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Brandenburg

27. März 2017 | 14:41 Uhr

Emotionale Trauerfeier : „Ewig in unserem Herzen leben“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Tochter des getöteten Polizisten liest bei der Beisetzung unter großer Anteilnahme berührenden Brief vor.

„Ich will keine Trauerreden, ich will keine Tränen sehen, kein Chor der Halleluja singt. Ich will, dass ihr feiert, ich will, dass ihr tanzt.“ Mit dem emotionalen Song „Das Leben ist schön“ hat gestern Nachmittag die Beisetzung des Ende Februar getöteten Polizisten Torsten P. in Schernsdorf begonnen. Und schon da greifen etliche der etwa 400 Trauergäste auf dem kleinen, an ein Kiefernwäldchen grenzenden Friedhof des 500-Seelen-Ortes im Landkreis Oder-Spree zum Taschentuch. Viele halten weiße Rosen in den Händen. Unter den Trauergästen waren auch Ministerpräsident Dietmar Woidke, Innenminister Karl-Heinz Schröter (beide SPD) und Polizeipräsident Hans-Jürgen Mörke. Der ebenfalls getötete 52-jährige Kollege des Polizisten war bereits am vergangenen Wochenende in Pfaffendorf beerdigt worden.

„Diesen Tag heute hier, den wollen wir nicht“, sagt Trauerrednerin Ute Catholy. Und dennoch heiße es nun, Abschied nehmen von diesem „lebensbejahenden Menschen, dem das Wohlergehen der anderen immer am Herzen gelegen hat“.

Torsten P. war 49 Jahre alt, als er und sein Kollege Torsten K. am 28. Februar in Oegeln von einem jungen Mann rücksichtslos überfahren wurden, der zuvor bereits seine Großmutter mit einem Messer getötet hatte. Der Tag, der so wie immer begonnen hatte, wenn der Schernsdorfer zur A-Schicht aufbrach, sollte ein grausames Ende finden, das sich in die Köpfe vieler Menschen für immer eingebrannt hat.

Für Torsten P., der von Freunden und Kollegen „Pauli“ genannt wurde, war die A-Schicht seine zweite Familie, sagt Ute Catholy. Und auch einer seiner Freunde von der Freiwilligen Feuerwehr Schernsdorf, wo sich der Polizeihauptmeister jahrelang engagierte, betont: „Er war mit Leib und Seele Polizist.“ Aber an allererster Stelle kam für Torsten P. immer seine Familie: seine Frau, die zwei Töchter, der Sohn und die Enkel. „Er war glücklich“, heißt es in der Trauerrede. „Doch der große Traum, die Goldene Hochzeit zu feiern, der wird unerfüllt bleiben.“ Und auch der 50. Geburtstag, auf den er sich schon so gefreut habe, den wird es nicht mehr geben.

An die Mutter des getöteten Polizisten richtet Ute Catholy auf dem Friedhof ebenfalls ihr Wort: Sie müsse etwas erleiden, wovor sich alle Eltern fürchten: Das eigene Kind zu Grabe zu tragen. „Wir alle verneigen uns vor Ihrem Schmerz.“ Forstarbeiter hatte ihr Sohn nach der zehnten Klasse gelernt. Den Wald mochte er schon in seiner Kindheit. Gemeinsam mit seinem Bruder hat er viel in der Natur gespielt. Irgendwann aber zog es ihn mit dem „Löwenmut“ dann zur Polizei.

Einer der emotionalsten Momente der Beisetzung ist der Brief, den Torsten P.s Tochter mit tränenerstickter Stimme vorliest: „Du wirst in unseren Herzen ewig leben, als Mensch, der alle zum Lachen gebracht hat. Es tut weh, erkennen zu müssen, dich nie wieder drücken zu können.“ Kurz darauf wird die Urne ihres Vaters beigesetzt. Minutenlang rieseln Rosenblätter darauf hinab, Kollegen salutieren – viele weinen.

 

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erstellt am 18.Mär.2017 | 05:00 Uhr

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