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Brandenburg

03. Dezember 2016 | 14:41 Uhr

Rettungskräfte : Prügel für Sanitäter und Feuerwehrleute

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Rettungskräfte in Brandenburg klagen über zunehmende Übergriffe

Rettungskräfte werden angepöbelt, bedrängt und mitunter geschlagen. Oft ist Alkohol dabeiim Spiel. Sanitäter und Feuerwehrleute werden ständig geschult, um sich besser zu schützen.

Drei Männer trinken Alkohol, bis ihnen irgendwann auffällt, dass die Reserven bald erschöpft sind. Schließlich ruft einer aus der feucht-fröhlichen Runde den Rettungsdienst an. Seinem Kumpel gehe es nicht so gut, schildert er. Als die Sanitäter in der Wohnung in Perleberg eintreffen, wird schnell klar: Es muss niemand in die Klinik. Dann schlägt die Stimmung in Aggressivität um.

„Unsere Mitarbeiter wurden bedrängt und am Kragen gepackt, damit sie den Mann mitnehmen“, berichtet René Glaeser, Werkleiter des Rettungsdienstes Prignitz. „Hintergrund war: Der Alkohol reicht nicht mehr für drei.“ Die Rettungskräfte können die brenzlige Situation noch lösen. Doch ein Einzelfall sei dieser Einsatz nicht, betont Glaeser. „Wir werden immer häufiger damit konfrontiert.“

Inzwischen organisiert er für die 140 Rettungsassistenten und Rettungssanitäter ein jährliches Deeskalationstraining, um diese auf extreme Situationen vorzubereiten. Pöbeleien seien an der Tagesordnung, mitunter würden Patienten oder Beteiligte einer Schlägerei auch handgreiflich, wenn die Lebensretter ihren Auftrag erfüllen.

So wurden 2015 Sanitäter während einer Blaulichtfahrt im Krankenwagen bei Wusterhausen (Ostprignitz-Ruppin) von einem 29-Jährigen angegriffen, der kaum zu bändigen war. Die Besatzung eines Streifenwagens, die den Einsatz begleitete, konnte schnell zu Hilfe eilen. Der Mann ist polizeibekannt. Zudem richten sich Aggressionen gegen Feuerwehrleute.

Laut Polizeipräsidium wurden im Vorjahr 19 Gewalttaten gegen Rettungskräfte angezeigt, 2014 waren es noch 34. In der Hälfte der Fälle war Alkohol im Spiel, so ein Behördensprecher. Aus einer Studie der Ruhr-Universität Bochum geht darüber hinaus hervor, dass mehr als 90 Prozent der bundesweit befragten Rettungskräfte bei der Arbeit täglich beleidigt und behindert werden.

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erstellt am 28.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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