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Brandenburg

04. Dezember 2016 | 15:20 Uhr

Massensterben : Große Sorge um die Amsel

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Afrikanisches Usutu-Virus tötet Vögel in vielen Regionen. Brandenburg bislang kaum betroffen

Vogelfreunde sind in großer Sorge: Das afrikanische Usutu-Virus breitet sich in Deutschland aus und führt zu einem Massensterben von Amseln. Aus Brandenburg und Berlin wurden jedoch erst wenige Verdachtsfälle gemeldet, die sich nicht bestätigten.

Als in den heißen Augustwochen das Telefon bei Tobias Dürr klingelte, wurde ihm immer wieder die Frage gestellt: Wo sind die Amseln? Eine konkrete Antwort zum Verbleib konnte der Mitarbeiter der Staatlichen Vogelschutzwarte Buckow (Havelland) nicht liefern, wohl aber eine Vermutung: Durch die Trockenheit waren viele Vögel in feuchte Gefilde geflüchtet. „Das ist eine normale Entwicklung“, sagt der Experte.

Dabei ist die Sorge der Vogelfreunde durchaus begründet. Seit Monaten verzeichnen sie Schreckensmeldungen: Ein aus Südafrika stammendes Virus, das von Stechmücken übertragen wird, dezimiert die Drosselart deutschlandweit. Nach Angaben von Naturschützern sind vor allem Regionen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen, Niedersachsen, Baden-Württemberg sowie in Sachsen betroffen.

Die befallenen Vögel sind aufgeplustert, wirken krank, flüchten nicht mehr und sterben innerhalb weniger Tage. Zumeist wird das Virus bei Amseln festgestellt. Allerdings sind auch andere Vogelarten betroffen. Schon 2011 und 2012 registrierten die Experten einen massiven Ausbruch des Erregers in Deutschland. Nach Schätzungen starben damals 300 000 Amseln. Ernsthaft bedroht waren die Bestände jedoch nirgendwo: Deutschlandweit leben rund acht Millionen Brutpaare.

Um ein genaueres Bild der tatsächlichen Verbreitung des Usutu-Virus zu gewinnen, hat der Nabu dazu aufgerufen, kranke und tote Tiere online zu melden. Über 600 entsprechende Meldungen gingen innerhalb von zwei Wochen ein. Zudem können tote Exemplare an das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin geschickt werden, wo die Kadaver untersucht werden. Dabei trete das Virus derzeit „besonders weitflächig“ auf, erklärt der Institutsmitarbeiter Jonas Schmidt-Chanasit. Er fand in den untersuchten Vögeln zwei unterschiedliche Varianten des Virus, darunter einen frischen Stamm aus Afrika. Dutzende verendete Vögel wurden bereits in den Hamburger Laboren untersucht, in rund 20 Fällen bestätigte sich der Verdacht.

„Die Leute sind sensibilisiert“, sagt Lars Lachmann, Vogelschutzfachmann des Nabu. Derart viele Meldungen binnen kürzester Zeit habe es in den bisherigen Ausbruchsjahren nicht gegeben. „Häufig werden Veränderungen im Gefieder, unter anderem kahle Stellen am Kopf, genannt“, sagt er. Dieses Phänomen stehe jedoch nicht im Zusammenhang mit dem Usutu-Virus. Vor allem in Städten schauen die Menschen genauer hin. Selbst seine Nachbarin habe ihm eine kranke Amsel gezeigt, die kurze Zeit später gestorben sei, berichtet Lachmann. Von einem Massensterben könne in Berlin und Brandenburg jedoch keine Rede sein – im Gegenteil: „Hier wurde das Virus noch nicht nachgewiesen“, sagt er. Einzelne Verdachtsfälle gab es im Nordosten der Uckermark, in Elbe-Elster sowie im östlichen Speckgürtel der Hauptstadt. Auch Dürr bestätigt, dass Brandenburger Amseln bislang weitgehend verschont wurden.

Obwohl das Virus von Mücken auch auf Menschen übertragen werden kann, warnen die Experten vor Panikmache. In ganz Europa seien bisher erst fünf Infektionen beim Menschen festgestellt worden, meist bei Personen mit schwachem Immunsystem, heißt es beim Nabu.  

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erstellt am 14.Okt.2016 | 04:45 Uhr

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