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Brandenburg

03. Dezember 2016 | 20:47 Uhr

Uckermark hilft bei Wiederansiedlung : Rückkehr mit Hindernissen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Aus der Uckermark wandern mehr junge Leute ab, als hinziehen. „Frauen willkommen“, nennt sich ein Projekt für Rückkehrerinnen

Für ihren Traumberuf musste Susanne Schuppelius ihre Heimat verlassen, denn in der Uckermark gibt es keine Hochschule oder Universität. Die Templinerin studierte Veterinärmedizin zunächst in Wien, später in Berlin. Dass sie schließlich zurückkehrte zur Familie und der vertrauten Umgebung, war Zufall. „Ich lernte meinen Mann kennen und der ist Förster in der Uckermark“, erzählt die 30-Jährige.

Doch so einfach war der Neubeginn in der alten Heimat dann doch nicht. „Ich wollte in Templin meine eigene Tierarztpraxis aufmachen, fand aber ein halbes Jahr lang keine geeigneten Räume“, beschreibt sie. Geholfen hat ihr der ortsansässige Verein „Zuhause in Brandenburg“. Er betreibt seit drei Jahren eine Willkommensagentur als Anlauf- und Beratungsstelle für Uckermark-Rückkehrer und Zuzügler. „Die meisten von uns etwa 30 Gründungsmitgliedern waren Rückkehrwillige, die gemerkt hatten, wie schwierig das doch ist, vor allem wenn es hier keine beruflichen Perspektiven gibt“, erzählt Vereinskoordinatorin Ariane Böttcher.

Der Verein erforschte die Stolpersteine, die einem erfolgreichen Neustart in der Heimat im Wege liegen, entwickelte eine Internet-Seite „Leben in der Uckermark“ mit wertvollen Tipps sowie Ansprechpartnern und vermittelt Kontakte. „Wir haben viele Anfragen, verschicken unseren Newsletter mit Heimatinfos, veranstalten auch Rückkehrer-Stammtische zum Erfahrungsaustausch“, sagt Böttcher.

Der Verein habe bereits rund 500 Rückkehrwillige und auch Zuzügler betreut – nicht immer erfolgreich. Seit Jahresbeginn neu ist das Projekt „Frauen willkommen“. „Frauen verlassen die Uckermark noch eher als Männer und kehren seltener zurück“, sagt Böttcher. Das liege vor allem daran, dass sie meist nach dem Schulabschluss zum Studium oder für eine gute Ausbildung weggehen und in der Fremde schließlich eine Familie gründen.

Zudem sei der Arbeitsmarkt in der Uckermark geprägt von männerspezifischen Berufen in Handwerk oder Landwirtschaft, sagt die Vereinsvorsitzende. Arbeit für Frauen gebe es im Tourismus und Dienstleistungssektor – beides nicht gut bezahlt. Frauen hätten auch auf politischer Ebene keine Lobby.

Bestes Beispiel sei das Templiner Stadtparlament. „Das Thema Feuerwehr spielt ständig eine Rolle. Das Pflegegeld für Pflegeeltern hingegen wurde 15 Jahre lang nicht erhöht.“ Sie erzählt von einer promovierten Biologin, die zurückkam – und dann wieder ging. Böttchers Fazit: „Für sehr gut qualifizierte Frauen gibt es hier nichts, es sei denn, sie machen sich selbstständig und besitzen Durchhaltevermögen.“ So wie Hotelfachfrau Nadine Wunsch-Fischer, die nach der Ausbildung in Hamburg ein zum Verkauf stehendes Landgasthaus im Norden der Uckermark übernahm.

Oder eben Susanne Schuppelius, die vor mehr als zwei Jahren ihre Tierarztpraxis eröffnete und diesen Schritt bis heute nicht bereut hat. „Ich habe ein enges Verhältnis zu den Haltern meiner Patienten, die sehr dankbar sind und noch eine Zahlungsmoral haben“, betont die 30-Jährige, die während verschiedener Praktika in Großstädten ganz andere Erfahrungen gemacht hat. Ein weiterer Vorteil: „Uckermärker können sehr speziell sein. Wenn Du weißt, wie sie ticken, ist das alles kein Problem.“

Sie ist froh, wieder zu Hause zu sein, auch der weiten Landschaft wegen, die sie so noch nirgends erlebt hat. Das gehe auch ehemaligen Schulkameraden so, die zurück in die Uckermark wollten, denen aber die berufliche Existenz dafür fehlt. Dass ihre Landsleute sehr heimat- und naturverbunden seien, kann auch Böttcher bestätigen. „Das ist bei den meisten schon eine sehr starke Motivation.“

Die aus Templin stammende studierte Politikwissenschaftlerin selbst ist das beste Beispiel dafür, dass eine Rückkehr in die Heimat nicht immer funktioniert. Bei der dreifachen Mutter lag es allerdings nicht am Job, sondern am Ehemann, der aus Berlin nicht in die märkische Provinz übersiedeln wollte. „Trotzdem: Ich stamme von hier und will für Leute in ähnlicher Situation etwas tun“, gibt sich die Pendlerin entschlossen.

Ähnliche Bemühungen um potenzielle Rückkehrer gibt es auch in anderen Berlin-fernen Regionen Brandenburgs, so beim Projekt „Comeback“ im Landkreis Elbe-Elster sowie vor dem Hintergrund der Fachkräftesicherung auch in Wittstock (Ostprignitz-Ruppin) und der westlichen Lausitz.

 

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erstellt am 18.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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