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Brandenburg

26. März 2017 | 00:40 Uhr

Schülerlotsen in der Mark : Mit Käppi und Kelle

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In manchen Landkreisen finden sich kaum noch Verkehrshelfer – aber das Chaos durch „Elterntaxis“ nimmt zu

Sie machen den Weg ins Klassenzimmer sicherer: Die Gesamtzahl der Schülerlotsen im Land steigt seit Jahren. Allerdings gibt es große regionale Unterschiede. In einigen Kreisen werden fast keine Helfer mehr von Schulen zur Verfügung
gestellt.

Uwe Wähner hat alles versucht: Er organisierte Veranstaltungen zur Verkehrssicherheit, sprach Lehrer und Gemeindevertreter an, warb für Kooperationen. „Aber für uns führt leider kein Weg mehr in die Schulen“, sagt der ehrenamtliche Geschäftsführer der Kreisverkehrswacht Oderland. Derzeit seien keine Schülerlotsen mehr in Märkisch-Oderland verfügbar – in einem Kreis mit mehr als 30 Grundschulen.

Eine entscheidende Rolle bei der Nachwuchsgewinnung spielen nach seinen Erfahrungen die Eltern. „Sie haben Angst, dass sich die eigenen Kinder an die Straße stellen und ihre Mitschüler über die Straße leiten“, berichtet er. Auf der anderen Seite seien es die Eltern selbst, die für ein Verkehrschaos sorgen. „Die würden ihre Kinder am liebsten in den Klassenraum kutschieren“, ärgert sich Wähner.

Auch im Barnim zieht die Verkehrswacht eine ernüchternde Bilanz: „Die Bereitschaft der Schulen, mit eigenen Schülerlosten zu arbeiten, hat stark nachgelassen“, sagt Geschäftsführer Walter Papritz. 18 Helfer seien in Eberswalde, Britz und Klosterfelde noch im Einsatz, in Bernau, wo ebenfalls Bedarf herrscht, gebe es keinen mehr. Zur Regulierung hat jedoch auch schon die Straßenverkehrsbehörde beigetragen: Vor fast allen Schulen und Kindergärten im Kreis gilt Tempo 30.

In Oberhavel bietet sich dagegen ein ganz anderes Bild. Dort kann die Kreisverkehrswacht auf über 150 Schülerlotsen zurückgreifen. „Wir können gar nicht alle einsetzen“, sagt der Vorsitzende Klaus-Dieter Berndt. Aktuell kommen die Helfer an fünf Standorten zum Einsatz. Dies heiße nicht, so Berndt, dass es woanders keinen Regelungsbedarf gebe. Auch er beklagt eine zunehmende Zahl von Elterntaxis.

„Wir müssen Schulen bald als Drive-in bauen, um die Verkehrsströme beim Bringen und Abholen zu lenken, scherzt der Präventionsbeamte bei der Polizei. Mit Schildern vor Schulen würden besorgte Erziehungsberechtigte zwar darauf hingewiesen, dass ihre Kinder das letzte Stück des Wegs auch alleine zurücklegen können, „aber ich habe manchmal den Eindruck, wir müssen die Eltern erziehen“.

Chaotische Zustände vor Unterrichtsbeginn haben in einigen Berliner Grundschulen dazu geführt, dass Schülerlotsen komplett abgezogen wurden. Durch das hektische Manövrieren der Autos kam es zu brenzligen Situationen – fast wären manche Helfer umgefahren worden. Nun sollen Polizisten die Lage unter Kontrolle bringen. Der Senat erwägt sogar einen generellen Einsatz der Polizei vor den Schulen.

Nach Angaben der Landesverkehrswacht gab es in Brandenburg bislang keine Situation, bei der Lotsen auf den Straßen gefährdet waren. „Die Helfer erhalten eine umfangreiche theoretische und praktische Ausbildung“, sagt Geschäftsführerin Irina Günther. Sie seien dadurch in der Lage, Entfernungen und Geschwindigkeiten der Fahrzeuge sowie mögliche Bremswege einzuschätzen. Hier würden Präventionsexperten der Polizei einbezogen. Die Ausrüstung der Lotsen – neongrüne Warnwesten, Käppis und weißumrandete, rote Kellen – liefert dagegen die Verkehrswacht. Irina Günther hofft, dass diese Zusammenarbeit angesichts neuer Schwerpunkte in der Polizeiarbeit nicht gestrichen wird. „Wir hoffen auf die Politik.“

Auch die Landesgeschäftsführerin bestätigt, dass es regionale Lücken in den Reihen der Schülerlotsen gibt. Landesweit sind 564 Jungen und Mädchen vor Schulen im Einsatz, um für eine sichere Überquerung der Straßen zu sorgen. Vor acht Jahren seien es ein Fünftel weniger gewesen, sagt Günther. Mittlerweile verfügt die Organisation sogar über erwachsene Helfer, die bei Stadtfesten und anderen Großveranstaltungen mithelfen, die Verkehrsströme zu lenken.

Dennoch gelten für die Einsätze der Lotsen klare Grenzen: „Sie dürfen niemals aktiv ins Verkehrsgeschehen eingreifen und mit ihrer Kelle die Autofahrer zum Anhalten zwingen“, erklärt Günther.

 

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erstellt am 16.Mär.2017 | 05:00 Uhr

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