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Brandenburg

04. Dezember 2016 | 19:24 Uhr

Kriminalität : Teppichreiniger in Visier der Polizei

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Unternehmer bieten Arbeiten zu überhöhten Preisen an. Ermittler vernehmen Tatverdächtige

Die Polizei in Ostbrandenburg geht gegen dubiose Teppichreiniger vor. Die Firma sei mit „recht undurchsichtigen Geschäftsgebaren“ in Seelow (Märkisch-Oderland) aufgefallen, heißt es in einer Pressemitteilung. Geschädigte hätten sich gemeldet, nachdem sie Kontakt zu den mutmaßlichen Betrügern aufgenommen und sich überrumpelt gefühlt hätten, weil sie nach einem unverbindlichen Angebot bei Vertragsabschluss teilweise vierstellige Zahlungen leisten sollten. Der Zugriff erfolgte am Mittwoch in der Ernst-Thälmann-Straße in Seelow, wo zwei 23 und 26 Jahre alte Männer aus Nordrhein-Westfalen ein weiteres Geschäft abwickeln wollten. Die Vernehmung auf dem Revier erhärtete den betrugsverdacht. Größere Geldsummen und ein weiterer Teppich wurden sichergestellt.

Schon im Juli hatte diese Zeitung Geschäftspraktiken der dubiosen Teppichhäuser thematisiert, die aus Sicht der Textilreiniger-Innung Brandenburg die ganze Branche in Verruf bringen. „Es werden Arbeiten zu völlig überhöhten Preisen vorgenommen und Leistungen angeboten, die überflüssig sind“, warnt Innungs-Chef Steffan Rimbach. Er glaubt, Familien-Clans machen deutschlandweit vor allem bei älteren Kunden mit ihrer Teppichmasche das große Geld. „Das geht hin und her – der Geschäftssitz wird verlegt, die Inhaberschaft wechselt ständig.“ In Werneuchen (Barnim) hatte eine 72-Jährige einen Teppich zur Reinigung abholen lassen. Als ein Angestellter ihn zurückbrachte, ließ sich die Frau von ihm zu einem Darlehen überreden – das Geld habe der Mann angeblich für eine Operation gebraucht. Eine Rückzahlung erfolgte bis heute nicht. Nur die wenigsten stellen laut Rimbach eine Strafanzeige, weil es ihnen peinlich sei, über den Tisch gezogen worden zu sein.

Wie im Sommer in Frankfurt (Oder) wurden Kunden auch anderswo mit biologischer Teppichwäsche ab 12,90 Euro pro Quadratmeter und kostenlosem Lieferservice geködert. Das vermeintliche Schnäppchen entpuppte als Abzocke: Die Firmenvertreter bezifferten die Kosten für Reinigung und Reparatur auf mehrere Tausend Euro und drohten, den Teppich erst nach Zahlung herauszugeben.

Im Fall des Frankfurter Teppichhauses, einer kleinen Annahmestelle in einer Seitenstraße, wiesen die Inhaber Betrugsvorwürfe zurück. Die gegenüber Mitbewerbern deutlich höheren Preise begründete sie im Juli mit dem besonderen Reinigungsverfahren: Teppiche würden nicht chemisch gereinigt, sondern mit Regenwasser gewaschen. Die Polizei geht von weiteren Betrugsopfern aus.  

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erstellt am 24.Nov.2016 | 21:00 Uhr

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