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Brandenburg

09. Dezember 2016 | 06:47 Uhr

Illustratorin Kat Menschik : Vom märkischen Garten inspiriert

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Illustratorin Kat Menschik schaut gerne ihren Pflanzen beim Wachsen zu

Kat Menschik fühlt sich eigentlich als echte Berliner Großstadtpflanze, obwohl sie gebürtige Brandenburgerin ist. Wohl auch deshalb zog es die Künstlerin vor Jahren zurück in die Mark. Ein großer hölzerner Küchentisch in einem uralten Feldsteinhäuschen in Ostbrandenburg wurde zu ihrem bevorzugten Arbeitsplatz. Dort zückt die Illustratorin die Feder und fertigt ihre charakteristischen Zeichnungen mit klaren Linien und hartem Strich, die durch Veröffentlichungen in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ und Zeitschriften wie „Stern“ und „Brigitte“ inzwischen einen hohen Wiedererkennungswert haben.

„Durch die Arbeit mit der Feder sind die Striche nie komplett gleichmäßig“, erklärt Menschik. Für die markante Schrift verwendet sie Linolschnitte. Ihre Zeichnungen, die an eine Mischung aus Holzschnitt und Pop-Art erinnern, scannt die 48-Jährige ein und koloriert sie dann am Computer.

Inspirationen holt sie sich aus ihrem Umfeld, dem selbst angelegten Garten und dem dörflichen Idyll von Frankenfelde (Märkisch-Oderland). „Ich wollte nie nur eine kleine Parzelle mit Einfamilienhaus im Grünen, wie es viele im Berliner Speckgürtel gibt“, erinnert sie sich. Als sie, ihr Lebensgefährte und die Tochter das Anwesen vor mehr als zwölf Jahren entdeckten, bestach es vor allem durch seine Einbettung in die Frankenfelder Dorfstruktur mit Barockkirche - und durch kontaktfreudige Nachbarn. „Ich brauche das, dieses Schlichte und Bodenständige hier“, sagt Menschik, die an ihrer ersten eigenen Buchreihe arbeitet.

Für den Berliner Galiani-Verlag illustriert sie Texte ihrer Wahl, ein Lebenstraum, wie sie bekennt. „Wir sind Fan ihrer Handschrift, mit der sie Büchern einfach ein neues Gesicht gibt“, sagt Verleger Wolfgang Hörner. Der Verlag bringe immer wieder Texte heraus, die bereits häufig veröffentlicht wurden. „Die Resonanz bestätigt uns, dass viele Leser auch so manchen Klassiker noch nicht kennen“, sagt Hörner. Die ersten zwei Bände der Reihe sind bereits erschienen - Shakespeares „Romeo und Julia“ sowie Kafkas „Ein Landarzt“.

An ihrem Frankenfelder Küchentisch zeichnet Menschik an den Fortsetzungen. Ideen entwickelt sie beim Joggen durch das Dorf. Ihr 4000 Quadratmeter großer Garten sorgte letztlich dafür, dass der Bekanntheitsgrad der Illustratorin vor zwei Jahren immens wuchs. Damals wurde sie selbst zur Autorin, um „große Momente und kleine Niederlagen“ einer ahnungslosen Großstädterin mit wachsender Gartenliebe festzuhalten.

„Der goldene Grubber“, nennt sich das im Galiani-Verlag erschienene Werk, das so ganz anders ist, als herkömmliche Gartenbücher, und für das Menschik mehrere Preise einheimste. Das Buch-Cover erinnert irgendwie an Omas Nachschlagewerke aus dem Küchenschrank: „Ich wollte diesen ausdrucksstarken Retro-Stil, den man noch von Werbeplakaten der 1950-er Jahren kennt“, so die Künstlerin.

Den hält sie auch in ihrem „Bilder“-Buch durch. Wie ein Comic ist jede Seite geprägt durch ausdrucksstarke Zeichnungen und relativ wenig Text - die Buchstaben nicht gedruckt, sondern mit Feder und Tusche gezeichnet. „Der goldene Grubber“ wurde so ein Erfolg, das Verlag und Illustratorin eine Fortsetzung erwägen. „Dafür sammele ich neue Garten-Erfahrungen und Anekdoten, um sie später wieder mit den Lesern zu teilen.“

Um zwischenzeitlich nicht aus der Übung zu kommen, hat Menschik ein „Marmeladenbuch“ illustriert, obwohl den süßen Brotaufstrich in ihrer Familie niemand isst. Der Folgeband „Das Einmachbuch“ ist schon eher nach ihrem Geschmack - wachsen doch die Zutaten für die aufgeführten Pestos und Chutneys vor ihren Fenstern.

Ihr Garten, dem sie selbst im tristen November mit zartem Reif noch etwas Schönes abgewinnen kann, sei für sie inzwischen wie ein Familienmitglied, sagt die Künstlerin. „Ich schaue den Pflanzen beim Wachsen zu, pflege und umsorge sie, als wären es meine Kinder.“ Ist im grünen Idyll mal nichts zu tun, zieht sie sich in ihre kleine Töpferwerkstatt zurück, die sich Menschik in einem Nebengebäude eingerichtet hat.

 

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