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Brandenburg

09. Dezember 2016 | 06:47 Uhr

Sandmännchen-Dichter Walter Krumbach : „Sandmann, lieber Sandmann…“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In Groß Schönebeck, dem Heimatort des Sandmannschöpfers Walter Krumbach, wird an dessen Geschichten und Figuren erinnert

„Frau Elster war Vaters Lieblingsfigur“, erzählt Anne Tausch lächelnd. Die Tochter des Kinderbuchautoren und Sandmännchen-Dichters Walter Krumbach hat das streitsüchtige Federvieh gerade auf dem riesigen Wandbild entdeckt, das an einer Scheune in Groß Schönebeck (Barnim) entsteht. Dass der Ort an ihren Vater erinnert, der mit seiner Familie 30 Jahre lang in der Schorfheide-Gemeinde lebte, freut sie.

Zumal die 62-jährige Försterin im Ruhestand nicht ganz unschuldig daran ist. „Sie hat uns auf die Idee gebracht“, bestätigt Rainer E. Klemke vom Bürgerverein Groß Schönebeck. Vor neun Jahren gegründet, hat er heute 42 Mitglieder, darunter Zugezogene wie Klemke, der 20 Jahre in der Berliner Kulturverwaltung arbeitete. „In unserer Satzung steht das Bewahren der Ortsgeschichte – zu der gehört eben auch Krumbach als einer der prominentesten Einwohner.“

Als vor wenigen Jahren ein namenloser Weg an der Kita „Borstel“ – ebenfalls eine Krumbach-Figur – nach dem Kinderbuchautoren benannt wurde, erzählte Tausch vom Jubiläum: Am 1. April 2017 wäre ihr 1985 in Groß Schönebeck verstorbener Vater 100 Jahre alt geworden. In der Folge entstand im Verein das Projekt eines Krumbach-Themenpfades durch den 1756-Einwohner-Ort, vorbei an einem großen, farbenfrohen Wandbild.

Nicht nur dort werden die bekanntesten Krumbach-Figuren verewigt. Sie sollen geschnitzt aus Robinienholz auf dem Erlebnisweg wiederauferstehen. 200 Episoden von „Fuchs und Elster“ im Abendgruß des DDR-Fernsehens stammen aus seiner Feder und rund 90 Kinderbücher. Das erste, ein Vogelbilderbuch, schrieb er 1952.

Krumbachs größter Erfolg war das 1956 entstandene „Sandmännchenlied“, hat der Bürgerverein recherchiert. „Anhand dessen, wie Krumbach den Sandmann beschrieb, entstand später die Figur. Auch den Charakter weiterer Helden aus dem DDR-Abendgruß, wie eben Fuchs und Elster, aber auch Schnatterinchen und Meister Nadelöhr hat er geprägt“, erklärt Klemke, der mit anderen Vereinsmitgliedern in den Vorbereitungen für eine Festveranstaltung zum runden Krumbach-Geburtstag im nächsten Jahr steckt.

Weitervererbt hat Krumbach sein Talent nicht, sagt Tausch, deren zwei ältere Geschwister nicht mehr leben. „So wie er liebe ich allerdings die Natur und spreche gern in Reimen“, bekennt sie. Das Verseschmieden habe der Vater gern zelebriert, um die Mutter zu ärgern, erinnert sie sich. Ihr 1955 bezogenes Elternhaus im Groß Schönebecker Hirschweg, hinter dem der dichte Wald der Schorfheide beginnt, habe inzwischen andere Besitzer.

Lediglich eine hölzerne Gedenktafel im Vorgarten erinnert seit fünf Jahren an die früheren Bewohner. Außer den Kinderbüchern des Vaters, von denen einige von einem Nachfolger des DDR-Kinderbuchverlages, dem Beltz-Verlag, herausgebracht werden, sind der 62-Jährigen nicht viele gegenständliche Erinnerungen geblieben. „Meine Mutter hat nach Vaters Tod sämtliche Unterlagen weggeworfen, weil sie die nicht lesen konnte. Die waren alle in Steno-Kurzschrift verfasst.“ Das mache auch eine Ausstellung schwierig, sagt Klemke. „Da hoffen wir auf Zeitzeugen, die Krumbach persönlich kannten.“

Doch auch das werde schwer, weiß Tausch. Ihr Vater habe sehr zurückgezogen gelebt, an seinen Texten vor allem nachts in der Dachkammer gearbeitet. Handwerklich sei er nicht begabt gewesen, er habe keinen Nagel in die Wand bekommen, sagt seine Tochter.

Doch er sei kinderlieb gewesen, nicht nur gegenüber den eigenen drei Sprösslingen. Auch die Nachbarskinder kannten Krumbach. „Was sie ihm erzählten, verarbeitete er in seinen Geschichten“, erzählt Tausch, die das Dorf ihrer Kindheit nie wirklich verlassen hat. Für sie sei unvergessen, als der Vater sie als Kind mit ins Berliner Fernseh-Studio nahm – wo der Sandmännchen-Abendgruß gedreht wurde.

 

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