zur Navigation springen

Brandenburg

03. Dezember 2016 | 20:43 Uhr

Flüchtlinge in Brandenburg : Chancen für polnische Lehrer

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Für Tausende Flüchtlingskinder fehlen Deutsch-Lehrer. Polnische Pädagogen für Deutsch als Fremdsprache könnten helfen

In Großbuchstaben steht Deutsch über der Tür des Klassenzimmers der Astrid-Lindgren-Grundschule in Frankfurt. Auf den Stühlen sitzen 16 Kinder aus Syrien, Afghanistan und Tschetschenien und pauken eifrig deutsche Vokabeln. Ihre Lehrerin, die Sätze laut und deutlich vorspricht, mit ihnen Lieder singt und tanzt, ist die gebürtige Polin Monika Szafranska. Seit April unterrichtet die 37-jährige Germanistin an der Schule die Flüchtlingskinder-Willkommensklasse.

Ein Glücksfall für sie und die Bildungsstätte, betont Schulleiterin Marina Bab. „Sie besitzt großes Einfühlungsvermögen, lässt sich viel einfallen, um spielerisch Deutsch zu vermitteln und versteht sich prima mit den 20 anderen Kollegen an der Schule“, lobt sie. Auch Haifa, Faris, Hussein und die anderen Neu-Grundschüler sind von ihrer Lehrerin begeistert. „Sie ist so freundlich und wir lernen viel“, bringt die zwölfjährige Samira die Sache auf den Punkt.

Nach Angaben des Bildungsministeriums sind an öffentlichen Schulen der Mark aktuell 70 polnische Pädagogen beschäftigt. Meist unterrichten sie Polnisch oder Englisch als Fremdsprache, sind im bilingualen Unterricht eingesetzt. Nur etwa zehn Prozent vermitteln Deutsch als Fremdsprache.

Szafranska kommt aus Bydgoszcz im Nordwesten Polens. „Ich wollte, dass mein Sohn zweisprachig aufwächst. Das war in meiner Heimatstadt nicht möglich“, erzählt die Lehrerin. Daher zog die Familie im Vorjahr nach Frankfurt. Szafranska fand Arbeit beim Internationalen Bund (IB), war zuerst für Praktika polnischer Jugendlicher zuständig und übernahm kurze Zeit später als vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zugelassene Lehrkraft Sprachkurse für Asylbewerber, die der Bildungsträger betreut.

Ihr Mann arbeitet in einem Autoteile-Werk in Zossen (Teltow-Fläming). Der Sohn besucht die Astrid-Lindgren-Grundschule. Über Kontakte zum staatlichen Schulamt, das Deutsch-Lehrer suchte, wechselte Szafranska im Frühjahr ebenfalls an die Bildungseinrichtung.

„Die Arbeit mit Flüchtlingskindern und deren Eltern ist für uns Lehrer oft nicht leicht“, so Schulleiterin Bab. Da sei es von Vorteil, dass Szafranska beim IB Erfahrungen auf diesem Gebiet gemacht habe. Beide Pädagogen entscheiden zusammen, wann ein Kind aus der Willkommens- in eine Regel-Schulklasse wechseln kann. „Lesen und Schreiben ist das A und O“, betonen sie.

Ob sie polnische oder Kinder anderer Nationen unterrichtet, ist für Szafranska gleich. „Unterrichtssprache ist bei mir immer Deutsch, auch wenn ich hier anfangs noch Hände und Füße dazu nehmen musste“, erklärt sie lächelnd. Das sei eben ihr Beruf, der sie erfülle.

„Angesichts der Probleme, geeignete, qualifizierte Lehrkräfte im eigenen Land zu finden, sind uns polnische Pädagogen willkommen, sofern sie Fächer unterrichten, die gebraucht werden und sie regional einsetzbar sind“, so Ministeriumssprecher Ralph Kotsch. Das größte Brandenburger Schulamt, Frankfurt (Oder), zuständig für 72 000 Schüler in Ostbrandenburg, benötige Lehrer für alle Fächer, sagt Behördenleiter Gerhard Kranz. „Rund 30 polnische Pädagogen haben wir bereits. Mit der Universität in Stettin sind wir in Verhandlungen, damit das Lehrerstudium an unsere Anforderungen angepasst wird.“

Lehrermangel gebe es aktuell an der Astrid-Lindgren-Grundschule nicht, sagt Schulleiterin Bab, auch dank dreier Seiteneinsteiger – eine ehemalige Trainerin der Frankfurter Sportschule, die sich für das Fach Biologie weiterbildet, ein ausgebildeter Lehrer, der nach der Wende aber jahrelang in anderen Berufen tätig war und ein staatlich anerkannter Erzieher, der Deutsch, Mathe und Sachkunde unterrichtet.

Ihre polnische Kollegin möchte die Schulleiterin auch dann behalten, wenn es aufgrund der rückläufigen Flüchtlingszahlen keinen Bedarf mehr für Deutsch als Fremdsprache geben sollte: „Ich werde sie im normalen Deutsch-Unterricht einsetzen. Sie hat das Zeug dazu.“

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Themen zu diesem Artikel:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen