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Brandenburg

04. Dezember 2016 | 21:21 Uhr

Bio-Bauerin aus der Uckermark : Glückliche Kühe im Odertal

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Anja Hradetzky aus Stolzenhagen ist die einzige Brandenburger Kandidatin für den Ceres-Award des Deutschen Landwirtschaftsverlages.

„Ich rede eigentlich ständig über Kühe“, sagt Anja Hradetzky. Die Widerkäuer würden sie einfach faszinieren. Wenn sie zum Melken ihrer Tiere auf die Weiden entlang der Oder gehe, sei das jedes Mal sehr beruhigend. „Da komme ich einfach runter“, berichtet die 29-Jährige, die meistens ohne Punkt und Komma spricht. Davon, dass sie sich einen Traum erfüllt hat, als sie und ihr Mann Janusz aus dem Nichts heraus ihren Biohof „Stolze Kuh“ im uckermärkischen Stolzenhagen gründeten.

Beide sind Absolventen der Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde (Barnim). Dort haben sich die Sächsin und der gebürtige Pole kennen und lieben gelernt. Nach ihrem Hochschul-Abschluss tingelten sie zunächst zwei Jahre lang über Bauernhöfe, um Erfahrungen zu sammeln.

Insgesamt 100 Hektar Weiden, Grünland und Acker pachteten sie im vergangenen Jahr von der Stiftung des deutsch-polnischen Nationalparkes „Unteres Odertal“ sowie von der Stiftung des Naturschutzbundes Deutschland – wohl wissend, dass beide strenge Auflagen an Landnutzer stellen. Bei der Beweidung gilt eine geringere „Besatzdichte“, die Wiesen dürfen erst späht gemäht werden, wenn die Bodenbrüter flügge sind, die Kühe müssen sich aus dem natürliche Bewuchs das Schmackhafte „herauspuzzeln“, wie die Öko-Landwirtin es beschreibt. Als Zufütterung bekommen ihre Tiere Heu, kein Gärfutter oder Silage. Dass ihre Kühe wegen der wesensgemäßen Haltung weniger Milch geben als andere, nehmen sie bewusst in Kauf. Die Anschaffung ihrer Tiere haben die beiden Jungbauern über sogenannte Genussrechte finanziert. „Die Leute konnten mit einem Mindesteinsatz von 500 Euro Kuhanteile kaufen, bekommen dafür 2,5 Prozent Zinsen in Naturalien: Milch, Fleisch, demnächst auch Käse“, erklärt die Mutter eines dreijährigen Sohnes.

Die Hradetzkys haben sich ausschließlich Kühe vom Aussterben bedrohter Rassen angeschafft: Tiroler Grauvieh, Angler Rotvieh, Allgäuer Braunvieh und deutsche schwarz-bunte Niederungsrinder. Sie dürfen ganzjährig auf den Weiden grasen, ihre Kälber selbst aufziehen, ihre Hörner behalten und sind nicht mit der Schlachtung bedroht, wenn sie nicht genug Milch geben.

28 Milchkühe haben die Hradetzkys inzwischen, dazu 30 Nachzuchten – eine Größe, die im allgemeinen unter Bauern nicht als rentabel gilt, für die junge Landwirtin jedoch „familientauglich“ ist. „Ich liebe Kühe, brauche jedoch auch Zeit für anderes“, sagt die 29-Jährige, die das „Kuhflüstern“ vor Jahren in Kanada gelernt hat.

Sie hat viele Ideen, beispielsweise die einer eigenen Käserei, um von Milchpreisen und Abnehmern unabhängig zu werden. Noch liefert „Stolze Kuh“ jeden zweiten Tag 250 Liter Milch an eine Biomolkerei, im Frühjahr soll die Käserei stehen, für die das Landwirts-Paar über eine Crowdfunding-Kampagne bereits knapp 25 000 Euro gesammelt haben. „Der Erfolg zeigt, dass wir nach Idealen arbeiten, die den Vorstellungen der Verbraucher entsprechen“, glaubt sie.

Ihre Ideen für eine Landwirtschaft, die das Tierwohl berücksichtigt, hat Hradetzky auch aufgeschrieben, um sich für den Ceres-Award des Deutschen Landwirtschaftsverlages zu bewerben. 30 Jungbauern aus ganz Deutschland sind für den vor zwei Jahren erstmals vergebenen Preis in zehn Kategorien nominiert, Hradetzky ist die einzige Kandidatin aus Brandenburg. Sie habe sich durch ihr Konzept der wesensgemäßen Milchviehhaltung auf Naturschutzflächen und der handwerklichen Milchverarbeitung qualifiziert, heißt es in der Einschätzung der Jury.

Seine Frau sei überzeugt von der Sache, verkörpere eine neue Generation von Landwirten, sagt Janusz Hradetzky. „Biobäuerin des Jahres bin ich eigentlich schon, denn die anderen beiden Nominierten in meiner Kategorie sind Männer“, ergänzt die Wahl-Brandenburgerin selbstbewusst. Gekürt wird der beste Landwirt Deutschlands am 18. Oktober (18.30 Uhr) während der „Nacht der Landwirtschaft“ im Berliner Kino „Kosmos“. Benannt ist der Ceres-Award nach der römischen Göttin des Ackerbaus, der Fruchtbarkeit, des Wachsens und Gedeihens.

 

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erstellt am 15.Okt.2016 | 04:45 Uhr

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