zur Navigation springen

Brandenburg

25. Februar 2017 | 17:02 Uhr

Förderung : Geld für mehr Alphabetisierung

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Zehntausende Brandenburger können nicht richtig lesen und schreiben: Das Land will jetzt mit Millionen Euro gegensteuern

Brandenburg bereitet ein neues Förderprogramm für Analphabeten vor. Aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds und des Landes würden im Zeitraum von 2015 bis 2020 rund sechs Millionen Euro bereitgestellt, kündigte der Sprecher des Potsdamer Bildungsministeriums, Stephan Breiding, an. „Ab kommendem Jahr werden mehrere regionale Grundbildungszentren und ein umfangreiches Weiterbildungsangebot zur Alphabetisierung gefördert“, erläuterte Breiding.

Nach Schätzungen des Bundesverbandes Alphabetisierung und Grundbildung gibt es in Brandenburg rund 224 000 „funktionale Analphabeten“. „Die Menschen beherrschen zwar das Alphabet, können aber keine komplexen Sätze oder Wörter schreiben oder lesen“, erklärte Ellen Abraham vom Verband. Ihre Zahl in Deutschland stagniere und liege einer Studie zufolge bei 7,5 Millionen.

Über Dunkelziffern kann Abraham nur mutmaßen. Primär seien die Altersgruppen zwischen 35 und 55 Jahren betroffen. Rund 70 Prozent der Analphabeten in Deutschland sind funktionale Analphabeten. Von den insgesamt 7,5 Millionen sind laut der Studie gut 58 Prozent Deutsch-Muttersprachler. 48 Prozent haben einen unteren Bildungsabschluss, 19 Prozent keinen.

„Signifikant ist der Zusammenhang zur Bildungsnähe. Besitzen die Eltern nur einen geringen oder keinen Schulabschluss, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Kinder von Analphabetismus betroffen sind“, sagte die Leiterin der Kreisvolkshochschule (KVHS) Uckermark in Prenzlau, Jeannette Stockmann de Caro. Ebenso bestehe ein enger Zusammenhang zwischen Lese- und Schreibfähigkeit sowie beruflicher Bildung. 44 Prozent der Analphabeten schafften keinen Berufsabschluss und übten deshalb, wenn sie berufstätig sind, un- oder angelernte Tätigkeiten aus.

In Prenzlau finden mehr Kurse als in den vergangenen Jahren statt. „Das ist sicherlich darin begründet, dass wir unsere Zusammenarbeit mit dem Jobcenter intensiviert haben“, stellte Stockmann de Caro fest. Im Rahmen des Projektes „Alphakommunal“ würden Mitarbeiter des Jobcenters für das Thema Analphabetismus sensibilisiert. Das habe deutlich dazu beigetragen, das Bewusstsein der Behördenmitarbeiter zu erhöhen. Dadurch sei die Zahl der vermittelten Teilnehmer gestiegen. „Davon abgesehen gibt es in den Kursen eine lange Verweildauer, da der Alphabetisierungsprozess langwierig ist.“ Bis Kursteilnehmer richtig lesen und schreiben können, vergehen je nach Vorbildung oft Jahre. „Wenn sie über vier Jahre hinweg zweimal die Woche einen Kurs besuchen, sind sie auf dem Niveau eines Erstklässlers“, sagt Verbandsgeschäftsführerin Ellen Abraham.

Neben den Volkshochschulen (VHS) bieten weitere Organisationen wie die Angestellten-Akademie Kurse an. Über sprachgesteuerte Internetseiten, das Alphatelefon des Alphabetisierungsverbandes sowie Lernwerkstätten werde Betroffenen geholfen.

Eine solche Lernwerkstatt betreibt die VHS Potsdam zusammen mit der Stadtbibliothek, wie Claudia Löwenberg vom Landesvolkshochschulverband berichtet. Die Lernwerkstatt stehe Menschen mit Grundbildungs- und Alphabetisierungsbedarf offen. „Anonym und unverbindlich kann man dort lernen oder sich über Unterstützungsangebote informieren“, sagt Löwenberg. Fachkräfte der VHS begleiten die Einrichtung.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen