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Brandenburg

08. Dezember 2016 | 21:09 Uhr

Märkische Männer meiden Kita-Berufe

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Förderprogramme für männliche Erzieher bisher mit wenig Erfolg

Nick Gütte ist ein Mitarbeiter, wie ihn sich viele Kita-Leiterinnen ersehnen: Jung, dynamisch, gebildet. Der 22-Jährige arbeitet seit Juli in einem Kindergarten in Manschnow (Märkisch-Oderland). Er hätte studieren oder in einem renommierten Unternehmen eine Ausbildung beginnen können. „Aber Erzieher war schon immer mein Traumberuf“, sagt er. „Und ich wollte nicht wegziehen.“

Drei von 17 pädagogischen Kräften in der Einrichtung sind Männer – diese Quote erreichen wenige Kitas im Land. Nach Angaben des Statistikamtes beträgt der Anteil männlicher Erzieher in Brandenburgs Kitas fünf Prozent.

Im Angermünder Bildungswerk startete ein mit Bundesmitteln gefördertes Projekt, bei dem Quereinsteiger den Erzieherberuf lernen – fünf von 25 Teilnehmern sind Männer. Sie waren früher unter anderem Bäcker oder Handwerker. Als Ausbilder dienen Kitas in der Uckermark und im Barnim, die Theorie wird am Oberstufenzentrum vermittelt. Und angehende Erzieher erhalten eine ähnlich hohe Vergütung wie Berufsanfänger.

„Eine Umschulung scheiterte früher oft an diesem Punkt, vor allem bei Männern, die umsatteln wollten“, sagt die Projektleiterin Inka Gräser. „Sie haben den Anspruch, ihre Familien zu ernähren.“ Der Wert männlicher Erzieher ist auf dem Arbeitsmarkt immer weiter gestiegen – laut einer Bertelsmannstudie fehlen 100 000 Fachkräfte, um den besseren Personalschlüssel und zusätzliche Krippenbetreuung abzusichern. „Viele Kitas suchen gezielt männliche Kollegen“, sagt Gräser. „Sie bringen frischen Wind in die Einrichtungen.“

Beim Berliner Institut für Frühpädagogik überwiegt die Skepsis, ob bald mehr Männer lieber Klötzchen bauen als Autos reparieren. 19 von 20 Teilnehmern der Ausbildung seien Frauen, sagt Geschäftsführer Christian Bethke. „Männer können wir kaum noch finden. Alle Interessenten sind schon eingefangen.“ Nach Bethkes Erfahrungen durchliefen Kitas einen längeren Prozess, um Quereinsteiger zu akzeptieren. Männer seien anfangs kritisch von Eltern beäugt worden, in vielen Köpfen steckt das Thema Missbrauch. „In der Praxis sind die Vorurteile schnell vom Tisch“, so Bethke. Ein Problem bleibt, dass Männer in anderen Branchen mehr verdienen.  


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erstellt am 03.Nov.2016 | 16:56 Uhr

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