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Brandenburg

08. Dezember 2016 | 08:59 Uhr

Rassismus gegen Mediziner : Ärzte werden zum Hassobjekt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Rassismus und Aggressivität gegen Mediziner. Die Unsicherheit wächst

Sie gelten als die Lebensretter schlechthin: Ärzte genießen hohes gesellschaftliches Ansehen. Trotzdem erleben fast alle Anfeindungen und tätliche Übergriffe. Immer häufiger sind die Motive dafür rassistisch.

Jüngstes Beispiel ist ein Fall aus Kyritz (Ostprignitz-Ruppin). Dort wurde ein 28-Jähriger in der Nacht zum Sonntag handgreiflich. Er wollte sich nach einem Sturz behandeln lassen – nicht aber vom diensthabenden Arzt aus Venezuela. Beim Eintreffen der Polizei hatte das Klinikpersonal den Mann, der durch starke Stimmungsschwankungen auffiel, bereits unter Kontrolle gebracht. Neben einem Messer mit 13,2 Zentimeter langer, beidseitig geschliffener Klinge führte er Drogen mit sich, die ein erster Test als Amphetamine klassifizierte. Der vorübergehend festgenommene Patient soll aus Sachsen-Anhalt stammen und der Polizei wegen mehrerer rechtsmotivierter Straftaten bekannt sein.

Solche Fälle sind laut Toralf Reinhardt, Sprecher der Polizeidirektion Nord, die Ausnahme. Aber sie passieren immer wieder. Ende August hatte ein 28-jähriger Patient in Oranienburg einen dunkelhäutigen Arzt rassistisch beschimpft und mit dem Tod bedroht. Der Hartz-IV-Empfänger war bei einer Familienfeier betrunken in einen Glastisch gestürzt und hatte Schnittverletzungen erlitten. Im beschleunigten Verfahren wurde er zu fünf Monaten Gefängnis auf Bewährung und zu 150 Sozialstunden verurteilt. Auch in den Ruppiner Kliniken weigern sich Patienten immer wieder, sich von ausländischen oder dunkelhäutigen Ärzten behandeln zu lassen. Das bestätigt Sprecherin Verena Clasen.

Die Landesärztekammer Brandenburg nimmt laut Sprecherin Anja Zimmermann den Kyritzer Fall zum Anlass, Empfehlungen für den Umgang mit rassistischen Anfeindungen zu erarbeiten.

Doch nicht nur Rassismus entlädt sich in den Behandlungszimmern. Im Vorjahr berichtete das Deutsche Ärzteblatt über eine bundesweite Umfrage unter zufällig ausgewählten Allgemeinmedizinern und praktischen Ärzten. Mehr als 90 Prozent der 831 Teilnehmer berichteten, in ihrer hausärztlichen Tätigkeit mit aggressivem Verhalten konfrontiert gewesen zu sein; 73 Prozent sogar in den zurückliegenden zwölf Monaten. Die große −Mehrheit der Umfrage-Teilnehmer fühlt sich in den eigenen Praxisräumen sicher. Anders sieht es bei Hausbesuchen im Rahmen des Bereitschaftsdienstes aus. Dort fühle sich 66 Prozent der Ärztinnen und 34 Prozent der Ärzte nicht sicher.  

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erstellt am 03.Nov.2016 | 05:00 Uhr

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