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Panorama BB

11. Dezember 2016 | 07:07 Uhr

Projekt: : Studie zu Gewalt in Asylheimen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Während des auf drei Jahre angelegten Vorhabens sollen sowohl Bewohner als auch Mitarbeiter der Heime an Anti-Gewalt- und Deeskalationstrainings teilnehmen, wie das Innenministerium am Montag mitteilte. Dazu sollen Trainer gewonnen und ausgebildet werden.

In Brandenburg wird sich jetzt erstmals ein Projekt mit der Bewältigung von Konfliktsituationen in Asylbewerberheimen beschäftigen. Während des auf drei Jahre angelegten Vorhabens sollen sowohl Bewohner als auch Mitarbeiter der Heime an Anti-Gewalt- und Deeskalationstrainings teilnehmen, wie das Innenministerium gestern mitteilte. Dazu sollen Trainer gewonnen und ausgebildet werden.

In jüngster Vergangenheit war es in Brandenburger Flüchtlingsunterkünften mehrfach zu gewaltsamen Auseinandersetzungen unter den Bewohnern gekommen. Erst im August waren im Asylbewerberheim in Forst (Spree-Neiße) Flüchtlinge aus Afrika und Tschetschenien aufeinander losgegangen. Dabei waren mehrere Menschen verletzt worden und mussten ärztlich behandelt werden.

Bevor das neue Forschungsprojekt startet, soll zunächst die aktuelle Situation in den derzeit mehr als 40 Gemeinschaftsunterkünften in Brandenburg analysiert werden. Dabei sollen erstmals landesweit Daten zur Häufigkeit von gewalttätigen Auseinandersetzungen und deren Ursachen erhoben werden. Die Potsdamer Gesellschaft für Inklusion und Soziale Arbeit plant dazu Interviews mit Bewohnern und Mitarbeitern. Zudem sollen Fragebögen verschickt werden, teilte das Ministerium weiter mit. Der Verein werde bei den Vorarbeiten für das Projekt „Leben und Arbeiten ohne Gewalt“ vom Landespräventionsrat finanziell unterstützt. Auch für das eigentliche Projekt des dreijährigen Anti-Gewalt-Trainings habe der Präventionsrat Fördermittel in Aussicht gestellt.

Der Präventionsrat wurde im Jahr 2000 ins Leben gerufen. Schwerpunkte sind die Themen Extremismus, Jugendkriminalität und Opferschutz. Bislang hat der Rat rund 360 Projekte mit mehr als 2,7 Millionen Euro unterstützt. Innenminister Ralf Holzschuher (SPD), Vorsitzender des Landespräventionsrates, begrüßt das neue Vorhaben. „Die Gemeinschaftsunterkünfte sind voll ausgelastet“, erklärt er. „Daher müssen Menschen unterschiedlichster Herkunft auf engem Raum zusammenleben. Das führt zu einer Häufung von Konflikten unter den Bewohnern sowie zwischen Bewohnern und Mitarbeitern der Heime. Diese Konflikte gewaltfrei zu lösen, muss das oberste Ziel sein.“

Projektleiter Wolfgang Bautz von der Gesellschaft für Inklusion und Soziale Arbeit betont: „Das geplante Vorhaben wird einen Beitrag leisten, um ein gewaltfreies Leben in den Flüchtlingsunterkünften zu ermöglichen. Sozialarbeiter müssen in der Lage sein, Konfliktsituationen zu vermeiden oder frühzeitig zu erkennen und angemessen zu reagieren.“ Der Verein kümmert sich seit Jahren um eine wirksame Integration von Zugewanderten in den Kommunen.

Derweil hat der Flüchtlingsbeauftragte von Potsdam, Jörg Bindheim, gestern nach sein Amt angetreten. Die Landeshauptstadt muss bis Ende des Jahres noch mehr als 200 Flüchtlinge aufnehmen. „Wir suchen händeringend nach Wohnungen, aber angesichts dieses Andrangs müssen wir nun noch drei Wohnheime einrichten“, so Bindheim. Insgesamt müssten somit dieses Jahr knapp 400 Neuankömmlinge untergebracht werden.

„In den Jahren 2005 bis 2010 kamen etwa 30 Flüchtlinge pro Jahr in die Landeshauptstadt“, berichtete Bindheim. Zu den Aufgaben des 51-Jährigen zählt, die Nachbarn der neuen Heime auf die Ankunft der Flüchtlinge vorzubereiten. „Da geht es um die Vermittlung der Ansprechpartner, an die sich die Anwohner bei Problemen wenden können“, so der Beauftragte. „Auch die Hilfsangebote, die ja Gott sei Dank kommen, müssen koordiniert werden.“

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erstellt am 21.Okt.2014 | 13:31 Uhr

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