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Brandenburg

10. Dezember 2016 | 09:52 Uhr

Deutschlandweit einmalige Einrichtung : Schwangerenkur im Sonnenhaus

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die spezielle medizinische Vorsorge für werdende Mütter am Scharmützelsee ist deutschlandweit einzigartig

Bad Saarow Anita Bauland aus Borken (Nordrhein-Westfalen) kann es endlich genießen, schwanger zu sein. Die 29-Jährige ist im 7. Monat und hat turbulente Zeiten hinter sich: Vom Kindsvater verlassen, kämpfte sie mit psychischen Problemen. Hinzu kamen gesundheitliche Schwierigkeiten, die ihre Schwangerschaft zum Risiko machen. Seit zehn Tagen ist Bauland im „Haus an der Sonne“ am Scharmützelsee in Bad Saarow (Oder-Spree). Die werdende Mutter erholt sich bei einer dreiwöchigen Schwangerenkur. Sie fühle sich endlich aufgehoben und geborgen, sagt sie.

Im Internet war sie auf die deutschlandweit einzige Einrichtung aufmerksam geworden. „Bei uns in der Gegend kannte niemand dieses Schwangerenkurheim - weder Ärzte noch Krankenkassen“, erzählt die gelernte Einzelhandelskauffrau, während sie sich lächelnd den Bauch streichelt. „Ich musste wirklich kämpfen, um hier einen Platz zu bekommen.“

Anke Müller, Leiterin des vom Kreisverband Fürstenwalde (Oder-Spree) der Arbeiterwohlfahrt (AWO) getragenen Hauses ,kennt solche Probleme. „Wir sind seit Jahren bemüht, uns bekannter zu machen, haben regelmäßig Infostände bei Gynäkologenkongressen und Mediziner-Fortbildungen.“

Dennoch sei diese spezielle medizinische Vorsorge für werdende Mütter ohne begleitende Kinder vor allem in den alten Bundesländern kaum bekannt. „Ärzte und Hebammen müssen informiert sein, damit sie gerade Patientinnen mit Risikoschwangerschaften eine Kur verordnen können“, sagt die Betriebswirtin. Das sei die weitaus kostengünstigere Variante gegenüber wochenlangen Krankenhausaufenthalten solcher Patientinnen.

Über die Auslastung des Hauses mit 24 Plätzen kann sie sich nicht beschweren. Durchschnittlich 350 werdende Mütter pro Jahr - zwischen 13 und 50 Jahre alt - genießen hier drei Wochen Auszeit vom Alltag, die meisten von ihnen stammen aus Ostdeutschland. Die Kosten werden von den Krankenkassen getragen, die werdenden Mütter zahlen einen Eigenanteil von 220 Euro.

„Wir würden uns aus wirtschaftlicher Sicht schon freuen, wenn wir zwanzig Zimmer mehr hätten, einen besseren Kostensatz erzielen würden und das Land Brandenburg verdeutlichen würde, dass es ein Landesinteresse an dieser besonderen Einrichtung gibt“, sagt Michael Pieper, Geschäftsführer des AWO-Kreisverbandes.

Das lichtdurchflutete Haus in einem Park ist kein Hotel, sondern ein Angebot, mit der Schwangerschaft besser umgehen zu können. Die meisten Frauen kämpfen mit psychischen Problemen wie Überforderung, Depressionen und Essstörungen. Das medizinische Personal, zwei Hebammen und drei Krankenschwestern, wird daher durch eine Psychologin verstärkt. „Wer zu uns kommt, ist gestresst, erschöpft und auch noch schwanger“, erläutert die Hausleiterin. Zum Kurprogramm zählen Wassergymnastik, Joga, Massagen, Übungen zum Gebären, Techniken zur Muskelentspannung, Vorträge zur Geburt und zum Stillen oder zu Therapiemöglichkeiten für Kinder im ersten Lebensjahr.

Es gibt ein Schwimmbad, Sauna und Behandlungsräume. Was für Anita Bauland vor allem zählt, sind der herzliche Umgang und die individuelle Betreuung. „Du wirst hier ganz viel gestreichelt, körperlich und verbal. Gerade das tut mir gut“, erzählt die junge Mutter in spe, die erstmals Vorfreude auf ihr Baby empfindet.

Zudem hat sie Freundschaften mit anderen werdenden Müttern geschlossen. „Da gibt es Frauen, die haben weitaus mehr Probleme als ich oder denen geht es gesundheitlich schlechter“, erzählt die 27-jährige Lina Elisath aus Bad Belzig (Potsdam-Mittelmark), während Bauland zustimmend nickt.

Durch diese Erlebnisse würden beide mehr schätzen, was sie haben. „Dieser Austausch zwischen den Schwangeren ist wichtig, zu erleben, dass auch andere Schwierigkeiten haben und wie sie damit fertig werden“, sagt Leiterin Müller. Das Gesamtpaket helfe , Frühgeburten oder komplizierten Entbindungen vorzubeugen.

 

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erstellt am 04.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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