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Brandenburg

11. Dezember 2016 | 09:00 Uhr

Neuer Hauptstadtflughafen : BER: Verkehrskollaps droht

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Kommunalvertreter fordern dringende Investitionen in die Infrastruktur in den Umlandgemeinden.

Bessere Straßen, Investitionen in den öffentlichen Personennahverkehr und ein Verkehrsleitsystem fordern Kommunalvertreter von BER-Umlandgemeinden in einem überarbeiteten Strukturkonzept, bevor der Flughafen in Schönefeld (Dahme-Spreewald) ans Netz geht. Vor allem die rasant steigenden Passagierzahlen beunruhigen die Politiker.

Großbeeren im nördlichen Teil des Landkreises Teltow-Fläming ist vor allem bekannt durch sein Güterverkehrszentrum (GVZ). 7500 Menschen finden nach Angaben des parteilosen Bürgermeisters Carl Ahlgrimm bereits heute Arbeit, die Zahl der Beschäftigten soll schon bald auf 9000 steigen – mehr als die Gemeinde Einwohner hat. „Die Mitarbeiter kommen nicht nur aus der Region“, sagt Ahlgrimm und sorgt sich um den zunehmenden Pendlerverkehr. Löst irgendwann der neue Flughafen in Schönefeld den Airport Tegel ab, schwant Ahlgrimm Böses: „Dann droht uns ein Dauerstau“, sagt der Bürgermeister gestern in Schönefeld bei der Präsentation des überarbeiteten Gemeinsamen Strukturkonzepts (GSK) des Dialog-Forums. In diesem Gremium sind Kommunalpolitiker aus Berliner Bezirken und Brandenburger Gemeinden, Repräsentanten beider Bundesländer und der Flughafengesellschaft vertreten.

Vor zehn Jahren ist das erste Konzept mit Handlungsanforderungen erarbeitet worden – zu einer Zeit, als man für den neuen Flughafen noch Passagierzahlen von etwa 20 Millionen prognostizierte. Mittlerweile werden es mit dem BER-Start 35 Millionen sein, „und das hat Auswirkung auf die Infrastruktur“, macht Ahlgrimm als stellvertretender Vorsitzender des Dialog-Forums klar. Im engeren Flughafenumfeld fehle es an einer aktuellen Verkehrsprognose. „Dies betrifft nicht nur das Netz der großen Zubringertrassen, sondern teilweise auch Ausweichverkehre über kommunale und gemeindeübergreifende Straßen“, betont Ahlgrimm. Als Bürgermeister befürchtet er ein Chaos auf der Osdorfer Straße in Großbeeren. Sie ist nur 4,60 Meter breit, gehört der Gemeinde und verkraftet dank des wirtschaftlichen Aufschwungs von Großbeeren schon jetzt 10 000 Fahrzeuge am Tag. Öffnet der Flughafen in Schönefeld, kommt nach Einschätzung von Ahlgrimm der Verkehr komplett zum Erliegen – wenn die Straße nicht flugs für geschätzte vier Millionen Euro ausgebaut wird.

Die Osdorfer Straße ist deshalb eine von vier im Konzept geforderten Sofortmaßnahmen mit höchster Dringlichkeit, über die das Dialog-Forum Anfang Dezember abstimmen will. „Mit diesen vier Sofortmaßnahmen wollen wir Bypässe schaffen, um einen Infarkt zu verhindern“, betont Ahlgrimm. Es sei sträflich, einfach den Kopf in den Sand zu stecken und abzuwarten. Unvermeidbare Verkehrsbehinderungen erwarten die Planer zudem durch den Regierungsflughafen. Doch Ahlgrimm weiß aus Erfahrung, dass das Land Brandenburg und auch Berlin anderer Ansicht sind. „Beide Länder sind der Meinung, dass alles gut erschlossen ist. Deshalb müssen wir mit Fakten gegenhalten.“

Ein weiterer Punkt sind Investitionen in den alten Bahnhof Schönefeld, dem vor zehn Jahren noch keine besondere Bedeutung beigemessen worden ist. Durch die längere Offenhaltung des alten Schönefelder Flughafenterminals spielt der Bahnhof aber auch künftig eine zentrale Rolle. Finanziert werden soll das nach Ansicht des Dialog-Forums über die Finanzausgleichsumlage, im Volksmund als Reichensteuer bekannt. 28 Millionen Euro musste allein die Gemeinde Schönefeld in diesem Jahr an das Land überweisen. „Müssten wir das Geld nicht abführen, könnten wir es in die Infrastruktur investieren“, sagt Ahlgrimm. Man müsse als Region denken, wenn es um den BER und sein Umfeld geht. Das gelte auch beim öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). „Die Angebote müssen länderübergreifend sein, ansonsten ersticken wir im Individualverkehr“, warnt der Politiker.

 

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erstellt am 11.Nov.2016 | 12:00 Uhr

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