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Brandenburg

29. September 2016 | 13:52 Uhr

Betrüger testen neue Maschen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Täter geben sich als Behördenmitarbeiter oder Polizisten aus / Opfer sind vor allem Senioren

Betrüger versuchen in Brandenburg mit ständig neuen Maschen, an das Geld von Senioren zu gelangen. Zuletzt klingelte in Strausberg ein falscher GEZ-Mitarbeiter an den Türen. Andere Täter geben sich als Polizisten aus. Eine Häufung von Fällen erkennt die Polizei nicht.

So hatte auch der Mann, der am vergangenen Wochenende in Strausberg (Märkisch-Oderland) vor allem Senioren aufsuchte, nur ein Ziel: Er wollte Bargeld ergaunern. Dem vermeintlichen Mitarbeiter der Gebühreneinzugszentrale (GEZ), der angeblich Empfangsgeräte kontrollieren wollte, wurde immer wieder die Tür geöffnet. In einem Fall gelang es ihm, einen älteren Mann abzulenken und Geld zu stehlen. Doch nicht nur als Vertreter von Behörden und Institutionen geben sich Betrüger aus. „Sie verfügen über ein großes Kompendium an unglaublichen Geschichten“, sagt Peter Urban, Leiter der Prävention im Polizeipräsidium. „Und sie kennen die üblichen Geldverstecke im Haushalt.“

Mal würden sie als Geschäftsleute auftreten, in anderen Fällen als Handwerker oder Telekom-Mitarbeiter. Zudem nutzen sie die Hilfsbereitschaft aus: So wird darum gebeten, kurz das Telefon benutzen zu können. „Ältere Leute sind leider oft gutgläubig und verfügen nicht über das Selbstbewusstsein, Betrüger abzuwehren“, so Urban.

Bei der Polizei in Ostbrandenburg wurden zudem zwei Fälle angezeigt, bei denen sich Täter als Polizist ausgegeben hatten. In der Nähe von Woltersdorf (Oder-Spree) wurde eine 35-jährige Frau am vergangenen Sonntag von zwei Männern mit einer Polizeikelle angehalten, zu einem Waldweg gelotst und ausgeraubt. Vor drei Wochen wurde in Fürstenwalde (Oder-Spree) ein Täter dabei ertappt, als er über einen Zaun klettern wollte. Als der Grundstücksbesitzer ihn zur Rede stellte, zückte der Mann einen – schlecht gefälschten – Polizeiausweis. Dann ergriff er die Flucht.

Trickbetrug sei in Brandenburg jedoch „kein Massenphänomen“, sagt Urban. Freilich werden nach seinen Erfahrungen viele Fälle aus Scham nicht angezeigt.

Präventionsarbeit leistet die Polizei insbesondere bei größeren Veranstaltungen, oft in Kombination mit Auftritten des Polizeiorchesters. Am häufigsten ist nach wie vor der „Enkeltrick“. Die Zahl der Fälle schwankt laut Polizeipräsidium jährlich zwischen 150 und 350.

Zu den anderen Phänomenen existieren keine gesonderten Statistiken. Seniorenvertreter berichten, dass Trickbetrug immer wieder Gesprächsstoff ist. „Das verunsichert ältere Menschen“, sagt Hertha thor Straten vom Vorstand des Brandenburgischen Seniorenverbandes. Die Folge sei Misstrauen gegenüber allen Menschen. Werner Pahnhenrich, Vize-Landesvorsitzender der Senioren-Union, fordert Banken dazu auf, bei größeren Abhebungen von Senioren genauer hinzuschauen. „Da ist Datenschutz übertrieben.“

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erstellt am 23.Sep.2016 | 05:00 Uhr

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