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Brandenburg

30. September 2016 | 01:49 Uhr

Kassen attackieren Ärzteschaft

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Verband der Ersatzkassen verlangt mehr Aufklärung

Die Patienten in der Mark sollten besser über Preis, Nutzen, Risiken und Alternativen von „medizinisch nicht notwendigen Leistungen“ informiert werden. Das findet Michael Domrös, Landeschef des Verbandes der Ersatzkassen (vdek). Das Spektrum jener Igel-Leistungen reiche von der Stoßwellentherapie beim Tennisarm und der Akkupunktur in der Schwangerschaft bis zu regelmäßigen Zahnreinigungen und diversen Ultraschalluntersuchungen oder Impfungen für Reisen. Jene „Selbstzahlerleistungen“ werden von den Gesetzlichen nicht übernommen und sind allein vom Versicherten zu zahlen, weil ihr Nutzen nach Einschätzung der Kassen nicht erwiesen ist.

Michael Domrös beklagt mit Verweis auf eine repräsentative Umfrage des Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes der Krankenkassen (MDS), dass sich die Versicherten nicht ausreichend über Igel-Leistungen informiert fühlten. Während etwa jeder zweite angegeben habe, mit dem Verhalten des Arztes einverstanden zu sein, sei nur jeder vierte auch mit den Informationen zu möglichen Schäden durch Igel-Leistungen zufrieden gewesen.

Hans-Joachim Helming, Chef der Kassenärztlichen Vereinigung in Brandenburg, reagiert auf die Erklärung empört und unterstellt dem Ersatzkassenverband, „keine Ahnung von Medizin“ zu haben. Dass er Patienten suggeriere, er wisse besser als ein Arzt, was medizinisch gut oder schlecht ist, sei „brandgefährlich“. Gelbfieberimpfungen bei Reisen in Tropengebiete etwa seien keineswegs Unsinn. Helming erinnert zudem daran, dass es durchaus Ersatzkassen gebe, die zusätzliche Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft anbieten.

Auch die Verbraucherzentralen sehen indes Igel-Leistungen kritisch und haben ein Online-Portale eingerichtet, auf dem Patienten über Erfahrungen in Arzt-Praxen berichten können. Vor wenigen Tagen startete zudem eine Seite , auf der insbesondere Zahnarzt-Patienten „ihrem Ärger Luft machen können“ (kostenfalle-zahn.de). Begründung der Verbraucherschützer: In der Zahnmedizin sei der Igel-Markt auch deshalb „besonders undurchsichtig“, weil Zahnärzte Selbstzahlerleistungen nicht als „Igel“ bezeichnen und damit Patienten verwirren würden.


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erstellt am 23.Sep.2016 | 05:00 Uhr

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