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Brandenburg

01. Oktober 2016 | 12:24 Uhr

Solaranlage versorgt Stadt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Kraft der Sonne birgt Chance: Diese soll eine thermische Solaranlage in Brandenburg nun nutzen

Früher lagerte hier Baustoff-Müll auf einer Deponie, jetzt scheint die Sonne auf eine riesige Kollektorfläche: Die Stadtwerke der brandenburgischen Kleinstadt Senftenberg versorgen die Haushalte jetzt nicht mehr nur mit Erdgaswärme. Wird der Wasserhahn aufgedreht, kann es also sein, dass die Wärme im Wasser zum Teil auch von der großen thermischen Solaranlage in dem Gewerbegebiet stammt. Sie ist laut Stadt die derzeit größte in Deutschland. Der Bau von neuen Solaranlagen ist nach Verbandsangaben zuletzt allerdings zurückgegangen.

Die Anlage in Südbrandenburg mit einer 8300 Quadratmeter großen Kollektorfläche funktioniert laut Stadtwerken Senftenberg so: Die Röhrenkollektoren nehmen Energie durch Sonneneinstrahlung auf. In den Röhren befindet sich Wasser, das sich erwärmt und dann über Leitungen in eine angrenzende Station fließt. Dort wird dem Wasser die Wärme entzogen, die dann in das nahegelegene Fernwärmenetz weitertransportiert wird. Von dort gelangt die Wärme zu den Kunden. Das Wasser in der Übergabestation fließt über einen Kreislauf in die Röhren zurück und kann dann wieder Sonnenenergie aufnehmen.

Dem Verband kommunaler Unternehmen zufolge gibt es bislang nur eine geringe Anzahl an Stadtwerken, die thermische Solaranlagen installiert haben und dann auch nicht in der Größe wie in Senftenberg. Solche Anlagen seien vor allem im ländlichen Raum zu finden, sagt ein Verbandssprecher. „In Großstädten haben sie oftmals keine freien Flächen zur Verfügung.“ Zugleich bemerke der Verband, dass Stadtwerke verstärkt auf eine Kombination aus fossilen und erneuerbaren Energien bei ihren Fernwärmenetzen setzten. Zum Beispiel würden Wärmepumpen installiert oder Biomasse in Heizkraftwerken eingesetzt.

Ziel der Kombination aus Ergas- und Sonnenwärme in Senftenberg ist es, sich von Schwankungen von Rohstoffpreisen unabhängiger zu machen, wie Stadtwerke-Geschäftsführer Detlef Moschke sagt. Vor allem in den Sommermonaten verspreche man sich gute Effekte. Der prognostizierte Jahresnutzungsertrag wird auf rund vier Gigawattstunden beziffert. Das Fernwärmenetz der Stadtwerke versorgt mehr als 10  000 Haushalte, hinzu kommen große Kunden wie das Klinikum. Bei einem Testlauf im Hochsommer konnte laut Stadtwerken an einigen Tagen mit der Anlage die Wärmegrundlast für etwa 3000 Haushalte gedeckt werden.


Markt geht seit Jahren zurück


Die Projektkosten beliefen sich laut Moschke auf 4,5 Millionen Euro - samt Fördermittel in Höhe von 40 Prozent. Die Gesamtkosten für den Betrieb des Fernwärmenetzes durch die Kombination aus Ergas- und Sonnenwärme seien leicht gesunken. Moschke stellt aber auch klar: „Ohne Förderung wäre es zurzeit kostenintensiver als vorher.“

Bezogen auf den Wärmeverbrauch nur aus erneuerbaren Energien in Deutschland lag der Anteil der Solarthermie im Jahr 2015 dem Bundeswirtschaftsministerium zufolge bei knapp fünf Prozent. Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Heizungsindustrie sind derzeit bundesweit rund 2,15 Millionen thermische Solaranlagen installiert.

Der Markt ist in den vergangenen Jahren laut Verband zurückgegangen. Dies hänge unter anderem mit einer geringen Investitionsbereitschaft zusammen.

Dem Bundesverband Solarwirtschaft zufolge wurden 2015 rund 100 000 neue Solarwärmeanlagen in Deutschland errichtet und damit etwa zehn Prozent weniger als im Vorjahr. „Die Diskussion über die Energiewende und die erneuerbaren Energien wird noch immer zu Unrecht stark vom Thema Stromerzeugung dominiert“, sagt Verband-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig zu dieser Entwicklung.

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erstellt am 23.Sep.2016 | 14:32 Uhr

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