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Brandenburg

07. Dezember 2016 | 17:24 Uhr

Mangelnder Herdenschutz : Problemwölfe abschießen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Brandenburger Bauernbund fordert, dass Tiere, die sich in Dörfern und Weiden auf 1000 Meter nähern, getötet werden.

Der Bauernbund Brandenburg beklagt eine Zunahme von Wolfsattacken auf Kälber. Als Reaktion darauf fordert er Regularien, die einen Abschuss sogenannter Problemwölfe zulassen. Laut Bauernbund, der die kleinen Agrarbetriebe im Land vertritt, habe sich die Zahl der anerkannten Risse bei Kälbern mit 13 in diesem Jahr im Vergleich zu 2015 mehr als vervierfacht. Die Dunkelziffer sei zudem hoch, weil die Führung des Nachweises für eine Attacke mit großem Aufwand für die Bauern verbunden sei. „Mit Zäunen und Hunden kommen wir nicht weiter. Wir brauchen einen aktiven Herdenschutz, der durch die Jäger vor Ort umgesetzt werden kann,“ erklärte Marco Hintze, Vorstandsmitglied des Bauernbundes, gestern.

Konkret wird gefordert, jeden Wolf zu töten, der sich auf weniger als 1000 Meter einem Dorf oder einer Weide nähert. Jene Vertreter ihrer Art, die dies tun, hätten ihre natürliche Scheu verloren und seien „Problemwölfe“, so die Logik des Bauernbunds. Es gehe nicht darum, den Wolf auszurotten. „Was wir brauchen ist eine Anpassung des EU-Schutzstatus an die gewachsene Population“, sagte Bauernbund-Geschäftsführer Reinhard Jung aus Lennewitz. So lange die EU das Thema aussitze, müsse die Landesregierung per Verordnung erlauben, Wölfe zu schießen. Jung verwies darauf, dass die geschützten Raubtiere in Frankreich seit dem vergangenen Jahr geschossen werden dürfen, wenn sie sich Herden nähern.

Der Landesbauernverband als Vertretung der großen Betriebe in der Mark teilt die Lage-Einschätzung, aber nicht die sehr weit gehende Abschussforderung. Die Halter hätten wegen der steigenden Anzahl von Übergriffen Angst um ihre Tiere, heißt es von Seiten des Bauernverbands. Am Montag will er in einer eigenen Veranstaltung auf die derzeitigen Mängel beim Herdenschutz aufmerksam machen, bevor am 14. Dezember auf einer Konferenz in Potsdam über Veränderungen beim Wolfsmanagement beraten werden soll.

Der Naturschutzbund lehnt die Bauernbund-Forderung ab. „Von dieser Abschuss-Regelung wäre praktisch jeder Wolf betroffen“, gibt Geschäftsführerin Christiane Schröder zu bedenken. Auch sie sieht jedoch das Land in der Pflicht, den Bauern besser zu helfen. Das könne durchaus soweit gehen, den Abschuss einzelner Wölfe, die immer wieder Herden angreifen, zu erlauben.

 

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erstellt am 11.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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