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Brandenburg

23. März 2017 | 09:17 Uhr

Nur Gelegenheit schafft Schwimmer : Immer weniger Schüler schwimmen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Kritik an fehlenden Bädern und Lücken im Bildungssystem

Die Vorfreude auf den Sommer 2017 wird durch eine aktuelle Statistik der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) getrübt. Nach Angaben des Landesverbandes starben im vergangenen Jahr in den märkischen Seen, Flüssen und Kanälen 31 Menschen, sechs mehr als 2015. Die siebenjährige Berliner Schülerin, die im Juni 2016 am ersten Tag der Klassenfahrt im Werbellinsee bei Joachimsthal (Barnim) ertrank, war das jüngste Opfer.

„Die Tendenz steigt“, sagt Lars Rebel, Sprecher des Landesverbandes mit über 3500 Mitgliedern. Brandenburg liegt damit auch im bundesweit traurigen Aufwärtstrend: Mit 537 Badetoten, so DLRG-Vizepräsident Achim Haag in Berlin, habe man den höchsten Stand seit zehn Jahren erreicht. Allein von Juni bis August ertranken 220 Menschen.

Landessprecher Rebel geht von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus: „Wenn an bewachten Badestellen die Rettungskette greift und jemand am Ufer reanimiert wird, aber später im Krankenhaus stirbt, taucht dessen Tod in der Statistik nicht zwingend als Badeunfall auf“, erklärt er. Die Zunahme von Unglücksfällen führt Rebel auf den langen Sommer, aber auch darauf zurück, dass längst nicht mehr jedes Kind sicher schwimmen kann oder die Gelegenheit hat, es zu erlernen. Was Rebel zufolge an der Verschiebung der Infrastruktur liegt: „In den 1960er- und 1970er-Jahren hat sich jede Gemeinde ein Schwimmbad gebaut. Mit der Wende haben sich Kommunen ein Bad geteilt, andere sind geschlossen worden.“ Ein Fakt, den auch Burghard Menke, bis vor Kurzem Vorsitzender des Schwimmmeister-Landesverbands Berlin-Brandenburg, registriert. Die Bädersituation im Land sei alles andere als gut. Viele Hallen seien wegen Umbaus geschlossen oder würden aus Kostengründen nur eingeschränkt öffnen. Ein weiterer Punkt: Die motorischen Fähigkeiten der Kinder hätten stark nachgelassen, weil sich ihr Freizeitverhalten geändert hat. Die Kinder würden oft nur noch an Spielkonsolen oder vor dem Fernseher sitzen.

Die Kritik, dass Kindern in der Schule nicht das Schwimmen beigebracht wird, lässt das Brandenburger Bildungsministerium nicht auf sich sitzen. Schwimmunterricht, sagt dessen Sprecher Ralph Kotsch, sei verbindlicher Inhalt im Lehrplan der Grundschule und der Sekundarstufe 1. „Für die Grundschulen, für die kein erreichbares Schwimmbad zur Verfügung steht, kann der Schwimmunterricht bis zum Ende der Grundschulzeit auch unter Freiwasserbedingungen erteilt werden“, betont Kotsch. Nach seiner Einschätzung würden etwa 80 Prozent aller Grundschulen den Mädchen und Jungen in der dritten Klasse das Schwimmen beibringen.

Neben gefährdeten Kindern macht sich die DLRG um die steigende Zahl von ertrunkenen Flüchtlingen Sorgen. Unter den 31 Badetoten im Land waren drei Menschen mit Migrationshintergrund, bundesweit sind 64 Asylbewerber im Wasser gestorben. Schon 2016 hat die DLRG die Kommunen aufgefordert, Bäder und Badestellen mit leicht verständlichen Piktogrammen zu kennzeichnen. 

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erstellt am 18.Mär.2017 | 05:00 Uhr

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