zur Navigation springen

Brandenburg

09. Dezember 2016 | 22:16 Uhr

Brandenburg : Braunkohle-Funkstille in Potsdam

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber fordert Braunkohleausstieg bis 2030 – um die Erde nicht „zu versenken“

Er berät den Papst, die Bundesregierung und die Vereinten Nationen. Der Potsdamer Klimaforscher Hans-Joachim Schelln-huber gehört zu den weltweit anerkannten Koryphäen seines Fachs. Nur die Brandenburger Landesregierung will scheinbar nichts von ihm wissen. „Ich weiß nicht, ob die Landesregierung beratungsfähig ist, weil sie nicht mit mir spricht“, sagte Schellnhuber gestern in der Potsdamer Landespressekonferenz. Früher habe es auf höchster Ebene Gespräche gegeben, diese Zeit sei aber vorbei.

Dass die eher kohlefreundliche rot-rote Landesregierung den Dialog verweigert, könnte indes Gründe haben. Nach seiner Rückkehr von der Weltklimakonferenz in Marrakesch sprach sich Schellnhuber gestern erneut für einen Ausstieg aus der Braunkohleverstromung bis zum Jahr 2030 aus. „Nur mit einem vollkommenen Ausstieg aus der Kohle ist das Ziel einer Erderwärmung um maximal zwei Grad bis Ende des Jahrhunderts noch zu erreichen“, erläuterte der Klimaforscher.

Der Ausstieg aus der Braunkohle müsse so zügig und entschlossen geschehen wie der Atomausstieg. Alles Andere wäre „verheerend“. Doch Brandenburg spiele dabei derzeit „keine konstruktive Rolle“. Und auch international mache ein Festhalten an der Kohleverstromung Deutschland beim Klimaschutz unglaubwürdig, betonte Schellnhuber. „Es geht darum, ob wir unseren Planeten versenken oder nicht.“

Und speziell in der Lausitz gehe es auch um die Frage, ob man bereit sei, sich an die „Spitze der industriellen Revolution zu setzen, statt veraltete Arbeitsplätze bis zum letzten Blutstropfen zu verteidigen“.

Der wissenschaftliche Direktor des Potsdamer Instituts für Advanced Sustainability Studies (IASS), Mark Lawrence, sprach sich für eine vollständige Dekarbonisierung der Wirtschaft bis 2050 aus. „Wir müssen neben dem Kohlendioxid aber auch Methan, Ozon, Ruß und die FKWs in den Griff bekommen“, sagte Lawrence. Diese Stoffe trügen etwa zur Hälfte der Erderwärmung bei. Auch über eine Entfernung des Kohlendioxids aus der Atmosphäre müsse man sich Gedanken machen. „Man soll nicht denken, dass der Kohleausstieg reicht.“ Zugleich würdigte Lawrence Teile der Brandenburger Energiepolitik: Bei der Windenergie sei das Land mit 6,5 Gigawatt installierter Leistung mittlerweile einer der Vorreiter in Deutschland.

Gestern forderte auch die Brandenburger Bundestagsabgeordnete Annalena Baerbock (Bündnis 90/Die Grünen) die Landesregierung auf, mehr Energie in die Transformation der Lausitz zu investieren. „Es ist politisch mehr als unlauter, wenn Ministerpräsident Dietmar Woidke einerseits im Bundesrat das Pariser Klimaabkommen ratifiziert und andererseits jeglichen klimapolitischen Fortschritt der Bundesregierung sabotiert“, sagte Baerbock. „Er sollte seine politische Kraft endlich für ein Zukunftsprogramm, für die Transformation der Lausitz nutzen.“

Dagegen sagte Regierungssprecher Florian Engels, der Landesregierung liege kein Gesprächswunsch von Herrn Schellnhuber vor. Seine Argumente und Theorien seien ihr aber bekannt. Die Landesregierung sei selbstverständlich bereit, bei Bedarf auch mit Herrn Schellnhuber zu sprechen.  

Karte
zur Startseite

von
erstellt am 22.Nov.2016 | 05:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen