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Brandenburg

28. September 2016 | 08:51 Uhr

Existenzkampf : Milchbauern sind verzweifelt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Produktion lohnt nicht mehr: Landwirte suchen Auswege aus der Krise, viele geben auf

Bei den Milchbauern geht es ums Überleben: In Brandenburg mussten seit dem vergangenen Jahr mehr als 50 Betriebe nach Angaben des Landesbauernverbandes ihre Milchproduktion einstellen. Bundesweit sind es aufgrund der aktuellen Milchkrise bereits rund 5000.

„Viele Landwirte kämpfen um ihre Existenz“, heißt es beim Landesbauernverband. Für die Milchbauern, ihre Mitarbeiter und ihre Familien wird die Situation immer schwieriger. Was kann, was muss getan werden, damit der Betrieb weiterhin bestehen kann? In Kürze können Landwirte Hilfen beantragen. Das beschlossen die Agrarminister der Länder. So gibt es EU-Beihilfe als Entschädigung für jeden nicht produzierten Liter Milch. Etwa 150 Millionen Euro stehen dafür bereit.

„Das ist ein Zwischenschritt, um einigen Landwirten etwas Zeit zu verschaffen“, sagte der Sprecher des Agrarministeriums, Jens-Uwe Schade. Zudem müssten verlorengegangene Märkte wieder zurückgewonnen werden.

In Brandenburg sind die Milchkuh-Bestände bereits rückläufig. Im Mai gab es annähernd 160 000 Tiere und damit 2,5 Prozent weniger als noch vor einem halben Jahr, so das Landesamt für Statistik. Die Zahl der Halter hat sich um fast fünf Prozent auf 700 reduziert.

Für die Landwirte gibt es nur zwei Möglichkeiten: ein Ende mit Schrecken und die Milchkühe abschaffen – oder weitermachen. „Ich kann nur dazu raten, an der Milchproduktion festzuhalten“, sagt der Präsident des Landesbauernverbandes, Henrik Wendorff. Er kenne die Betriebe in Brandenburg und wisse, dass die Strukturen zukunftsfähig seien. „Wir müssen es schaffen“,

Wichtig seien jetzt auch Gespräche mit den Molkereien: Faire Abnahmepreisen müssten erreicht werden. Bei Erlösen zwischen 20 bis 26 Cent könne einfach nicht kostendeckend produziert werden, sagte Wendorff.

In der Genossenschaft Löwenbruch/Kerzendorf (Teltow-Fläming) wurde vor Kurzem die Reißleine gezogen. „Um den Betrieb zu retten, haben wir die Milchproduktion aufgegeben“, begründet Geschäftsführerin Regina Siebeke ihre Entscheidung. 100 000 Euro Verlust hatte der Betrieb allein im ersten Halbjahr 2015 durch die Milchproduktion eingefahren. Bevor die Laster die Tiere abholten, verabschiedeten sich die Mitarbeiter noch von ihnen; viele mit Tränen in den Augen, berichtet Siebeke.

Selbstvermarktung kann für einige Milchbauern eine Möglichkeit sein, ihr Produkt zum reellen Preis zu verkaufen. Landesweit gibt es mittlerweile sieben Milch-Tankstellen in den Agrarbetrieben. Dort können Kunden, wenn der Obolus bezahlt wurde, die Flasche unter den Zapfhahn halten und per Knopfdruck füllen. Aber für die Landwirte bringt das von der Menge her nicht viel.

Landwirt Marco Hintze aus Groß Kreutz (Potsdam-Mittelmark) hat in seinem Familienbetrieb schon vor etwa zehn Jahren die Milchproduktion aufgegeben. „Es ist mir sehr schwer gefallen“, sagt er. Kühe und Melkanlagen wurden verkauft. Es sei aber eine betriebswirtschaftliche Entscheidung gewesen. Er hält nun 85 Mutterkühe und mästet die Kälber. Zunehmend vermarktet er das Fleisch selbst. Ein Zurück zur Milch für seinen Familienbetrieb schließt er aus. Hintze bekräftigt: „Das steht nicht zur Diskussion.“

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erstellt am 16.Sep.2016 | 14:24 Uhr

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