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Brandenburg

27. März 2017 | 06:46 Uhr

Singlebörse für Tiere : Papagei, männlich, sucht…

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Singlebörsen boomen derzeit – nicht nur beim Menschen: Graupapagei Rocco aus Leegebruch fand seine Rosa in Berlin.

Rocco fühlte sich allein. Die Einsamkeit machte den Graupapageien sogar aggressiv: „Immer wieder ist er auf meinen Mann losgegangen“, sagt Kerstin Frommke. Die 54-jährige Nageldesignerin aus Leegebruch aus dem Landkreis Oberhavel adoptierte Rocco 2006 von einer Kundin – als Küken und Einzelkind. Jahrelang suchte sie nach einer Partnerin für den Papageien, ehe sich im Berliner Tierheim eine passende Dame fand.

Tierärzte warnen davor, Papageien allein zu halten. Sie brauchen mindestens einen Partner, denn die Vögel sind Schwarmtiere. Der mittlerweile elfjährige Rocco ist da keine Ausnahme. Schon früh machten sich Halterin Fromme und ihr Mann auf die Suche nach einer Gespielin für den Graupapageien.

Doch mehrere Vermittlungs-Versuche von einem Vogelzüchter aus dem nahen Oranienburg schlugen fehl. Immer wieder versuchte Rocco, die potenziellen Partnerinnen zu verjagen. „Das war manchmal ganz schön dramatisch“, erzählt Frommke. Rocco habe sogar versucht, den Käfig der Weibchen zu öffnen, um sie zu attackieren. Der Grund: „Papageien sind da wie Menschen, die nehmen nicht jeden“, sagt Frommke. Dann sah sie vor anderthalb Jahren einen Fernsehbericht über Graupapageien im Tierheim Berlin und rief kurzerhand dort an – mit Erfolg: Sie solle mal vorbeikommen. „Doch als mir die Pfleger sagten, dass ich Rocco dalassen sollte, dachte ich: Nein, das geht nicht“, sagt Frommke – zumal sie ihn erst mal nicht besuchen durfte, er sollte sich von ihr entwöhnen. Doch Rocco zur Brautschau im Tierheim zu lassen, sei die einzige Möglichkeit, erklärte man ihr. Besonders schlecht kann es ihm dort nicht ergangen sein: Er scharte einen regelrechten Harem von 20 Graupapageien-Damen um sich. „Wir pflegen die Tiere, lassen sie Artgenossen beschnuppern und schauen dann, wie es passt“, sagt Kerstin Butenhoff, Sprecherin des Tierheims. Rocco ist nicht der Einzige, der zur Partnersuche ins Berliner Tierheim kommt: 2016 nahm man einen Graupapageien auf, 2015 waren es mit Rocco fünf. Derzeit ist ein Papagei aus Mecklenburg-Vorpommern zu Gast in der „Partnerbörse“, wie es Butenhoff nennt. Sie wünscht sich, dass sich noch mehr Vogelhalter im Tierheim melden. Dort werden nicht nur Papageien „verpartnert“, wie das in der Fachsprache heißt. Die Singlebörse hat auch für Katzen, Meerschweinchen oder Ratten geöffnet. „Bei fast allen Tierarten kommt es auf die Chemie an“, erklärt Tierheim-Sprecherin Butenhoff. „Meist lassen wir uns vom Halter den Charakter des Tieres beschreiben. Die Pfleger kennen ihre Schützlinge sehr gut und können einschätzen, wer am besten passt.“

Bei Katzen ist die Gewöhnungsphase daheim recht unkompliziert, sie können sich anfangs bei Bedarf recht gut aus dem Weg gehen. Im Käfig ist das schwieriger. Ist ein potenzieller Meerschweinchen- oder Ratten-Partner gefunden, solle man das neue Tier erst einmal in einen separaten Käfig in Sichtweite zu den „Platzhirschen“ setzen, sagt Butenhoff. So hätten beide die Gelegenheit, sich aneinander zu gewöhnen. Papageien sind die Einzigen, die länger im Tierheim bleiben, um sich kennenzulernen. Sie sind eben besonders wählerisch und brauchen viel Zeit zur Partnersuche. Manche von ihnen bleiben über ein Jahr dort, ehe sie einen Partner finden. Rocco war da schneller: Schon nach einigen Tagen funkte es zwischen ihm und Rosa, damals zwei Jahre alt. Die durfte allerdings noch nicht gleich mit nach Hause: „Sie war zu jung und außerdem noch nicht geschlechtsreif“, sagt Kerstin Frommke. Doch die beiden hatten sich bereits verliebt, deswegen machten die Pfleger eine Ausnahme. Nach zehn Wochen in der Auffangstation durfte das Papageien-Paar nach Hause.

Dort hatten Frommkes in der Zwischenzeit umgebaut: Der Mann opferte sein Billardzimmer, damit Rocco und Rosa eine geräumige Innen-Voliere haben. In den Garten bauten die beiden einen weiteren großen Käfig. Da fühlten sich die beiden Graupapageien sofort wohl. Rocco ist jetzt deutlich entspannter, zusammen mit Rosa pfeift er schon mal den Gefangenenchor aus der Oper „Nabucco“ oder die Titelmelodie des Tarantino-Streifens „Kill Bill“.

Doch Rosa kann auch eifersüchtig werden: Wenn sich Rocco einmal zu sehr an seine Halterin kuschelt, bekäme er schon mal eins mit dem Schnabel verpasst, erzählt Frommke. „Rosa hat definitiv die Hosen an“, sagt sie.

 

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erstellt am 16.Mär.2017 | 05:00 Uhr

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