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Brandenburg

09. Dezember 2016 | 02:55 Uhr

Wirtschaft : Spediteure ignonieren Gigaliner

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Interesse der brandenburgischen Logistikfirmen verschwindend gering: Nur ein Fahrzeug bislang im Einsatz.

Es muss schon großer Zufall sein, auf märkischen Autobahnen einen Gigaliner zu erleben. Zwei Unternehmen aus Brandenburg beteiligen sich an einem bundesweiten Feldversuch, aber nur ein XXL-Laster wird regelmäßig auf die Straßen geschickt. „Eine spärliche Resonanz“, findet Steffen Streu, Sprecher des Infrastrukturministeriums. Zehn Firmen hatten ursprünglich Interesse bekundet. Doch die rot-rote Landesregierung sperrte sich viele Jahre gegen die Gigaliner. Erst im April nahm das Land am seit 2012 laufenden Feldversuch teil. Nun scheint die Nachfrage völlig verebbt zu sein. „Uns ist kein Interesse weiterer Firmen bekannt“, sagt Streu. „Daher planen wir auch nicht, neue Strecken auszuweisen.“

Auf der Positivliste des Bundesamtes für Straßenwesen (BaSt) finden sich neben vielen Autobahnen im Bundesgebiet auch zentrale Achsen im Westen und Süden Brandenburgs. Nur der Osten des Landes mit der A 12, A 11 und A 20 wurde nicht freigegeben. „Es ist noch ein großer Flickenteppich“, sagt Ingo Hodea, Referent für Güterverkehr im Speditions- und Logistikverband. Immerhin zieht sich der Flickenteppich aktuell durch fast alle Länder – nur Berlin und das Saarland verbannen Riesen-Trucks von den Straßen. In der Hauptstadt soll das auch so bleiben, wie aus dem rot-rot-grünen Koalitionsvertrag hervorgeht. „In der Innenstadt würden sie ein erhebliches Risiko darstellen“, sagt der Verkehrsexperte des ADAC Berlin-Brandenburg, Jörg Becker.

Hodea erhofft sich durch die Ankündigung von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU), die Gigaliner ab 2017 dauerhaft zuzulassen, einen Schub für die Einführung der auf 25 Meter gestreckten Lastkraftwagen. Viele Unternehmen – 60 hatten am Feldversuch teilgenommen – warten erst einmal ab, glaubt er. Die Verkehre zwischen Logistikpunkten müssten in einem längeren Zeitraum untersucht werden, bevor investiert werde.

Der Fuhrbetrieb Fromm aus Oranienburg (Oberhavel), eine der zwei märkischen Testfirmen, hat noch keinen Gigaliner angeschafft. Der Kauf sei wirtschaftlich derzeit nicht darstellbar, teilt Chef Burkhard Fromm mit. Die Gespräche mit den Kunden hätten keinen Bedarf ergeben. „Das ganze Konzept passt noch nicht“, so Fromm.

Die Investitionen sind immens: Es dürfen nur Lkw der neuesten Generation mit allen elektronischen Sicherheitssystemen eingesetzt werden. Die speziellen Auflieger kosten mehrere Zehntausend Euro. Jedoch dürfen die Fahrzeuge nach den derzeitigen Beschränkungen nicht mehr Tonnen laden als herkömmliche Laster.

Dagegen zieht das andere Unternehmen, BSH Hausgeräte, eine positive Bilanz. Auf der Strecke zwischen Gingen in Baden-Württemberg und Nauen (Havelland) werde seit Mai ein langer Lkw eingesetzt, sagt eine Sprecherin. „Unsere Erwartungen haben sich erfüllt.“ Dieser könnte 280 statt 200 Geräte transportieren. In Nauen werden jährlich 600 000 Waschmaschinen produziert.

Vor allem für den Transport dieser „weißen Ware“ und Unterhaltungselektronik seien die langen Lkw geeignet, sagt Experte Hodea. Dann seien die gewünschten Einspareffekte zu erreichen. Aus dem noch unveröffentlichten Abschlussbericht der BaSt geht hervor, dass 15 bis 25 Prozent Diesel gespart werden können, wenn ein Drittel weniger Lkw-Fahrten notwendig sind.

Selbst Manager der Güterverteilzentren üben Zurückhaltung. „Unser Kerngeschäft ist die Verlagerung von Transporten auf die Schiene“, so Christopher Nüßlein, Geschäftsführer des Investorcenters Ostbrandenburg, welches das GVZ Frankfurt (Oder) betreibt. Diese würden regional verteilt, wozu man keine Gigaliner brauche. „Einspareffekte sind schnell dahin, wenn man mit den Fahrzeugen nicht zum Endpunkt kommt und nochmals umladen muss“, erklärt er. „Ware anzufassen, ist immer teuer.“  

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erstellt am 25.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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