zur Navigation springen

Brandenburg

07. Dezember 2016 | 23:12 Uhr

Hilfe für Alkohol- und Suchtkranke

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Zu viele Menschen trinken noch riskant mit gravierenden Folgen für Familie, Beruf und Gesundheit / Hilfsangebote gibt es

Über ein Online-Angebot können sich in Brandenburg seit März Betroffene wegen ihres Alkoholkonsums Hilfe und Beratung holen. Fast 700 Menschen hätten bislang das sechswöchige Programm mitgemacht, sagte der Direktor der Salus Klinik Lindow (Ostprignitz-Ruppin), Johannes Lindenmeyer, gestern in Potsdam.

Das Projekt in Zusammenarbeit mit der AOK Nordost und dem Brandenburger Gesundheitsministerium wurde auf der Landessuchtkonferenz vorgestellt. 100 Teilnehmer erörterten, wie mit Präventions- und Hilfsprojekten erfolgreich der Sucht begegnet werden kann.

Nach einer kurzen Befragung treffen die anonym bleibenden Teilnehmer eine Vereinbarung mit sich selbst. Innerhalb von sechs Wochen absolvieren sie ein Programm, mit kleinen Aufgaben und Zielen, um weniger zu trinken. „Wir wollen früher die Leute erreichen, die ein problematisches Verhältnis zum Alkohol haben“, erläuterte Lindenmeyer.

In die Brandenburger Suchtberatungsstellen kommen nach Angaben des Gesundheitsministeriums bereits sieben von zehn Ratsuchenden wegen ihres Alkoholkonsums. Neben Tabak bleibe Alkohol Droge Nummer eins, sagte Ministerin Diana Golze (Linke). Zwischen 2009 und 2013 sank der Anteil der Männer mit riskantem Trinkverhalten laut Ministerium landesweit von 36 auf 32 Prozent; bei Frauen ging er von 18 auf 17 Prozent zurück. „Die Zahlen sind aber kein Grund zur Entwarnung“, so Golze. Pro Jahr stürben in Brandenburg etwa 2200 Menschen an den direkten und indirekten Folgen der Alkoholsucht. Das Bewusstsein der Menschen, wie gefährlich Alkohol sein könne, müsse geschärft werden, sagte die Geschäftsführerin der Brandenburgischen Landesstelle für Suchtfragen, Andrea Hardeling.

Für pathologische Glücksspieler soll es in Brandenburg künftig mehr Hilfe geben. Im Interesse der Betroffenen sei ein Arbeitskreis pathologisches Glücksspiel geplant, kündigteAndrea Hardeling an. Angebote zu Prävention, Jugendschutz, Beratung und Behandlungsmöglichkeiten sollen dabei vernetzt werden. Nach Schätzungen der Landesstelle haben etwa 7200 Brandenburger ein problematisches Verhältnis zum Glücksspiel, rund 6400 ein pathologisches.

Die Betroffenen nehmen die negativen Folgen ihrer Sucht in Kauf, wie Verlust des Arbeitsplatzes und der Familie sowie zunehmende Schulden, sagte Hardeling. Spielsucht könne lange verheimlicht werden. „Den Spielern ist das nicht anzusehen oder zu riechen, wie beispielsweise bei Alkoholmissbrauch“, sagte sie.

In Brandenburg gibt es nach Angaben der Landesstelle für Suchtfragen ein Netz von 13 Beratungsstellen. Sie informieren über Hilfen.  

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 06.Okt.2016 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen