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Brandenburg

03. Dezember 2016 | 22:50 Uhr

Schlusspunkt unter Kapitel Müllmafia

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Beräumung des Oder-Schrott-Geländes bei Friedrichsthal beendet

Knapp 55 000 Kubikmeter Asbest, Altreifen, Abfälle aus militärischem Ursprung und ähnlich schlimme Sachen lagerten mehr als
20 Jahre auf einem Gelände bei Friedrichsthal im Landkreis Uckermark. Am Mittwoch hat Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger die Beseitigung dieser illegalen Altlasten für beendet erklärt. Fast zwei Jahre hat die Beräumung des Geländes gedauert.

Gemeindevertreter von Hohenselchow-Groß Pinnow sowie Mitarbeiter der fünf Firmen, die an der Beräumung des Geländes Oder-Schrott mitgewirkt haben, schauten Brandenburgs Umweltminister Jörg Vogelsänger zu. Der schmiss den Bagger der Firma Otto Dörner, Kies und Umwelt, an. Vogelsänger setzte mit der letzten symbolischen Sandschaufel den Schlusspunkt unter eines der schlimmsten Kapitel von Umweltkriminalität in der Uckermark.

Das 22 Hektar große Gelände bei Friedrichsthal hat unter der Firma Oder-Schrott und ihren Nachfolgern eine traurige Berühmtheit erlangt. Im Jahr 1998 wurde Strafanzeige wegen ungenehmigten Anlagenbetriebs gestellt. Die Betreiber verließen 1999 das Gelände, ohne es geräumt und gesichert zu haben. Verschiedene Firmen, die inzwischen alle bankrott sind, ließen Schrott, Altreifen, Bauschutt und Abfälle militärischen Ursprungs zurück. Kinder begannen dort zu spielen. Mehrfach hatte es gebrannt.

Trotz Recherchen und Gerichtsverfahren gelang es nicht, die früheren Eigentümer haftbar zu machen. Bemühungen des Landes, des Landkreises und der Kommune, die Betreiber oder Flächeneigentümer zur Beräumung des Geländes zu zwingen, blieben alle erfolglos. Das Land Brandenburg führte Sicherungsmaßnahmen durch und entsorgte teilweise gefährliche Abfälle. Doch immer noch verblieben 14 baufällige Gebäude sowie mehrere tausend Tonnen ungeordnet abgelagerte Abfälle.

Schließlich entschied Jörg Vogelsänger, die Beräumung mit öffentlichen Mitteln zu veranlassen. 1,85 Millionen Euro Steuergeld wandte das Umweltministerium dafür auf.

Vogelsänger, der als gelernter Maschinenbauingenieur einen Hang zu schwerer Technik hat, genoss das Baggern ganz offensichtlich. Gut gelaunt lobte er: „Der mutigste Schritt war der von der Gemeinde Hohenselchow-Groß Pinnow, die das schwer belastete Grundstück erworben hat. Die Fläche musste erst im kommunalen Besitz sein, ehe sie beräumt werden konnte.“

Wolfgang Ehrke, Gemeindevertreter von Hohenselchow-Groß Pinnow, blickte auf harte Diskussionszeiten im Dorf zurück: „Wir mussten uns von den Einwohnern fragen lassen, ob wir denn keine anderen Aufgaben hätten, als diesen gefährlichen Haufen Müll zu kaufen.“

Letztendlich ist der Gebäudeabriss auch in enger Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Uckermark erfolgt. Sommerquartiere für Fledermäuse und andere Gebäudebrüter blieben erhalten. Eine Zisterne dient nun als Winterquartier für Fledermäuse. Auf der entsiegelten Fläche sind mitten im märkischen Sand 20 Haufen mit Betonbruch für Zauneidechsen und Vögel als Lebensraum angeordnet worden. Die Tiere haben ihre „Wohnung“ bereits angenommen.

Bürgermeister Norbert Dittmann sagte: „Schön, dass wir den schlimmen Klotz am Bein endlich los sind und die Altlasten beseitigt sind. Wir werden eine Nachnutzung für das beräumte Gelände finden, egal, ob für Windräder oder Hühnerställe.“

 

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erstellt am 25.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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