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Brandenburg

26. September 2016 | 10:45 Uhr

Brandenburger Volksbegehren : Streit um Windparks in Wäldern

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Diskussion über Räder im Wald zeigt fehlendes Verständnis für die Gegenseite

Das Brandenburger Volksbegehren gegen Windkraft ist im Juli deutlich gescheitert. Ziel war auch ein Verbot von Rädern im Wald. Nun wollte die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald im Rahmen einer Podiumsdiskussion ergründen, wie es weitergehen könnte. „Kommt jetzt der Sturm auf den Wald?“, war die Veranstaltung überschrieben. Während die Schutzgemeinschaft selbst hin und hergerissen ist, Räder im Wald aber nicht grundsätzlich ablehnt, halten diverse Bürgerinitiativen am kompletten Nein fest.

Für diese Seite argumentierte Michael Müller, Inhaber einer Professur für Waldschutz an der TU Dresden. Für ihn sei ein Wald mit Windrad kein Wald mehr. Die Brandenburger Landesregierung möge ehrlich sein und für jene Flächen den Begriff „Industriewald“ verwenden. Nicht nur, dass in den entstehenden Freiflächen Tierarten Platz finden, die nicht dorthin gehören, sei zu beanstanden. Vor allem würden die Räder Wälder zerschneiden und mit Licht verschmutzen. Zu beklagen sei auch die Versiegelung von Flächen, der Eintrag von Fremdstoffen durch die Bauarbeiten und nicht zuletzt der Landschaftsschaden.

Vehement attackierte Michael Müller eine von der Landesregierung betriebene „unerträgliche Kategorisierung“ der Wälder. Kiefernforst werde als minderwertig und damit geeignet für Windparks dargestellt. „Aber auch Kiefernwälder sind naturnah“, betonte Müller. Er empfahl ein konsequenteres handeln: Wolle man den „Industriewald“, sollten Räder auch in Laubwäldern erlaubt sein, wenn sie gute Windstrom-Erträge versprechen.

Jan Schröder vom Windenergieverband Berlin-Brandenburg tat das als Polemik ab und ging nicht darauf ein. Der Lobbyist betonte, dass Windkraft im Wald mit Blick auf den Klimawandel unverzichtbar sei. Wolle man eines Tages zu 100 Prozent Strom aus Erneuerbaren Energien, müssten 50 bis 65 Prozent davon über Wind gewonnen werden. Die Frage, wieso weitere Windparks gebaut werden, obwohl es in absehbarer Zeit weder Speichermöglichkeiten noch entsprechende Netze für den Stromtransport gibt, ließ er offen.

Mehr als ein Drittel der Brandenburger Landesfläche sei Wald. Dass nur 1,5 Prozent davon für Windkraft ausgewiesen werden dürften, mache die Eingriffe vertretbar. Jene, die das strikt ablehnen, belehrte Schröder: „Einen Schutz vor Veränderung gibt es nicht.“ Ziel sei die Trennung von der Kohle.

Die Gegner erwiderten in der Diskussion, dass dies aber nicht geschehe. Kein Windpark habe bisher dazu geführt, dass das Land den Abschied von der umweltschädlichen Kohle forciere.

Windkraft habe einen geringen Flächenverbrauch, fuhr Schröder unbeirrt fort, jeder gefällte Baum werde mindestens 1:1 ersetzt. Ein Argument, das wiederum die Gegner von Mühlen im Wald unter den Tisch fallen ließen. Sie beharrten: „Jeder gefällte Baum ist einer zu viel.“

Durch Windräder entstehende Lichtungen im Wald seien ökologisch wertvoll, argumentierte Schröder. Was dagegen spreche, dass sich dort Rote-Liste-Arten ansiedeln, sei ihm schleierhaft, sagte er an die Adresse Müllers. Die Gefahren für Vögel seien in Windparks im Wald geringer als im offenen Land, ebenso die Beeinträchtigung der Landschaft. „Und die Baumkronen schlucken den Schall.“  

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erstellt am 22.Sep.2016 | 05:00 Uhr

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