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Delikte in der Grenzregion : Automatensprengern auf der Spur

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Überfallserie beiderseits der Oder beschäftigt die neue deutsch-polnische Koordinierungsgruppe der Polizei .

Die Serie der gesprengten Geldautomaten in Brandenburg reißt nicht ab. Da es in der polnischen Grenzregion in jüngster Zeit zahlreiche ähnliche Delikte gab, vermutet die Polizei einen Zusammenhang zwischen den Tätern.

Eine krimireife Verfolgungsjagd spielte sich in der Nacht zum 10. März im polnischen Gorzów ab. Polizeibeamte waren zwei Männern, die einen Geldautomaten gesprengt hatten, dicht auf den Fersen. Doch obwohl die Polizisten mehrere Warnschüsse abgaben, konnten die Täter auf einem Motorrad entkommen.

Drei Nächte später flog in Osno – einer Kleinstadt 30 Kilometer östlich von Frankfurt – ein Geldautomat unter dem Dach eines Lebensmittel-Discounters in die Luft. Am 24. März wurde die Sparkassen-Filiale in Lauchhammer (Oberspreewald-Lausitz) Opfer von Dieben – dort explodierten gleich zwei Automaten.

In der Nacht zum 31. März knallte es in der Sparda-Bank von Frankfurt und eine Woche später war die Postbank-Filiale in der Eisenhüttenstädter Poststraße als vorerst letzte an der Reihe. Überall kam zum Geldverlust noch ein hoher Sachschaden hinzu. Denn das Gas, das die Täter in die Automaten strömen ließen, um diese zu sprengen, zerstörte auch weitere Technik, Mobiliar und Glasscheiben. Für die Mitarbeiter der Banken sowie die Anwohner der Filialen waren die Angriffe auch ein großer Schock.

Die Reihe ließe sich lange fortsetzen. Im vergangenen Jahr wurden in Brandenburg 28 Geldautomaten gesprengt. In der polnischen Grenzregion ebenfalls fast ein Dutzend. „Wir gehen von deutschen und polnischen Tätern aus“, hatte der Leiter des Brandenburger Landeskriminalamts, Dirk Volkland, bereits im vergangenen Dezember erklärt.

Schon damals beschäftigte sich eine Koordinierungsgruppe, die die Brandenburger Landespolizei und die Kommandantur in Gorzów im vergangenen Herbst gebildet hatte, mit den Ereignissen. Der Frankfurter Kriminalrat Gerd Otter, der die Gruppe von deutscher Seite leitet, kann sich noch genau an das erste Treffen am 13. Oktober in Gorzów erinnern. „Denn in der Nacht darauf versuchten Täter in die Commerzbank-Filiale in Frankfurt(Oder) einzudringen, hatten aber keinen Erfolg. Und zwei Tage später wurden auf polnischer Seite zwei Automaten gesprengt.“

Seither sind die Kriminalisten laut Otter, der auch das Dezernat zur Bekämpfung schwerer grenzüberschreitender Eigentumskriminalität beim Brandenburger Landeskriminalamt leitet, den Tätern näher auf die Fersen gerückt. Bei einer Durchsuchung in Brandenburg und Berlin wurden am 14. März zwei deutsche Männer festgenommen, denen die Ermittler elf Taten in Brandenburg und drei in Berlin zuordnen.

Die Tatsache, dass die Automatensprenger nicht mehr als vier bis fünf Minuten für ihre Taten brauchen, ist für die Polizei das größte Problem. „Wir müssen sie zwingen, Fehler zu machen und Spuren zu hinterlassen“, beschreibt der 44-jährige Kriminalist die Strategie. Nach einer Sprengung in Luckau (Dahme-Spreewald) waren Polizisten den Räubern bereits so nah auf den Fersen, dass letztere auf der Flucht ihr Fahrzeug zurückließen. Die Tatsache, dass es sich dabei um ein polnisches Auto handelte, bestätigte die Annahme, dass auch polnische Täter ihre Hände im Spiel haben.

Gemeinsame Ermittlungen werden von der Koordinierungsgruppe allerdings nicht geführt. Das gibt selbst das 2015 in Kraft getretene deutsch-polnische Polizeiabkommen noch nicht her. „Wir können aber Ermittler zum Erkenntnis-Austausch zusammenbringen“, sagt Otter. Dies sei nicht nur bei den Verfolgern der Geldautomatensprenger der Fall, sondern auch bei Autodiebstählen und Wohnungseinbrüchen.

Die Serie der Sprengungen hat auch dazu geführt, dass einige Geldinstitute ihre Automaten mit noch höheren Sicherheitsvorkehrungen ausgestattet haben. In dem Automaten, der in Eisenhüttenstadt explodierte, platzten auch Farbpatronen, die das Geld für die Diebe unbrauchbar machen. „Andere Banken haben Neutralisierungstechnik installiert, die bewirkt, dass das von den Dieben benutzte Gas gar nicht erst explodieren kann“, beschreibt Otter.

Die Koordinierungsgruppe, zu der drei Brandenburger und fünf polnische Kriminalisten gehören, soll eine Vorstufe für eine gemeinsame Polizeidienststelle an der Grenze sein, durch die die Ermittlungsverfahren in beiden Ländern noch besser koordiniert werden können. Bevor diese eingerichtet werden kann, sind aber noch weitere Absprachen der Behörden erforderlich. 

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