zur Navigation springen

Brandenburg

03. Dezember 2016 | 22:46 Uhr

Landwirtschaft : Märkische Lupine im Brot

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Wissenschaftler wollen regionalen Hülsenfrüchten zu mehr Beachtung verhelfen

Wie Mensch und Böden vom Comeback von Bohnen, Erbsen und Lupine profitieren, zeigt die Leibniz-Gemeinschaft mit Häppchen aus Lupine. Süßliche Lupinenmilch wird ausgeschenkt, es gibt Lupineneis und Schnittchen mit Lupinenaufstrich. Man kann gekeimte Samen der Lupine auch Brot beigeben. Sie gelten als gesund, beugen Krebs und Herzerkrankungen vor.

Vor allem die Lupine ist eng mit Brandenburg verbunden. 1928 wurde in Müncheberg (Märkisch-Oderland) am Kaiser-Wilhelm-Institut für Züchtungsforschung eine Süßlupine als Tierfutter gezüchtet. Heute ist sie selten, wurde in Deutschland im Vorjahr auf rund 29 000 Hektar angebaut, fast die Hälfte wuchs in Brandenburg. In der Mark wurden auf 22 000 Hektar Hülsenfrüchte kultiviert.

Schweine, Rinder und Geflügel fressen oft Importsoja. „Heimische Hülsenfrüchte sind eine exzellente Protein- und Energiequelle und eine Alternative zum Import“, so Cornelia Metges vom Leibniz-Institut für Nutztierbiologie in Dummerstorf.

Kulturen wie Lupine sind auch für Menschen attraktiv. Viel Protein zu essen, kann gesundheitsfördernd wirken, fand das Deutsche Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke im Versuch mit Diabetikern heraus. Die Kost verbesserte deren Blutwerte.

Für den Potsdamer Forscher Andreas Pfeiffer ist es umweltschonend, auf heimische Eiweißpflanzen zu setzen. Die Lupine wächst auf schlechten, sandigen Äckern, reichert den Boden mit Stickstoff an und lockert es mit tiefen Wurzeln auf, wovon folgende Saaten profitieren.

Dass ihre meist blauen Blüten selten zu sehen sind, hat viele Ursachen. Lupine gilt Landwirten als sensibel mit stark schwankenden Erträgen. Die Entwicklung moderner, ertragreicher Sorten wurde vernachlässigt. Mit Weizen, Raps und Mais verdienen Bauern mehr als mit Hülsenfrüchten. Nicht nur als Tierfutter werden sie wenig angebaut: Speiselinsen kommen aus Kanada, die Erbsen oft aus Osteuropa.

Dennoch sehen Forscher Chancen für die heimischen Feldfrüchte. Der Trend zu vegetarischer Ernährung wächst. Dass in Südamerika der Sojaanbau für den Export zulasten der Nahrungsmittel-Versorgung geht, wird in Deutschland kritisch diskutiert. Zudem ist das Gros des Import-Sojas gentechnisch verändert, was viele Verbraucher ablehnen. Gen-Lupine gibt es noch nicht. Und eine neue Eiweißfrucht drängt auf den Markt. Sie wächst in der Mark auf einigen Hundert Hektar: gentechnikfreie Soja.

Das Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (Zalf) in Müncheberg (Märkisch-Oderland) experimentiert seit 2014 erfolgreich mit Sojakulturen. Der wärmeliebenden Pflanze scheint das hiesige Klima zu bekommen: „Wir können in Brandenburg gute Erträge bei Sojabohnen erreichen“, meint Johann Bachinger vom Zalf. Nicht nur zum Sojaanbau, auch zu den anderen Hülsenfrüchten wird verstärkt geforscht. Das Bundesagrarministerium fördert das seit 2010 mit der „Eiweißpflanzenstrategie“.

Seit wenigen Jahren steigt der Anbau etwas. Auch Brandenburger Landwirte haben 2015 mehr Hülsenfrüchte ausgesät, der Anstieg ist zaghaft. Nicht nur Ökobetriebe besinnen sich auf alte Ackerfrüchte, sagt Bachinger: „Ich habe in diesem Jahr viele konventionell bewirtschaftete Felder mit schönen Lupinen gesehen.“  

zur Startseite

von
erstellt am 02.Nov.2016 | 09:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen