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Brandenburg

07. Dezember 2016 | 11:37 Uhr

Hilfsangebote in der Mark : Notunterkünfte für Obdachlose

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mit Beginn der kalten Jahreszeit halten Gemeinden und Städte in Brandenburg wieder zahlreiche Plätze für Tausende Wohnungslose bereit.

Tausende Wohnungslose in Brandenburg suchen mit Beginn der kalten Jahreszeit wieder die Notunterkünfte in Städten und Gemeinden auf. Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab, halten sie zahlreiche Plätze und Hilfsangebote bereit. 247 Plätze sind es allein in der Landeshauptstadt Potsdam, wie Stadtsprecher Jan Brunzlow mitteilt. „In Potsdam leben derzeit schätzungsweise 220 obdachlose Menschen“, sagt er. Neben einem durch die Arbeiter Wohlfahrt betriebenen Obdachlosenwohnheim gebe es 15 Notbetten sowie 17 sogenannte Gewährleistungswohnungen mit 53 Plätzen.

Diese Wohnungen miete die Stadt selbst an, um dort wohnungslose Familien oder Einzelpersonen unterzubringen. „Vor allem für Menschen, die Mietschulden hatten oder vor der Zwangsräumung standen, ist es oft problematisch, eine neue Wohnung anzumieten“, erklärt Brunzlow. Deshalb gebe es in Potsdam seit 18 Jahren eine zentrale Fachstelle, in der Betroffene beraten und unterstützt werden.

Auch in Cottbus wird den Menschen bei der Wohnungssuche geholfen, heißt es aus der Stadtverwaltung. Dafür sei die Fachstelle zur Vermeidung von Obdachlosigkeit zuständig. Bis zur Vermittlung in eigenen Wohnraum oder eine geeignete Einrichtung würden die Menschen im städtischen Haus der Wohnhilfe sowie dem Obdachlosenhaus des Roten Kreuzes untergebracht. Die Einrichtungen hätten in diesem Jahr durchschnittlich jeden Monat 48 Menschen genutzt. Wie Potsdam, habe auch Cottbus zusätzliche Wohnungen angemietet.

Mehrere tausend Euro wendet die Stadt monatlich für die Einrichtungen auf. „Für die Übernachtungsstätte werden aktuell monatlich 3750 Euro fällig, für das städtische Haus der Wohnhilfe aktuell monatlich 29 000 Euro“, sagt ein Stadtsprecher. Dem gegenüber stünden monatliche Mieteinnahmen in Höhe von 5600 Euro. Die Betreuung Betroffener auf der Straße koste im Jahr rund 139 000 Euro.

Wie viele Menschen in Brandenburg tatsächlich keine Wohnung haben, lässt sich nach Ansicht des Diakonischen Werks Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz nur schwer sagen. Die Referentin für Wohnungslosenhilfe und Armutsbekämpfung, Ina Zimmermann, schätzt ihre Zahl auf mehr als 7500. „Unsere Mitarbeiter in den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe berichten von einer Zunahme der Wohnungsnotfallproblematik“, sagt Zimmermann. Das sei zum Teil auf die angespannten Wohnungsmärkte in den Städten, aber auch auf gesellschaftliche Entwicklungen sowie die Zunahme von Armut zurückzuführen. „Der angespannte Wohnungsmarkt verleitet viele Vermieter dazu, rigider zu räumen und Menschen mit Mietschulden keine neue Wohnung mehr anzubieten“, moniert sie. Immer häufiger seien auch EU-Bürger und anerkannte Geflüchtete von Wohnungslosigkeit betroffen.

Belastbare Zahlen zur Anzahl der Wohnungsnotfälle im Land gebe es aber nicht. „Wir fordern deshalb seit Jahren die Einführung einer landesweiten Wohnungsnotfallstatistik und die Aufstellung eines Wohnungsnotfallrahmenplans“, betont Zimmermann.

Zuständigkeits- und Verfahrensvorschriften würden nicht nur die Erfassung betroffener Menschen erschweren, sondern auch die Schaffung eines bedarfsgerechten Hilfesystems. „So sind für die Beseitigung von Obdachlosigkeit die Kommunen zuständig, für die Gewährung von Hilfen des Betreuten Wohnens aber die Landkreise“, kritisiert sie. Die Referentin bemängelt zudem, dass es in Brandenburg keine klassische Kältehilfe gibt. So bliebe Menschen, die nicht in die kommunalen Obdächer gehen, meist nichts anderes übrig, als auf der Straße oder in behelfsmäßigen Unterkünften zu bleiben oder in Nachbarbundesländern wie Berlin die Angebote der Kältehilfe zu nutzen. 

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erstellt am 14.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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