zur Navigation springen

Brandenburg

10. Dezember 2016 | 19:33 Uhr

Gedenkfeier in Cottbus : „Dürfen diesen Tag nicht vergessen“

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Bundespräsident Joachim Gauck erinnerte in der neuen Synagoge an die Pogromnacht 1938. Auch der Potsdamer Landtag gedachte der Opfer.

Bundespräsident Joachim Gauck erinnerte gestern an die Opfer der Pogromnacht des Jahres 1938 in Deutschland. Gauck sprach in Cottbus, wo 2015 aus einer ehemaligen Kirche die erste Synagoge Brandenburgs seit dem Holocaust entstand. Er würdigte das Engagement von Freiwilligen und Sponsoren, die das möglich gemacht hatten. „Ich bin heute nach Cottbus gekommen, um ein gutes Deutschland kennenzulernen“, sagte Gauck.

Die neue Synagoge sei ein Symbol, wie Deutschland auch sei, sagte Gauck. Dies habe er mit seinem Besuch würdigen wollen. Christen hätten sich in Freundschaft und Kooperation von dem ehemaligen Gotteshaus getrennt, um etwas Neues entstehen zu lassen. Am Ort der einstigen Synagoge in Cottbus, die 1938 zerstört wurde, wurde zugleich ein Kranz niedergelegt.

Am 9. November 1938 hatten die Nationalsozialisten Hunderte Synagogen in ganz Deutschland in Brand gesteckt und Tausende jüdische Geschäfte zerstört. Viele Juden wurden verschleppt und ermordet. Die Nacht gilt als Auftakt zur systematischen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung.

Die frühere evangelische Schlosskirche in Cottbus liegt mitten in der Fußgängerzone, hatte aber schon lange keine Gemeinde mehr. Die jüdische Gemeinde in Cottbus nutzte vor der Einrichtung der Synagoge einzelne Räume in der Nähe, die aber nicht barrierefrei waren. Heute ist die Synagoge ein Touristenmagnet. 1938 zählte die jüdische Gemeinde in Cottbus knapp 400 Mitglieder. Nach den Schrecken des Nationalsozialismus waren nur noch zwölf Mitglieder am Leben. Die Gemeinde wurde 1998 neu gegründet und zählt heute wieder mehr als 400 Mitglieder, die alle aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen sind.

Auch der Brandenburger Landtag erinnerte in seiner gestrigen Sitzung an die Verfolgung der Juden. „In dieser Nacht zeigte der deutsche Faschismus sein wahres Gesicht“, sagte Landtagspräsidentin Britta Stark zu Beginn der Plenarsitzung in Potsdam. „Wir dürfen diesen Tag nicht vergessen, und wir dürfen die Menschen nicht vergessen, die in dieser Nacht ihr Leben lassen mussten.“ Alle seien dazu aufgerufen, dafür zu sorgen, dass so etwas in Deutschland nie wieder passiert. Stark erinnerte zudem an die Geburtsstunde der Weimarer Republik, den Hitler-Ludendorff-Putsch 1923 und den Mauerfall im Jahr 1989, die jeweils auf einen 9. November fielen. „Als Schicksalstag steht der 9. November sowohl für schreckliche Ereignisse, Gewalt und Tod wie für historische Wendepunkte von Hoffnung, Demokratie und Freiheit“, sagte die Landtagspräsidentin. „Wie kein anderer Tag erinnert uns der 9. November daran, dass Demokratie immer wieder erkämpft und verteidigt werden muss.“

Weitere Veranstaltungen zum Gedenken an die Opfer der Pogromnacht waren in ganz Brandenburg geplant.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen