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Brandenburg

06. Dezember 2016 | 03:35 Uhr

Abwanderung : Ost-Städte statt Süddeutschland

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Studie belegt neues Abwanderungsverhalten junger Brandenburger. Kritische Masse für Anziehung erforderlich

Junge Brandenburger wandern nicht mehr nach Westdeutschland ab. Das ist das Ergebnis einer Studie des Berliner Empirica-Instituts im Auftrag der Unternehmervereinigung Wittstock (Dosse), die in der nächsten Woche veröffentlicht werden soll und dieser Zeitung exklusiv vorliegt. Das Institut untersuchte am Beispiel der Landkreise Prignitz und Ostprignitz-Ruppin das Abwanderungsverhalten junger Brandenburger. Es kam zu dem Schluss, dass es junge Brandenburger heute vor allem in die Städte der Umgebung zieht.

„Die Leute gehen nach Potsdam, Rostock, Schwerin, Hamburg oder Berlin“, sagt Studienautor Prof. Harald Simons. Städte seien attraktiv, weil dort andere junge Menschen lebten. „Das ist ein Verhalten, das wir auch von anderen Minderheiten kennen: Wer in der Unterzahl ist, rottet sich gern zusammen“, sagt Simons. Dass die Zahl der Menschen, die die Region verlassen, rückläufig sei, habe nichts mit gesteigerter Attraktivität der Region zu tun. „Die Zahl der 20 bis 35-jährigen Menschen in der Region ist insgesamt gesunken“, so Simons. „Der Rückgang der Abwanderung aus dem ländlichen Raum erklärt sich im Wesentlichen dadurch, dass kaum noch jemand da ist, der abwandern könnte.“

Untersucht haben die Studienautoren auch, ob es in Nordbrandenburg Städte geben könnte, die als Wanderungsziele interessant sein könnten. In Neuruppin wurden sie fündig. Faktoren wie die neue medizinische Hochschule trügen dazu bei, dass eine kleine Gruppe junger Menschen bereit sei, in Neuruppin zu bleiben. „Wir sind der Meinung, dass solche Städte, wo sich wenigstens einige junge Menschen niederlassen, künftig gezielt gestärkt werden müssen“, sagt Simons. Das gelte besonders nach einer Kreisgebietsreform: „Es bringt nichts, dann vor allem die schwachen, halbtoten Städte zu stützen“, sagt Simons. „Wir müssen dann die Stärken stärken.“

Ähnlich äußert sich auch Mike Blechschmidt, Vorsitzender des Wachstumskerns Autobahndreieck Wittstock (Dosse). Unternehmer in der Region stünden vor der Situation, dass sie Probleme bekämen, ihre Arbeitsplätze zu besetzen. „Die Studie hat ergeben, dass es eine kritische Masse braucht, damit Regionen für junge Menschen interessant werden“, sagt Blechschmidt. Es stelle sich die Frage, ob es richtig sei, vieles immer nur dezentral zu fördern. „Städte, in denen diese kritische Masse schon vorhanden ist, müssen gefördert werden – auch im Gegensatz zu anderen.“

Lassen sich die Ergebnisse aus Nordbrandenburg in andere Regionen des Landes übertragen, etwa in die Lausitz? „Wir haben vor einiger Zeit Sachsen untersucht“, sagt Simons. „Die Ergebnisse waren exakt dieselben.“ So ziehe Leipzig junge Leute aus ganz Mitteldeutschland an. Auch dort gebe es Städte, die wie Neuruppin als versteckte Perlen eine kleine Zahl junger Leute aufnehmen würden und dringend gefördert werden müssten. „Das ist alles ganz genau dasselbe.“

 

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erstellt am 04.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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