass sich mit der DDR-Platte mitten in der Idylle Uckermark der Kontrast Stadt-Land widerspiegele.

Seit zwei Jahren renovieren die Initiatoren des Vereins Libken und Helfer das Gelände im Ort Böckenberg. In einer Garage, an der zum Teil noch alte Gardinen hängen, ist ein Inspirationsraum entstanden. Demnächst soll auf dem Areal ein Tanzboden in dem ehemaligen Wasserwerk eingebaut werden. Und seitdem sich hier eine Hacker-Gruppe einige Tage zurückgezogen hatte, um an neuen Projekten zu arbeiten, gebe es auf dem Gelände Internet, sagt Lackner.

Die Wohnungen bleiben ohne Böden und Tapeten, die Möbel sind zusammengesammelt oder Leute aus dem Ort haben etwas gespendet. Das Gebäude wirkt selbst wie eine Kunst-Installation.

Wie in der Uckermark blitzt vielerorts in der Mark etwas hervor, das man geballt in angesagten Großstädten findet. Die Zeiten, in denen sich Hipster am liebsten nur in den Berliner Szenevierteln tummelten, sind längst vorbei. Junge hippe Leute sind auch weitab der Hauptstadt zu finden. Viele Berliner binden Brandenburg in ihre Freizeitgestaltung ein.

Das Staatstheater Cottbus verzeichnete in der vergangenen Spielzeit eine steigende Besucherzahl aus Berlin. Zurzeit ist eine moderne Inszenierung der Shakespeare-Tragödie „Hamlet“ zu sehen - der dänische Prinz Hamlet (Johannes Kienast) spielt Schlagzeug und steigt in Frauenkleider.

Zu Festivals und Badeseen im Umland von Berlin zieht es auch viele Hauptstädter. Könnte Brandenburg bald als hip gehandelt werden? „Dass Brandenburg zur hippen Region wird, halte ich für überschätzt“, sagt Trend- und Zukunftsforscher Christian Rauch vom Zukunftsinstitut Frankfurt am Main. Zwar färbe der urbane Lifestyle von Berlin auch in Brandenburgs Städte ab. Punktuell habe sich eine Szene entwickelt, wo es zum Beispiel Studierende und Kreative gibt. So etwas langfristig zu erhalten und über die gesamte Fläche eines Landes zu erstrecken, hält Rauch für schwierig. Dazu hätten Großstädte einen zu großen Magneteffekt.

Von der Strahlkraft Berlins profitiere in Brandenburg vor allem der Speckgürtel im direkten Umland, sagt Rauch. Es sei immer schon so gewesen, dass sich rund um Großstädte Biotope kreativer Leute gebildet hätten. Als „temporären Ausbruch aus dem Großstadtdschungel“ bezeichnet das Rauch..

„Es gibt unglaublich viel kreatives Potenzial. Das muss aber sichtbarer gemacht werden“, meint Franziska Pollin, die vom Land gefördert die Populärmusikszene in Brandenburg unterstützt und an einem Netzwerk arbeitet. Bereits jetzt hätten viele Festivalveranstalter Brandenburg für sich entdeckt. Allein 40 Festivals habe es in diesem Jahr über das Land verstreut gegeben - von Electro bis Jazz.

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erstellt am 30.Sep.2016 | 05:00 Uhr

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