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Brandenburg

03. Dezember 2016 | 12:33 Uhr

Tanzschulen im Aufwind : Hip-Hop wird groß geschrieben

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Seit einigen Jahren registrieren die früher etwas angestaubten Tanzschulen wieder mehr Zulauf. Dafür haben sie etwas getan

Trotz Facebook, Twitter und Computerspielen findet das Tanzen immer mehr Anhänger in Brandenburg. In den vergangenen vier Jahren stieg die Zahl der Tanzsportvereine im Landessportbund um 20 auf 152, die der Mitglieder um gut 800 auf etwa 7680. Auch die Tanzschulen verzeichnen nach einem Einbruch nach der Wende wieder mehr Zulauf, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab.

Allein in Potsdam gingen seit 2015 zwei neue Tanzschulen an den Start. Ein Grund sind Tanzsendungen wie „Let’s dance“, „Stepping Out“ und „Got To Dance“ im Fernsehen. Doch nicht alle Tanzschulen profitierten davon.

Am stärksten nachgefragt sind in den meisten Tanzschulen Standard- und Lateintänze, heute Gesellschaftstanz genannt. „Das klingt nicht so wettbewerbsorientiert und schreckt die Leute nicht so ab“, sagt der Potsdamer Tanzlehrer Sven Seeger. In seiner im Mai 2015 gegründeten Schule „Tanzhaus Potsdam“ wird Hip-Hop ganz groß geschrieben. Seeger hat mit mehreren Tanzteams nach eigenen Angaben bereits 14 Weltmeistertitel im Hip-Hop- und Streetdance des Weltverbands IDO gewonnen. Pro Monat nimmt das Tanzhaus etwa 30 neue Mitglieder auf. Im kommenden Frühjahr wird ein zweiter Saal eröffnet, da die Schule mit derzeit rund 500 Tänzern aus allen Nähten platzt. Neben dem klassischen Programm werden auch spezielle Kurse ab sechs Jahren angeboten. Stark im Kommen sei der West Coast Swing.

Bei Karina Brand, Chefin der Cottbuser Tanzschule Fritsche, gibt es bereits drei West-Coast-Swing-Kurse. Sie registriert seit etwa drei Jahren steigende Mitgliederzahlen – auch durch die TV-Tanzshows. „Tanzen ist wieder in Mode gekommen, ist so etwas wie ein Teil der Allgemeinbildung.“ Dabei würden in einem mehrwöchigen Kurs auch Benimmregeln vermittelt. „Die Kids sind froh, mal etwas anders machen zu können als Tanzen.“ Die Tanzschule Golz-Glogener in Frankfurt (Oder) legt ebenfalls Wert auf gute Umgangsformen. Chefin Charlotte Golz-Glogener, die die Schule mit ihrem Ehemann René führt, hat jedoch keinen Mitgliederzuwachs nach den Fernseh-Tanzsendungen registriert. „Zu viel Show, zu wenig Tanz“, habe sie immer wieder gehört. Rund ein Drittel ihrer Schüler gehört dem Club „Tanzen wie die Stars“ an, bei dem Film-Choreografien nachgetanzt werden.

Auch Matthias Freydank, Chef der Potsdamer ADTV-Tanzschule „Balance“ hält nicht viel von den TV-Tanzserien. „Sendungen wie „Let’s dance“ haben die Männer eher vom Tanzen abgehalten“, sagt er. „Die Frauen dagegen konnten nicht genug sehen.“ Neben dem klassischen Paartanz ist auch in seiner Tanzschule der West Coast Swing aktueller Renner. Hoch im Kurs stehen laut Freydank überdies Single-Kurse, die von den Männern auch als Kontaktbörse gesehen werden. Bei den Jungen und Mädchen bis Mitte 20 werde fast nur noch Hip-Hop nachgefragt.

Für die unterschiedliche Bewertung der TV-Tanzshows hat Christian Götsch vom ADTV-Verband Swinging World, einem Zusammenschluss von Tanzschulen-Inhabern, eine Erklärung: Wer sich sportlich ausrichtet, habe mehr Anmeldungen bekommen. „Wer sich mehr am Gesellschaftstanz orientiert, hat weniger davon.“ Götsch sieht den Tanzsport seit etwa 15 Jahren vom angestaubten Image der 70er und 80er Jahre befreit. Tanzen werde in der Öffentlichkeit wieder stärker wahrgenommen. Pro Jahr gibt es laut ADTV rund 30 neue Tanzschulen in Deutschland. „Das neue Interesse für Benimmregeln ist vielleicht ein Zeichen für einen Wertewandel bei einem Teil der Jugend“, vermutet Götsch.

Neben den Verbands-Tanzschulen haben auch viele freie Einrichtungen zahlreiche Brandenburger aufs Parkett gebracht, etwa mit Tango und Salsa. Tangotänzer profitieren dabei von der nach Buenos Aires wohl zweitgrößten Tangoszene der Welt – in Berlin. Dort kann auch fast an jedem Tag Salsa getanzt werden.  

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