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Brandenburg

28. September 2016 | 12:14 Uhr

Verzicht auf umstrittene Fördermethode : Gas-Firmen schließen Fracking aus

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bürgerinitiativen bleiben jedoch skeptisch. Politiker kritisiert späte Einbeziehung der Kommunen bei Entscheidungen

In vier Orten Brandenburgs sollen in naher Zukunft Erdgas und Erdöl gefördert werden. Investiert wurden schon viele Millionen Euro in Probebohrungen. Dabei versichern die Unternehmen unisono, kein Fracking anzuwenden. Doch an diesen Aussagen gibt es Zweifel.

Einer von diesen Zweiflern ist Ralf Irmscher. Wenn er über die Informationspolitik des Energiekonzerns Engie spricht, dann nennt er einen Begriff: „Salami-Taktik“. Diese Strategie habe in Märkisch-Buchholz, wo das französische Unternehmen ein schon zu DDR-Zeiten entdecktes Erdgas-Feld erschließen will, hervorragend funktioniert, sagt der Sprecher einer Bürgerinitiative. „Die packen nie alle Fakten auf den Tisch.“

Daher sei es für Kommunalpolitiker schwer einzuschätzen, welche langfristigen Folgen durch die Förderung des Rohstoffs entstünden, etwa in den geologischen Strukturen tief in der Erde. Auch Aussagen, Fracking werde nicht angewandt, zweifelt Irmscher an. „Zuerst fließt das Gas automatisch. Aber das sieht in zehn Jahren anders aus.“ Engie erklärt indes, sich der Stadt gegenüber „schriftlich“ zu verpflichten, kein Fracking anzuwenden.

Das Projekt ist in einer Region, die von Naturschutzgebieten durchzogen wird, höchst umstritten. Mit knapper Mehrheit hatten die Stadtverordneten unlängst grünes Licht für einen Bebauungsplan gegeben. „Ich nehme diesen Unternehmen übel, dass sie die Gemeinden spalten“, sagt Irmscher. Zweifel hat auch der Landtagsabgeordnete Christoph Schulze (Freie Wähler). Auf seine konkrete Anfrage, an welchen Stellen im Land konventionelles Fracking möglich ist, antwortete das Wirtschaftsministerium erst im zweiten Anlauf: Prinzipiell sei dies auf fast dem gesamten Territorium möglich. „Die Kommunen werden erst dann einbezogen, wenn die Verfahren schon verdichtet sind“, kritisiert Schulze. Vielfach werde auf Fachebenen schon etwas „ausgekungelt“.

Bei Fracking geht es grundsätzlich darum, durch hydraulischen Druck kleine Risse im Gestein zu erzeugen, damit die Kohlenwasserstoffe besser fließen. Während konventionelles Fracking im Sandstein bereits seit vielen Jahren etwa in Niedersachsen angewendet wird, mittlerweile unter schärferen Auflagen, ist unkonventionelles Fracking von Schieferöl und Schiefergas nach der derzeitigen Gesetzeslage verboten.

Die Unternehmen weisen die Vorwürfe entschieden zurück: „Über sämtliche Planungen und Arbeiten haben wir frühzeitig informiert“, sagt Dirk Barz, Sprecher von Bayerngas. Das Unternehmen erkundet in der Nähe von Beeskow eine Erdgaslagerstätte, wird aber ebenfalls von einer Bürgerinitiative kritisch beobachtet.

„Fracking findet dort nicht statt“, so Barz. Bayerngas rechnet mit einem Gasvolumen von fünf Milliarden Kubikmetern. Derzeit werde aber noch an Modellen gerechnet. Die deutsch-kanadische Firma CEP ist einen Schritt weiter. „Wir könnten loslegen, aber die Genehmigungsverfahren stehen noch bevor“, sagt Sprecherin Angela Lammers. Diese würden mindestens drei Jahre dauern.

Mehr als 35 Millionen Euro hat das Unternehmen in der Niederlausitz investiert, in dem Erkundungsfeld sollen 250 Millionen Barrel lagern. Hans-Georg Thiem, Präsident des Landesbergamtes, betont, dass keine Anträge auf Fracking vorliegen.

Er erkennt auch nicht die Notwendigkeit, diese Technologie in Brandenburg anzuwenden. „Wenn wir jemals darüber entscheiden müssen, wird die Öffentlichkeit einbezogen.“

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erstellt am 23.Sep.2016 | 05:00 Uhr

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