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Brandenburg

09. Dezember 2016 | 02:55 Uhr

Potsdamer Stadtschloss : Attika-Figuren bleiben verwaist

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Seit drei Jahren steht das neue Potsdamer Stadtschloss. Der langen Debatte um den Bau folgt der Streit um die Figuren auf dem Dach

Einsam blicken die beiden Sandsteinfiguren vom Westportal des Stadtschlosses auf die Potsdamer Innenstadt herab. Längst sollten ihnen weitere Skulpturen Gesellschaft leisten, die einst das Flachdach des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Schlosses zierten. Doch die Verstärkung für die beiden Attika-Figuren „Herkules“ und der „an einem Baumstamm gelehnte Jüngling“, die sich seit April dieses Jahres auf dem Dach des Landtagsgebäudes befinden, lässt auf sich warten.

Die Dacheinfassung des zwischen 1744 und 1751 von Friedrich II. nach Plänen des Architekten Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff im Stil des friderizianischen Rokokos ausgebauten Stadtschlosses zierten ursprünglich 76 überlebensgroße Standbilder nach Motiven der griechischen Mythologie.

Bei einem britischen Luftangriff am 14. April 1945 brannte das Gebäude bis auf die Außenmauern nieder. Die Ruine wurde 1960 gesprengt. Mehrere von Krieg und Abriss verschonte Statuen standen einige Zeit im Park Sanssouci, lagerten dann in einem Wald bei Potsdam ehe sie in ein Depot der Schlösserstiftung kamen. Acht der Kunstwerke gelangten 1966 als Dauerleihgaben zur Berliner Humboldt-Universität, wo sie ihren Platz auf dem Dach des Hauptgebäudes Unter den Linden einnahmen.

Für die Rückkehr von 34 Attika-Figuren auf das Schlossdach macht sich seit Jahren ein Bündnis stark, dem neben dem Stadtkonservator Andreas Kalesse die Bürgerinitiative Mitteschön und der Verein Potsdamer Stadtschloss angehören. Schloss-Architekt Peter Kulka gestattet aber nur auf den Außenseiten des Daches Figuren, nicht aber zum Innenhof hin. Die Stiftung Preus-sische Schlösser und Gärten befürwortet eine Anzahl von 17 Skulpturen, deren Rekonstruktion und Aufstellung ausschließlich der Förderverein finanzieren soll.

Nach Absprache zwischen Förderverein und Landtagsverwaltung sollten bereits von diesem Herbst an zwei weitere Statuen das Schlossdach zieren. Doch die dem Verein bereits im Juni ausgestellte Baugenehmigung erreichte die Landtagsverwaltung nach deren Angaben erst vor wenigen Tagen. Die beiden zum Teil nach historischen Fotos nachgebildeten Figuren werden ihren künftigen Standort daher wohl erst im kommenden Jahr einnehmen können.

Derweil scheint eine Lösung in weite Ferne gerückt. Brandenburgs Landesregierung sehe „derzeit keine Notwendigkeit, hier initiativ tätig zu werden“, wie das Kulturministerium in der Antwort auf eine Anfrage der CDU-Fraktion im Landtag klarstellte. Damit schloss sich die Landesregierung der Schlösserstiftung und dem Votum des Brandenburger Denkmalamtes an.

Das Potsdamer Stadtparlament hatte noch 2013 den Oberbürgermeister beauftragt, sich für die Rückkehr der Figuren einzusetzen. Auf einer Podiumsveranstaltung des Potsdamer Stadtforums erklärte Oberbürgermeister Jann Jakobs (SPD) kürzlich, ihm seien die Hände gebunden, da über die Dauerleihgabe der Figuren nur die Schlösserstiftung als deren Eigentümer entscheiden könne. Der Verein Mitteschön warf Jakobs daraufhin mangelndes Engagement vor.

Das Berliner Landesdenkmalamt begründet das Dauerexil der Figuren mit dem Denkmalschutz des Hauptgebäudes der Humboldt-Uni, das einst als Palais für den Bruder von Friedrich II., Prinz Heinrich, gebaut wurde. Auch die Schlösserstiftung verweist darauf, dass der Potsdamer Landtag lediglich eine Kopie des einstigen Schlosses ist.

Dabei mangelt es Potsdam vorerst nicht an Attika-Figuren. Die Schlösserstiftung beherbergt an die 30 Skulpturen in unterschiedlichem Zustand. Wann weitere restauriert und auf dem Dach des Landtages aufgestellt werden können, hängt von den Spenden ab, die der Förderverein erhält.  

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