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Brandenburg

08. Dezember 2016 | 10:56 Uhr

Kardiologen implantieren innovativen Stent : Krankenhaus live auf Sendung

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ein Stent, der sich selbst auflöst. Wie er funktioniert, wer profitiert, das erfuhren Zuschauer bei einer Live-Übertragung aus dem „Forßmann“.

Millionenfach werden sie bei Herzpatienten eingesetzt: Gefäßstützen, sogenannte Stents. Seit vier Monaten ist ein neuer, innovativer Stent auf dem Markt. Ein Stent, der sich selbst auflöst. Wie er funktioniert, wer profitiert, das erfuhren Zuschauer bei einer Live-Übertragung aus dem „Forßmann“.

Angefangen hatte alles vor über 80 Jahren: Dr. Richard Schneider hatte seinem Assistenzarzt ausdrücklich das Experiment untersagt. Keine Herz-Katheterisierung. Doch Werner Forßmann setzte sich über das Verbot hinweg. Er tat es heimlich – 1929 im Selbstversuch. Unter leichtem Einfluss von Alkohol sowie mit Hilfe von Schwester Gerda, wie es heißt. 1956 erhielt er dafür den Nobelpreis in Medizin.

60 Jahre später. Dr. Kerstin Hahlweg hat nichts zu befürchten. Sie muss auch nicht zu ungewöhnlichen Mitteln greifen. Obgleich der Zeitpunkt und die Umstände des Eingriffs schon ungewöhnlich sind. Die Oberärztin der Medizinischen Klinik II am Forßmann-Krankenhaus hat nicht nur das Okay ihres Chefs. Sie folgt seiner Bitte. Die erfahrene Kardiologin setzt dem 50-jährigen Holger Plönzke aus Joachimsthal per Katheter einen innovativen Stent ein. Vor den Augen der Öffentlichkeit. Vor großem Publikum. Der TV-Sender RBB übertrug den Eingriff nämlich live aus dem Herzkatheterlabor für das Gesundheitsmagazin „Praxis“. Normalerweise ist der OP um diese Zeit nicht in Betrieb. Von Notfällen freilich abgesehen. Fürs Fernsehen legen Chefarzt Dr. Stefan Hoffmann, der den Eingriff erklären wird, Dr. Kerstin Hahlweg und das Team also gewissermaßen eine Sonderschicht ein. Das Herzkatheterlabor wird zum Drehort. Der Übertragungswagen steht im Hof des Klinikums. Drei Schaltungen sind geplant.

Dr. Hahlweg, Schwester Ines und Assistent Steve bereiten den Patienten auf den Eingriff vor. Ein bisschen aufgeregt sei er schon, gesteht der 50-Jährige, bevor er ein leichtes Beruhigungsmittel erhält. Ansonsten werde er aber alles mitbekommen und den Eingriff bewusst erleben, erklärt die Oberärztin. Plönzke, so fügt sie hinzu, hatte im August einen Herzinfarkt erlitten. Damals sei bereits eine Engstelle in einem Herzkranzgefäß versorgt worden. Sprich: Es wurde ein Stent gesetzt. Eine konventionelle Gefäßstütze, wie Dr. Hoffmann, der die Klinik seit drei Jahren leitet, ergänzt. Heute ginge es um eine zweite Engstelle. Diesmal soll eine ganz neue Gefäßstütze zum Einsatz kommen. Ein Stent, der aus einer Magnesiumlegierung besteht und der sich nach etwa zwölf Monaten auflöst.

Seit Juni habe diese Innovation erst die Zulassung, so Hoffmann. Das Forßmann-Krankenhaus hat als erste Klinik in Brandenburg den Stent eingesetzt. Bei acht Patienten seither. „Wir wählen die Patienten sehr sorgfältig aus.“ Ausschlaggebend seien vor allem die Größe des betroffenen Gefäßes sowie das Alter des Patienten. Gerade bei jungen Patienten könne es Sinn machen und von Vorteil sein. Der klassische Stent aus Metall sei ein Implantat, das ein Leben lang im Körper verbleibt. Ein Fremdkörper mit allen Nachteilen und Risiken. Der Gefahr von Blutgerinnseln, Thrombosen, etwa. Deshalb werde schon seit langem an selbstauflösenden Produkten, der Mediziner spricht von bioresorbierbaren Stents, geforscht. Seit zwei, drei Jahren gebe es Kunststoff-Stents. Die allerdings, so der Nachteil, „Entzündungsreize setzen können“. Nun also ein Modell aus Magnesium. Damit könne sich das Gefäß später auch wieder selbst weiten und eng stellen.

Dr. Hoffmann hat vor etwa 20 Jahren die radiale Technik mitentwickelt. Der Katheter wird nicht mehr über die Leiste, sondern über ein Blutgefäß am Handgelenk zum Herzen geführt. Moderatorin Britta Elm bezeichnet den Chefarzt als „Pionier“ der Kardiologie und spricht von einer nobelpreisverdächtigen Leistung. „Ich empfinde den Namen des Klinikums und die Stätte als Verpflichtung“, sagt Hoffmann. „Wo, wenn nicht hier, soll Innovation vorgestellt werden?“ Holger Plönzke wurde inzwischen entlassen. Nächste Woche geht es für ihn nach Wolletz – zur Reha.

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erstellt am 05.Nov.2016 | 10:00 Uhr

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