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Brandenburg

10. Dezember 2016 | 06:05 Uhr

Pläne für märkische Herrenhäuser : Traumschloss zu vermieten

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Brandenburgische Schlösser GmbH als Eigentümerin des Schlosses Reichenow bemüht sich um neue Mieter.

Wenn Wolf-Dieter Hickstein auf seinem Weg durchs Dorf Reichenow (Märkisch-Oderland) am einstigen Märchenschloss vorbei kommt, seufzt er unwillkürlich. Gewiss, die Kulisse des Herrenhauses von August Freiherr von Eckardstein wirkt mit seiner fast weißen Fassade, mit Türmchen und Zinnen in Anlehnung an die englischen Landsitze der Tudorzeit noch immer reizvoll. Doch Türen und Fenster des Gebäudes aus dem späten 19. Jahrhundert sind seit langem verrammelt, der weitläufige Park geschlossen. „Wenn es hier mal brennen sollte, kommt nicht mal die Feuerwehr ran“, brummt der ehrenamtliche Bürgermeister (parteilos) missmutig.

Dabei kann er sich doch noch gut an die Zeiten erinnern, in denen das Schlosshotel Reichenow fast ständig ausgebucht war. Vor allem Hochzeitsgesellschaften kehrten hier ein und belebten auch das 450-Seelen-Dorf am Rande der Märkischen Schweiz. Zudem gab es öffentliche Veranstaltungen, die den Reichenowern die Chance boten, das architektonische Highlight ihres Ortes auch einmal von innen zu sehen. Seit 1997 hatten zwei Investorinnen erfolgreich ein Hotel mit knapp zwei Dutzend exklusiven Zimmern geführt. Nach 15 Jahren jedoch lief der Pachtvertrag aus, die beiden inzwischen betagten Hotelfrauen und die Brandenburgische Schlösser GmbH als Eigentümer konnten sich nicht auf einen neuen Vertrag einigen. Ende 2012 war Schluss mit den stilvollen Hochzeiten im Traumschloss.

Inzwischen ist das einstige Vorzeigeobjekt zu einem Problemschloss geworden, nicht zuletzt durch die neuen Mieter, gegen die in Berlin sogar staatsanwaltschaftliche Ermittlungen wegen Betruges laufen sollen. „Wir haben ihnen zum Jahresbeginn 2016 gekündigt, weil sich im Schloss nichts tat und sie die Miete nicht mehr zahlten“, sagt Wolfgang Illert, Geschäftsführer der Schlösser GmbH.

Im Frühjahr 2014 war das junge Quartett angeblicher Geschäftsleute in Reichenow aufgetaucht, um seine Visionen für den repräsentativen Prachtbau vorzustellen. „Das klang alles vielversprechend. Das Schloss sollte zwar ebenfalls wieder zum Hotel werden, aber durch vielfältige Veranstaltungen auch zum kulturellen Zentrum der Gemeinde“, erinnert sich Bürgermeister Hickstein. Doch die neuen Pächter hätten sich im Verlauf immer mehr abgeschottet und seien schließlich ganz verschwunden.

Die Schlösser GmbH hatte das Reichenower Schmuckstück kurz nach der Wende von der Gemeinde übernommen und saniert, so wie weitere 14, teilweise vom Verfall bedrohte Herrenhäuser in der Mark. Rund 90 Millionen Euro wurden bisher in die Häuser investiert. Pro Jahr hat die Schlösser GmbH laut Illert ein Budget von lediglich 2,5 Millionen Euro zur Verfügung. Für einige Gebäude wie das Schloss Steinhöfel (Oder-Spree), das seit dem Sanierungsabschluss im Jahr 2002 ebenfalls ein Hotel ist, gelang eine langfristige Nutzung. Eine Erfolgsgeschichte ist auch das Schloss Fürstlich Drehna (Dahme-Spreewald) mit Luxushotel, wiederbelebtem Gasthof nebst Pension und dem ehemaligen Gärtnerhaus, in dem die Naturparkverwaltung Niederlausitzer Landrücken ihr Domizil hat.

Bei anderen Häusern wie dem Barockschloss im Trebbiner Ortsteil Blankensee wechselten die Mieter mehrfach, was Schlösser-Chef Illert durchaus normal findet. „Mieter kommen und gehen. Solange sich der eine an den anderen nahtlos anschließt, sehe ich da kein Problem.“ Und auch für das Schloss Reichenow ist Illert optimistisch, was den Neuanfang betrifft. „Wir stehen in Verhandlungen mit Interessenten, die das Haus erneut als Hotel betreiben wollen. Allerdings wird das wohl erst zu Saisonbeginn im Frühjahr nächsten Jahres etwas“.

Das Märchenschloss am Rande der Märkischen Schweiz ist allerdings nicht der einzige aktuelle Leerstand: Auch für weitere sechs Objekte im Bestand der Schlösser GmbH ist Illert noch auf der Suche nach einer sinnvollen Nutzung, von der nicht nur potenzielle Pächter, sondern auch die Öffentlichkeit profitieren. Denn erst dann, so sagt er, sei so ein historisches Anwesen tatsächlich gerettet.

 

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