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Brandenburg

27. März 2017 | 14:42 Uhr

Idyllisches Denkmal : Nachbar für Brecht-Weigel-Haus

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Brandenburgs Kulturministerin spricht Machtwort im Streit um geplanten Zweckbau. Denkmalschützer wehren sich gegen Pläne

Wenn sich Untere und Obere Denkmalschutzbehörde nicht einigen, hat der Chef des Kulturressorts das letzte Wort. Ministerin Martina Münch (SPD) traf eine Entscheidung, die für Diskussionen sorgen dürfte.

Es gehört zu den idyllischsten Grundstücken Brandenburgs – das Atelierhaus am Scharmützelsee in Buckow (Märkisch-Oderland), in dem der Dichter Bertolt Brecht in den frühen 50ern mit seiner Frau Helene Weigel große Teile des Jahres verbrachte und an seinem Spätwerk arbeitete.

Der denkmalgeschützte Garten wird in dem Gedichtband „Buckower Elegien“ besungen. Er dürfe schon deshalb nicht zerstört werden, heißt es in einem Schreiben des Landesdenkmalamtes vom August 2015. Zu dieser Zeit bemühte sich der Landkreis als Eigentümer des Brecht-Weigel-Hauses, einen Service-Pavillon auf dem Grundstück zu errichten. Darin sollen der Museumsshop, Toiletten und Büros untergebracht, Platz für Veranstaltungen und Ausstellungen geschaffen werden.

Auf diese Weise könne das Sommerhaus entlastet und dessen ehemalige Nutzung für den Besucher wieder erlebbar gemacht werden, argumentierte der Landkreis in einem Schreiben vom 16. Dezember vergangenen Jahres. Auch in diesem Brief an das Landesdenkmalamt wird auf das Brechtsche Spätwerk und dessen Bedeutung als „literarisches Welterbe“ verwiesen, dem man mit moderner Museumsausstattung gerecht werden müsse.

Museumsleiterin Margret Brademann betont, dass man jetzt nur zwei Räume der Brecht-Wohnung im Erdgeschoss museal nutzen kann. Mit dem Neubau würden auch die Räume im Obergeschoss dem Besucher offen stehen. Die originalen Einrichtungsgegenstände sind zum Teil noch vorhanden.

Landeskonservator Thomas Drachenberg fürchtet dagegen um die erhaltenen Kräuter- und Blumenbeete, die dem 170 Quadratmeter großen Flachbau geopfert würden – die doppelte Grundfläche des Atelierhauses. Außerdem fragt er, warum Ideen, den Servicebau auf dem öffentlichen Gelände vor dem Grundstück oder auf einer Fläche gegenüber des Brechthauses zu errichten, nicht weiter verfolgt wurden. Weil das Grundstück durch den Bund bereits verkauft worden sei, erklärt Landrat Gernot Schmidt (SPD).

Der Landrat sieht ohne Neukonzeption samt Neubau die Attraktivität des Literaturhauses in Gefahr und den Verlust eines erheblichen touristischen Potenzials. Zur Zeit kommen zwischen 10 000 und 15 000 Gäste jährlich in das Brecht-Weigel-Haus. Außerdem machte der Kreis Druck, da man fürchtete, Fördermittel des Bundes von Kulturstaatsministerin Monika Grütters könnten anderweitig vergeben werden. In einem sehr schnellen Verfahren nach der letzten Anhörung vom 24. Januar entschied Kulturministerin Münch mit Schreiben vom 6. Februar, dass der Kreis die Baugenehmigung erteilen darf.

In dem dreiseitigen Papier heißt es, dass das Vorhaben „in erheblichem Maße das Erscheinungsbild des Gartendenkmals“ beeinträchtigt. Da jedoch die öffentliche Nutzung des Brecht-Weigel-Hauses verbessert wird, bestehe ein starkes öffentliches Interesse am geplanten Eingangspavillon. Es wurde zudem die Auflage erteilt, die Längsfront von 16,40 auf 15,90 Meter zu verkleinern und die Büros mit 8,68 Quadratmetern auf die kleinste vom Arbeitsschutz zugelassene Größe zu schrumpfen. Letztlich, so Münch, werde das Brecht-Weigel-Haus durch den geplanten Eingangspavillon „deutlich aufgewertet“.  

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erstellt am 23.Feb.2017 | 05:00 Uhr

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