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Brandenburg

11. Dezember 2016 | 12:51 Uhr

Landwirtschaft Brandenburg : Für Festtagsgänse ist es 5 vor 12

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Zu den Feiertagen ist Schluss mit dem Gänseleben. Zum Martinstag werden die ersten Tiere geschlachtet

Mit lautem Geschnatter rennt die Gänseschar über die Weide in Nordbrandenburg. Möglichst weit weg vom Zaun und den Besuchern. Die potenziellen Käufer schauen nach dem Rechten: Wie geht es meinem Festtagsbraten, sind die Tiere wirklich tagsüber im Freien? Nach kurzer Zeit haben sich die Gänse beruhig. „Die Tiere sind Zaungäste gewöhnt und lassen sie bald links liegen“, sagt Karoline Hesterberg, Geschäftsführerin von Gut Hesterberg in Neuruppin-Lichtenberg (Ostprignitz-Ruppin).

Seit April sind in dem Familienunternehmen 800 Gössel zu bereits respektablen Gänsen herangewachsen. In Kürze werden die ersten geschlachtet und verkauft. Pünktlich zum Martinstag am 11. November sollen sie bei den Verbrauchern auf den Tischen landen.

In Brandenburg werden in etwa 120 Betrieben Gänse großgezogen - meist im Freien und naturbelassen, wie Florian Anthes vom Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft sagt. Der Selbstversorgungsgrad in Deutschland lag im Vorjahr bei 19 Prozent. Der überwiegende Teil der Ware kommt aus dem Ausland, meist aus Polen und Ungarn und ist dann tiefgefroren.

„Gänsefleischerzeugung ist ein Saisongeschäft“, betont Anthes. 91 Prozent der Gänse werden im letzten Quartal des Jahres verkauft, 62 Prozent allein im Dezember.„Wir nehmen in der Regel ab Erntedank Bestellungen entgegen“, sagt Nadine Schurbaum vom Ökohof Kuhhorst (Ostprignitz-Ruppin). „Einige Kunden waren sehr frühzeitig dabei, denn im Vorjahr mussten wir sie wegen der großen Nachfrage enttäuschen.“ Auf dem Demeter-Hof werden etwa 600 Gänse gehalten. Ein Drittel gehe an den Handel, den Rest haben sich Privatkunden bereits gesichert.

„Es gehört bei vielen Familien mittlerweile zum guten Brauch, den Gänsebraten direkt beim Bauern zu ordern“, sagt der Sprecher des Brandenburger Agrarministeriums, Jens-Uwe Schade. Einige bieten einen Vertrag ab Küken an, andere setzen auf Vorbestellungen oder gehen auf Märkte, beliefern direkt den Handel oder gastronomische Einrichtungen. „Wer sich nicht rechtzeitig kümmert, bei dem hilft kurz vor den Festtagen nur noch Vitamin B: Bitten oder Beziehungen“, sagt Schade.„Der Trend ist klar: sowohl im Einzelhandel als auch über die Direktvermarkter steigt die Nachfrage und auch der Umsatz mit Bio-Gänsen aus regionaler Erzeugung“, betont Michael Wimmer, Geschäftsführer der Fördergemeinschaft Ökologischer Landbau Berlin-Brandenburg. Gerade die Direktvermarkter haben demnach Stammkunden oder Bestelllisten. „Die Verbraucher reagieren damit auch auf Missstände in der konventionellen Tierhaltung“, sagt er.

Karoline Hesterberg bekommt in ihrem Betrieb die gestiegene Nachfrage an regionalen Produkten deutlich zu spüren. Eine logistische Herausforderung sei die Schlachtung, Termine müssten auf den Punkt eingehalten werden.

Öko-Landwirt Michael Chickowsky aus Steinhöfel-Jänickendorf (Teltow-Fläming) hat knapp zwei Monate für dem Weihnachtsfest für etwa 40 Prozent seiner gut 1000 Gänse und Peking-Enten neue Besitzer. „Per Internet wird gut gebucht, 90 Prozent der Kunden kommen aus Berlin“, sagt er.

Der letzte Akt der Gänsesaison endet für Chickowsky am 22. Dezember: dann fährt er mit den geschlachteten Tieren zu sieben Auslieferungspunkten in der Hauptstadt. „Die Kunden können dort ihre bestellte Ware in Empfang nehmen“, erklärt er. Danach gibt es für ihn eine Pause: „Ich lege über die Feiertage die Beine hoch und mache nichts.“ Spätestens ab April geht es aber wieder los: Gössel ziehen auf die Brandenburger Höfe und warten auf Futter.

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erstellt am 02.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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