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Brandenburg

04. Dezember 2016 | 15:18 Uhr

Neues Gemüse aus der Mark : Exotische Horngurken aus Zufall

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Landwirt Georg Rixmann aus Linum züchtet das Gemüse, das eigentlich in wärmeren Ländern wie Neuseeland oder Israel gedeiht.

Die Gurkenernte in Brandenburg ist längst vorüber. Im Spreewald schwimmen sie schon sauer oder salzig eingelegt im Glas. Ein ganz anderes Bild bietet sich aktuell auf einem kleinen Feld in Linum (Ostprignitz-Ruppin). Dort begann jetzt die Ernte der Horngurke – eine absolute Ausnahme in Brandenburg.

In Linum herrscht gerade Hochsaison. Knapp 100 000 Kraniche machen derzeit dort auf ihrem Weg in den warmen Süden Rast und sorgen für ein beeindruckendes Naturschauspiel. Viele Naturfreunde lassen sich das nicht entgehen und steuern das Dorf gezielt an. Die meisten nehmen auch mindestens einen Kürbis vom Hof von Georg Rixmann mit nach Hause.

Der 62-jährige Landwirt verkauft an der Dorfstraße derzeit um 100 verschiedene Sorten von knallbunten Speisekürbissen in sämtlichen Formen und Farben. Tonnenweise haben Rixmann und sein Team diese in den vergangenen Wochen geerntet. Im Normalfall wäre die Ernte auch beendet. Allerdings wucherten an einem Ende des Feldes noch ein paar Pflanzen vor sich hin und breiteten sich immer weiter aus. Selbst den kühlen Nachttemperaturen hielten sie ohne Probleme stand. „Man konnte die Früchte gar nicht sehen“, sagt Rixmann und hebt den Pflanzenteppich an. Unter den ersten Quadratmetern zeigt sich keine einzige Frucht. Erst nach nochmaligem Zupacken leuchten sie einem hellgrün bis leicht gelb entgegen – die Horngurken. Etwas mehr als faustgroß sind die Früchte, deren Schale mit dicken Spitzen besetzt ist und an einen Morgenstern erinnern. „Die sehen aus wie Nahkampfwaffen“, sagt Rixmann und lacht.

Dass die Früchte, die ebenfalls als Kiwanos bekannt sind, jetzt auf seinem Feld wachsen, ist einem Zufall zu verdanken. Ursprünglich sollten an dieser Stelle nur herkömmlich Gurken stehen und ein paar Kiwanos im Gewächshaus gedeihen. Rixmanns Mitarbeiter pflanzten jedoch versehentlich alle Setzlinge nach draußen. „Man konnte sie dann nicht mehr unterscheiden und ich wollte sie auch nicht gleich wieder aus der Erde ziehen“, so der Landwirt, der die Kiwanos eigentlich schon abgeschrieben hatte. Schließlich sprießen und gedeihen diese normalerweise in deutlich wärmeren Ländern wie Neuseeland oder Israel. In Linum scheinen die Bedingungen für das Gemüse offenbar nicht schlechter zu sein.

Stück für Stück wird in diesen Tagen der riesige Kiwano-Pflanzenteppich mit Handschuhen abgeklopft. Jede gepflückte stachlige Frucht bekommt eine eigene Schale, damit andere durch die Spitzen nicht beschädigt werden. Rixmann geht davon aus, dass bei der unverhofften Ernte sogar um die 1000 Gurken zusammenkommen werden, die deutlich saftiger und fruchtiger schmecken als die bekannten brandenburgischen Feldgurken. Zudem hat ihr weicheres Fruchtfleisch, das gelöffelt werden kann, ein leichtes Citrusaroma.

Die Neuentdeckung passt bestens in das Portfolio des Landwirts, der hin und wieder auch Sämereien aus anderen Ländern importiert. „Man muss eben seine Nische finden“, sagt er. Waren es vor Jahren noch die Erdbeeren, die in Linum der Renner waren, sind es nun die vielen Kürbisse und andere exotisch wirkende Früchte. „Die meisten Köche kennen nur drei Sorten Kürbisse: Hokkaido, Butternut und Muskat. Das liegt aber nur daran, weil ihnen auch nur diese drei angeboten werden“, sagt Rixmann. Er muss deshalb in den Küchen Berlin und Brandenburgs selbst die Werbetrommel für andere schmackhafte Früchte aus der Region rühren. Einen Top-Abnehmer hat der Linumer schon seit einigen Jahren: die Deutsche Köche National-Mannschaft um den Neuruppiner Matthias Kleber, die regelmäßig im Resort Mark Brandenburg am Ruppiner See trainiert. Für die Koch-Olympiade in Erfurt an diesem Wochenende haben sie von Rixmanns Hof das Wurzelgemüse Topinambur mit in ihre Zutatenliste genommen.

Weil die Konkurrenz in der Landwirtschaft riesig ist, muss der Linumer Hof auf das Außergewöhnliche setzen. „Ich kann mit keinem großen Unternehmen konkurrieren, in dem auf dem Feld alles maschinell passiert“, sagt der 62-Jährige. Feinschmecker finden dafür in seinem Sortiment neben allerlei bekanntem Obst, Gemüse, Kräutern und Gewürzen auch solche ungewöhnlichen Früchte wie beispielsweise die braune Kaiser-Alexander-Gurke und Sachikaze – eine schlanke stachlige Salatgurke aus Japan.

 

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erstellt am 26.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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