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Prunksarkopharge in neuem Glanz : Die unbekannten Kunstschätze

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Die Frankfurter Marienkirche und die Reformation stehen im Zentrum einer Ausstellung. Einige Werke waren jahrzehntelang nicht zu sehen

Die Bezeichnung „Prunksarkopharge“ ist nicht übertrieben. Die mit Kupferplatten ummantelten Särge aus dem 17. Jahrhundert sind mit Löwenköpfchen und Zierleisten dekoriert und aufwendig vergoldet. An den Längsseiten gibt es Bildfenster, über deren Qualität Restauratorin Dorothee Schmidt-Breitung ins Schwärmen gerät. „Das sind hochwertige Ölmalereien, meisterlich ausgeführt und zumindest in Ostbrandenburg einmalig“, sagt die Expertin. Ihre Aufgabe war es, die Kunstwerke zu säubern, zu festigen und Fehlstellen zu ergänzen.

Als sie die jeweils etwa eine Tonne schweren Sarkopharge vor Jahren erstmals zu Gesicht bekam, war vom Prunk allerdings nichts mehr zu sehen. Der Grünspan hatte ebenso seine Spuren hinterlassen wie Vandalismus.

Die Ruhestätte des Frankfurter Bürgermeisters Cöstestin Hoffman von Greiffenpfeil und seiner Ehefrau stand längst nicht mehr in seiner Gruft in der Marienkirche. Sie war mehrfach aufgebrochen und geplündert worden. „Im Inneren der Sarkopharge waren die Gebeine ursprünglich zusätzlich in Holzsärgen bestattet worden. Wir fanden nur noch ein Sammelsurium aus Holzstückchen und Knochenfragmenten.“ Mit „wir“ meint sie sich und einen Metallrestaurator, der sich um die Reinigung und Konservierung der Kupferhülle kümmerte.

Schmidt-Breitung kümmerte sich um die Arbeiten an den Seitenmalereien und die Auffrischung der Vergoldung.

Die Restaurierung ist abgeschlossen. Das prunkvolle Erbbegräbnis wartet auf seine Rückkehr in die kleine Kapelle mit den mittelalterlichen Wandmalereien gleich neben dem Haupteingang der Frankfurter Marienkirche. Nur wer genauer hinschaut, erkennt am Fußende eines der Särge noch dunkle Brandspuren. Sie entstanden 1945, als eines der größten Gebäude norddeutscher Backsteingotik im Zuge der Bombardierung der Festungsstadt Frankfurt in Schutt und Asche versank. Andere Kunstschätze des bedeutenden mittelalterlichen Sakralbaus hatten mehr Glück. Sie waren aus Sorge vor Kriegszerstörung in den 1940er Jahren vorsorglich ausgelagert worden. Allen voran die gläserne Bilderbibel, drei gotische Bleiglasfenster mit insgesamt 117 mittelalterlichen Glasmalereien, die später als Beutekunst in Russland landete.

Der Hochaltar der einstigen Universitäts- und Stadtpfarrkirche war von den Frankfurtern kurzerhand eingemauert worden. „Die hölzerne und vergoldete Bekrönung allerdings, das sogenannte Gesprenge, wurde in die abseits des damaligen Stadtzentrums gelegene Gertraudkirche gebracht, ebenso wie zahlreiche Epitaphien mit Porträts bedeutender Frankfurter und wertvolle Teile der Marienbibliothek“, erzählt Historiker Martin Schieck, Direktor des Frankfurter Museums Viadrina. Diese Kunstschätze werden in der Ausstellung „Bürger, Pfarrer, Professoren. St. Marien in Frankfurt(Oder) und die Reformation in Brandenburg“ ab dem 5. Mai gezeigt – in den beiden Kirchen und im Museum. Viele von ihnen sind erstmals seit mehr als 60 Jahren wieder zu sehen. Zuvor waren sie dank einer großen Spendenbereitschaft der Frankfurter restauriert worden.

Die Schau, in der auch die beiden Prunksarkopharge gezeigt werden, eröffnet die diesjährige „Kulturland-Brandenburg“-Kampagne, die ganz im Zeichen des Reformationsjubiläums steht. „Wir finden die Ausstellung ganz passend für unseren zentralen Ansatz in diesem Jahr, nämlich zu schauen, was hat die Reformation bei den Menschen bewirkt“, sagt Brigitte Faber-Schmidt, Geschäftsführerin Kulturland Brandenburg.

 

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erstellt am 21.Mär.2017 | 05:00 Uhr

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