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Brandenburg

02. Dezember 2016 | 21:08 Uhr

Solidarische Landwirtschaft : Die Ackerbande vom Oderbruch

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Mit einem monatlichen Betrag finanzieren Stadtbewohner die Betriebskosten eines Bauernhofs. Im Gegenzug profitieren die Städter von der Ernte.

Landwirt Valentin Kätzl schuftet für die Frankfurter „Ackerbande“. Kartoffeln, Kräuter, Möhren, Zwiebeln, Blattspinat, Rote Beete und Pastinaken baut er auf zwölf Hektar gepachteter Flächen im Oderbruch an. Das frische Gemüse bringt er einmal wöchentlich nach Frankfurt, um die Städter damit zu versorgen. Was nach Knechtschaft klingt, ist vielmehr ein solidarisches Prinzip.

Denn die 26 Frankfurter „Ackerbanden“-Mitglieder sind mit dem Bauern eine Gemeinschaft eingegangen: Sie zahlen einen festen monatlichen Betrag an Kätzl und sichern ihm damit seine Existenz. „Früher waren es für jedes Mitglied 70 Euro pro Monat, inzwischen haben wir die Beträge je nach Einkommen etwas gestaffelt, denn der solidarische Gedanke soll sich auch darin widerspiegeln“, erzählt der 37-jährige Landwirt. Vor drei Jahren begann er mit dem Konzept. Damals fanden sich noch nicht genügend Bezieher für Gemüsekisten – Kätzl lieferte Kräuter, Gemüse und Kartoffeln noch zusätzlich an Bioläden der Region.

Inzwischen aber hat sich das Prinzip herumgesprochen: Die Frankfurter „Ackerbande“ wuchs, eine weitere gründete sich in Berlin. Der solidarische Landwirt beliefert nur noch seine „Bandenmitglieder“.

Der Beitrag wird anhand der geschätzten Jahreskosten von Kätzls landwirtschaftlicher Produktion festgelegt. Die finanzielle Unterstützung ermöglicht es ihm, Saatgut zu kaufen und die Pacht für das Land aufzubringen.

„Das Konzept hat uns begeistert“, sagt Gunhild Strauch, die mit ihrer Familie zu den Gründungsmitgliedern gehört. Zudem sei das Gemüse „feldfrisch und handgemacht“, die wöchentliche Kiste auch immer wieder eine Überraschung. „Schwarzkohl zum Beispiel kannten wir vorher nicht“, erzählt die junge Mutter. Sie begann, mit anderen Mitgliedern Rezepte auszutauschen. „Oftmals sind da auch Sachen drin, die ich so im Laden nicht kaufen würde“, sagt Uwe Häler und zieht roten Rettich aus seiner Kiste. Sei das Gemüse aber erst einmal da, müsse man es auch verwerten. „Ich kann durch die finanzielle Absicherung eine größere Vielfalt an Gemüse anbauen, beispielsweise auch Artischocken und Auberginen, deren Aufzucht ziemlich arbeitsintensiv ist“, erläutert Kätzl, ein gebürtiger Bayer. Vor 18 Jahren kam er der Liebe wegen ins Oderbruch. Aus seiner Heimat kennt er keine Supermarkt-Mentalität. „Da gehen die Leute direkt zum Bauern, um einzukaufen.“ Um so erfreulicher sei es, dass sich auch die Brandenburger zunehmend bewusster ernähren. „Ich hätte leichter nach Berlin, als nach Frankfurt liefern können, aber ich wollte die Leute hier knacken“, sagt Kätzl.

Was Familie Strauch und andere zudem schätzen, sind die Treffen mehrmals im Jahr bei Kätzl auf dem Feld. Denn die Mitglieder der „Ackerbande“ verpflichten sich, mit anzupacken – beim Pflanzenpikieren und Zwiebelstecken im Frühjahr, beim Unkrautjäten im Sommer und Kartoffelnbuddeln im Herbst. „Da kann ich meiner Tochter zeigen, wo das Essen her kommt“, sagt Gunhild Strauch.

Die solidarische Landwirtschaftsgemeinschaft sehen die Ackerbanden-Mitglieder auch als Beitrag zur Revitalisierung des Oderbruchs und als Unterstützung für Leute, die sich dort niedergelassen haben. „Es ist sinnvoll, wenn Lebensmittel dort erzeugt werden, wo sie auch gegessen werden“, sagt Kätzl, der mit anderen Kleinproduzenten in seiner Nachbarschaft kooperiert, um auch Eier oder Käse mit in die Gemüsekiste legen zu können. Nachahmer hat er auch schon gefunden.

Zwei Bauern aus anderen Oderbruch-Orten liefern inzwischen nach ähnlichem Prinzip nach Frankfurt. „Es braucht seine Zeit, bis die Leute begreifen, dass sie nicht einfach kaufen, sondern finanzieren“, sagt er. Auch die Französin Lucile Pineau hat sich davon anstecken lassen und freut sich jede Woche auf Frisches vom Feld. „Von zuhause kenne und liebe ich Mangold. Den bekomme ich nun auch hier und muss ihn mir nicht schicken lassen“, freut sich die Mitarbeiterin der Frankfurter Europa-Universität Viadrina.

 

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erstellt am 17.Okt.2016 | 05:00 Uhr

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